Spielräume eines professionellen Marketings

Selbstmanagement – Herausforderung für junge Musiker, Teil I ·


(nmz) -

Musikvermittlung – ein Thema ausschließlich für Studierende der Schulmusik oder der Elementaren Musikpädagogik? Mitnichten. Die Auseinandersetzung mit neuen Konzert- und Vermittlungsformen gewinnt insbesondere auch für angehende Instrumentalsolistinnen und -solisten sowie Musikensembles zunehmend an Bedeutung. Woher rührt dieses steigende Interesse? „Der Konkurrenzkampf ist sehr groß geworden auf dem Musikmarkt. Man muss nach neuen Wegen und Konzertformen suchen, um das Publikum und auch die Konzertveranstalter von sich zu überzeugen. Fragen der Konzertgestaltung und des Konzertmanagements werden für uns immer wichtiger,” so eine Teilnehmerin des Seminars „Musikvermittlung” auf Schloss Weikersheim.

Ein Artikel von Berthild Lievenbrück

Vom 31. März bis zum 3. April diesen Jahres hatte die Stiftung Podium Junger Musiker (SPJM) in Kooperation mit Jeunesses Musicales Deutschland e.V. (JMD) junge Musikerinnen und Musiker nach Weikersheim eingeladen, um in einem gemeinsamen Pilotprojekt auf aktuelle Tendenzen zu reagieren. Die Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg förderte das Seminar mit einer finanziellen Unterstützung.

Ulrich Wüster, Generalsekretär der JMD und Vorstandsmitglied der SPJM, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass vor allem junge Stipendiatinnen und Stipendiaten, die sich erst am Anfang ihrer musikalischen Laufbahn befinden, die Auswirkungen der tiefgreifenden Veränderung unserer Musikkultur zu spüren bekämen. Zum einen sei die Zahl der sehr gut ausgebildeten Solisten und Solistinnen stark gestiegen. Bei gleichzeitiger Kürzung der öffentlichen Gelder für die Kultur werde es für diese deshalb immer mühsamer, Anstellungen, Engagements und Konzerte zu bekommen. Zum anderen ließe der Publikumszuspruch für klassische Konzerte sichtbar nach, ganz zu schweigen von oftmals noch immer vernachlässigten jungen Hörern. Die tendenziell schwindende musikalische Vorerfahrung des Konzertpublikums gerade im Bereich der klassischen Musik erhöhe zudem den Anspruch an Ensembles, in ansprechenden Moderationen oder in anschaulichen Programmheften auf die dargebotenen Musikstücke vorzubereiten. Darüber hinaus habe sich sowohl die Erwartungshaltung der Konzertveranstalter als auch die des Publikums erheblich verändert: Ein mediengerechtes Auftreten mit Internetseite, Hochglanzbroschüre und CD-Einspielung sei heute schon weitgehend Bestandteil der eigenen Präsentation. Viele Musiker sähen sich entsprechend vor neue Herausforderungen gestellt, denen sie sich häufig nicht gewachsen fühlten, da nur die wenigsten in ihrem Studium adäquat auf diese zusätzlichen Aufgaben vorbereitet würden.

Hier nun setzte das Angebot der SPJM und JMD an. „Den Anstoß zu diesem Seminarangebot gab ein Konzeptionsworkshop im vergangenen Jahr in Weikersheim, der sich mit der Frage beschäftigte, welches berufliche Umfeld die ausgebildeten jungen Musikerinnen und Musiker zukünftig erwarten wird und wie Musikhochschulen, Musikorganisationen sowie Musikstiftungen darauf reagieren können”, so Ruth Jakobi, Projektleiterin und Geschäftsführerin der SPJM. Das Seminar „Musikvermittlung“ solle den vermehrten Anfragen der Stipendiaten nachkommen und konkrete Hilfestellung geben zu Fragen der Programmgestaltung, Konzertmoderation und Bühnenpräsenz. Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Bereich des Marketing, der für die Vermittlung eines Konzertes an die Konzertagenturen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Christoph Büscher (Programmmanagement und Marketing des SWR) und Kathrin Hauser-Schmolck (Kultur und Projekte, München) zeigten den Teilnehmenden zunächst Spielräume eines professionellen Musikmarketings auf: Neben Chancen eines sogenannten „Corporate Designs“ – beispielsweise einem schlüssigen Namen für ein Kammermusikensemble, gekoppelt an ein grafisch gestaltetes Logo, dargestellt in einer klar strukturierten ansprechenden Bewerbungsmappe und entsprechenden Foldern – wurden Beispiele gelungener Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Bedeutung von Netzwerken vorgestellt. Trotz der diesem umfangreichen Themenkomplex nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit wurde eines bei den Ausführungen besonders offensichtlich: Die künstlerische Qualität einer Musikerin und eines Musikers allein reicht nicht mehr aus, um auf dem Musikmarkt Fuß zu fassen. Kenntnisse im Musikmarketing sind bereits zum wichtigen Bestandteil im Musikerdasein geworden.

In den Vordergrund des Konzertlebens treten deswegen auch immer häufiger Fragen einer gelungenen Programmgestaltung, wie in den Ausführungen von Berthold Warnecke deutlich wurde, der die Teilnehmenden an seinen eigenen reichen Erfahrungen als Dramaturg der Städtischen Bühnen Münster teilhaben ließ. Die spürbare Absage des Publikums an traditionelle Konzertformen und die wachsende Neugier auf neue Formen und Inhalte birgt gerade für die Programmgestaltung große Chancen: Die Stückauswahl kann nach thematischen, strukturellen oder atmosphärischen Kriterien zusammengestellt, kunstspartenübergreifende Elemente können hinzugezogen oder neue künstlerische Formationen eingesetzt werden. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Wichtig ist es jedoch, einen roten Faden und damit verbunden eine Dramaturgie des Gesamtkonzertes im Auge zu behalten. Wie reizvoll die Aufgabe sein kann, Musik in neue Kontexte zu stellen und selbst zu inszenieren, erfuhren die Stipendiaten schließlich in der Ausgestaltung eines Konzertabends mit ihren eigenen Repertoirestücken.

Zu einer gelungenen Musikvermittlung gehört auch ein Blick auf Aspekte, die mitunter zunächst äußerlich erscheinen mögen, in ihrer Wirkung aber wesentlich zum Gelingen eines Konzertes beitragen. Stichwort: Bühnenpräsenz. Wie eng die eigene Bühnenpräsenz an eine bewusste Raumwahrnehmung gekoppelt ist, konnten die Teilnehmenden bereits in wenigen gemeinsamen Übungen erfahren, die Cornelia Krawutschke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und Moderationstrainerin, mit ihnen durchführte.

>>> Teil II in der nmz Juni 2003 >>>

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