Stadtraum als kulturelle Identität

Das neue Atelierprojekt und Kulturzentrum whiteBOX in München präsentiert sein Programm 2017


(nmz) -
In München gibt es ein Kreativquartier, über das viel geredet wird. Und dann gibt es kreative Quartiere, in denen viel getan wird. Zum Beispiel das Werksviertel, eine Mixtur zwischen Großbaustelle, Initiativraum und Kulturtreffpunkt, das derzeit dem ehemaligen Pfanni-Gelände am Ostbahnhof ein neues Profil gibt. Viel ist im Umbruch, Bagger heben große Löcher für den geplanten Konzertsaal aus, anderes nimmt, wie die whiteBOX, bereits auffallend offensiv Gestalt an. Am 28. Mai 2016 öffnete das Atelierprojekt und Kulturzentrum seine Pforten, wenige Monate und zahlreiche Veranstaltungen später kann die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin Martina Taubenberger ein Jahresprogramm 2017 präsentieren, das mit viel Gespür für das passende Verhältnis von Offenheit und konzeptueller Klammerung interdisziplinäre Kunstprojekte auf den Weg bringt.
Ein Artikel von Ralf Dombrowski

 Voraussetzung ist zum einen eine unabhängige Finanzierung. Die whiteBOX wird maßgeblich durch den Bauträger des Werksviertels Mitte, die OTEC GmbH & Co KG gefördert, unterstützt durch eine Versicherung und eine örtliche Erfrischungsgetränke GmbH. Da sich die Sponsoren vor allem als Sponsoren und nicht als Programmplaner verstehen, ermöglicht diese private Unterstützung große gestalterische Freiheit für eine Konzeptarbeit, die kaum bürokratischen Regelwegen folgen muss. Wichtig sind darüber hinaus aber vor allem die Räume, die bespielt werden können. So stellt die whiteBOX etwa jungen Künstlern Ateliers zur Verfügung und hat darüber hinaus einen Konzert- und Performance-Raum und ein flexibles Gastatelier vor Ort, das im kommenden Frühjahr beispielsweise von den zwei Artists in Residence Suresh Kumar und Sridhar Gangolli aus dem indischen Bangalore in Kooperation mit sechs Münchner Künstlern im Rahmen des Projekts Double Road genützt werden kann, das unter anderem in eine Ausstellung (28. Juni – 31. Juli) mündet.

Zuvor nimmt der Komponist Marc Sinan das Thema Indien im Rahmen der multimedialen Musikperformance „I EXIST – nach Rajasthan“ auf. Am 3. April ist Premiere nebenan im Technikum, neben Ton- und Bilddokumenten zur Geschichte der indischen Wurzeln der Romakultur werden Musiker des No Border Orchestra und der Dresdener Sinfoniker zusammen mit Sängerin Iva Bittová und dem Gestaltungsteam um Delaine und Damian Le Bas beteiligt sein. Sinan und Bittová sind außerdem Residenzkünstler des Festivals und Begegnungsprojekts junger Orchestermusiker Auftakt!, das von 14.–16. Juli bereits zum zweiten Mal in Kooperation mit der Jeunesses Musicales durchgeführt wird. Ein weiterer Programmschwerpunkt steht unter dem Motto Body & Space und erforscht mit verschiedenen Projekten das Verhältnis von Mensch und Raum. Dazu gehören mehrere Street-Dance-Termine, die Klang- und Farbperformance Living Colors von Stefan Winter und Noriko Kura, das temporäre Plakatprojekt Corps In Situ In City von Aline Brugel (14. Juli – 15. Okt) und im weiteren Sinne auch die Präsentation der Entwürfe der Gewinner des Architekturwettbewerbs für das Münchner Konzerthaus (21. Mai – 5. Juni). Denn auch da geht es um Stadtraum, Kulturraum, Identität, um die Kerninteressen der whiteBOX.  
  

Das könnte Sie auch interessieren: