Stärkung der EMP in Mannheim

Einrichtung einer zusätzlichen Dozentur


(nmz) -
In den letzten Jahren hat sich das Arbeitsgebiet der Elementaren Musikpädagogik wesentlich gewandelt und verbreitert, ihre gesellschaftliche Relevanz ist nochmals gestiegen. Da sich auch die Studierendenzahl in diesem Fach an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sehr erfreulich entwickelte, hat die Hochschule entschieden, ihr Lehrangebot mit einer zusätzlichen Dozentur zu erweitern. Ermöglicht wird dies durch den Aufwuchs der Finanzmittel, die der neue Hochschulfinanzierungsvertrag für Mannheim garantiert.

EMP und die Anfänge

Das Studienfach Elementare Musikpädagogik wurde im Jahr 1981 – noch als „Musikalische Früherziehung/Musikalische Grundausbildung“ bezeichnet – an der Musikhochschule Mannheim eingeführt und fast 30 Jahre durch Prof. Maria Rebhahn (Seeliger) geleitet. Mannheim nahm mit der Einrichtung einer vollen Professur in diesem Bereich bundesweit eine Vorreiterrolle ein. In Anlehnung an die von Carl Orff in Salzburg geprägte Bezeichnung „Elementare Musik- und Tanzerziehung“ wird das Fach in Mannheim – wie seit 1994 fast durchgängig an Deutschen Musikhochschulen – als „Elementare Musikpädagogik“ bezeichnet. Damit wurde ein Name gefunden, der sich nicht nur auf den musikpädagogischen Umgang mit Kindern, sondern auf alle Altersstufen bezieht. Im Kern beruhen die Inhalte der Elementaren Musikpädagogik auf der Erkenntnis, dass Musik, Sprache, Bewegung und Tanz in enger, ja untrennbarer Verbindung zueinander stehen. Sie entfaltet in künstlerisch-pädagogischen Prozessen mit unterschiedlichen Altersgruppen ihre besondere Wirkung. Betont sei dabei, dass die EMP neben musikalisch-tänzerischen auch persönlichkeits-
bildende Ziele verfolgt.

Das Studium der EMP in Mannheim

Zur Zeit kann zwischen drei verschiedenen Varianten gewählt werden:
• Hauptfach EMP, Bachelor of Music, grundständiger Studiengang in Verbindung mit einem weiteren Hauptfach (Instrument oder Gesang) mit Lehr-
befähigung für alle Stufen
• Hauptfach EMP, Bachelor of Music, grundständiger Studiengang in Verbindung mit einem künstlerischen Nebenfach (Instrument oder Gesang) mit Lehrbefähigung für die Unterstufe im Nebenfach
• Hauptfach EMP, Bachelor of Music, grundständiger Studiengang in Verbindung mit einem künstlerischen Nebenfach (Instrument oder Gesang) ohne Lehrbefähigung im Nebenfach
Geplant ist die Erweiterung des derzeitigen Studienangebots auf einen konsekutiven Master-
Studiengang. Ergänzend wird eine Einführung in die EMP für Studierende mit anderem Hauptfach angeboten.

Schwerpunkt des Studiums des Hauptfachs Elementare Musikpädagogik sind die künstlerische Praxis, theoretisch-wissenschaftliche Arbeit und die Lehrpraxis. Ausgangspunkt dabei ist die Entwicklung eigener künstlerischer Ressourcen. Ihr wird in vielfältigen Unterrichtsangeboten Rechnung getragen. Sie ist Basis für persönliches künstlerisches Handeln und essentiell für die pädagogische Arbeit. Gleiche Bedeutung hat die Lehre der theoretisch-wissenschaftlichen Aspekte der EMP, also der Grundlagen der Pädagogik, der Entwicklungspsychologie sowie der Methodik und Fachdidaktik. Darauf aufbauend bildet die Lehrpraxis einen weiteren substantiellen Teil des Studiums. Sie ermöglicht den Studierenden musikpraktischen Bezug zu unterschiedlichen Kontexten und Arbeitsfeldern mit verschiedenen Zielgruppen.

Künstlerische Praxis

Die Lehrangebote der künstlerischen Praxis umfassen die Bereiche Elementares Instrumentalspiel, Percussion, vokale und instrumentale Improvisation und Gestaltung, Musik-Sprache-Bewegung, Stimmbildung, Sprecherziehung und Bewegung/Tanz. Dabei wird großer Wert auf das Ineinandergreifen der künstlerischen Ansätze gelegt. Die Ergebnisse der Arbeit werden in den häufig stattfindenden Performance-Produktionen vorgestellt, die von den Studierenden mit großem Engagement initiiert und realisiert werden.
Ein besonderes Profil des Mannheimer Angebots bildet die umfangreiche Beschäftigung mit Elementarer Komposition. Dabei werden die Studierenden angeleitet, qualitativ ansprechende Materialien für den Musikunterricht zu komponieren oder zu entwerfen, die dann in die Musikpraxis einfließen. Die Aufgabenstellungen für Kompositionen gehen mitunter über den Bereich des Elementaren Musizierens hinaus und reichen hinein in die eigene künstlerische Praxis. So konzipieren EMP-Studierende zum Ende des Studiums eine zusammenhängende Komposition und präsentieren eine künstlerische Studie.

Theorie und Wissenschaft

Die Inhalte der EMP lassen sich in sechs Bereiche unterteilen: Singen und Sprechen, Elementares
Instrumentalspiel, Bewegung und Tanz, Wahrnehmen und Erleben, Denken und Symbolisieren, Verbinden von Musik mit anderen Ausdrucksformen. In Seminaren werden die theoretischen Grundlagen der Lern- und Entwicklungspsychologie diskutiert und grundlegende Fragen der Unterrichtsführung und -gestaltung behandelt.  Zum Lehrumfang gehören auch das Kennenlernen von Lehrmaterialien und Unterrichtslehrwerken und die kritisch-diskursive Auseinandersetzung mit ihnen hinsichtlich künstlerischer Substanz und methodischer Qualität.

Musikpraktische Angebote und Projekte

Eine weitere Besonderheit an der Musikhochschule Mannheim ist das umfangreiche Angebot im Bereich der Lehrpraxis. Geleitet von fünf verschiedenen Lehrkräften werden sechs Studierendengruppen gebildet, die in Absprache mit den Lehrkräften eigene musikpraktische Unterrichtsentwürfe mit Zielgruppen für nahezu alle Altersstufen gestalten: für Kleinkinder mit ihren Eltern, Vorschul- und Schulkinder, Erwachsene und Senioren. Dadurch wird eine Vielfalt geboten, die der Entwicklung der Studierenden zu individuellen Lehrerpersönlichkeiten in besonderer Weise zuträglich ist. Die besondere gesellschaftliche Relevanz des Faches führt dazu, dass bewusst intensive Verknüpfungen zu kulturellen und pädagogischen Einrichtungen außerhalb der Hochschule aufgebaut werden, um das Wirkungsfeld der EMP zukünftig noch zu
erweitern und ihre spezifische Arbeitsweise für neue Zielbereiche verfügbar zu machen.

Die projektbezogene Arbeit erfolgt beispielsweise in folgenden Formaten:

„Krabbelkonzerte“
Die Veranstaltungen für 0-3-jährige Kinder und ihre Bezugspersonen möchten auf direkte Weise in einen musikalischen Aktionsraum einbinden, in dem ganz auf Sprache oder eine Handlung verzichtet wird. Allein durch die Anordnung und Dramaturgie der Musikstücke wird eine Spannung erreicht, die zur
Intensivierung des Wahrnehmens und Erlebens beiträgt.

„Musik Interaktiv“
Diese interdisziplinären Projekte werden von Studierenden der EMP und Instrumentalisten bzw. Sängern durchgeführt. Gemeinsam erarbeiten sie Konzepte für spezielle Angebote in Seniorenheimen. Die
Besonderheit ist dabei, dass die Bewohner der Heime in das musikalisch-künstlerische Geschehen aktiv eingebunden werden. So werden konzertante Phasen mit aktivierenden Elementen in der Bewegung, der stimmlichen Exploration wie auch beim Singen verbunden. Den Rahmen hierfür bildet jeweils ein Thema, das Raum lässt sowohl für Bekanntes als auch Neues.

„Musik verbindet“
In Zusammenarbeit mit dem Rhein-Neckar-Kreis entwickeln Lehrkräfte und Studierende ein interkulturelles musikalisches Angebot für Flüchtlinge und Migranten, in dessen Mittelpunkt vielseitige künstlerische Begegnungsmöglichkeiten und gegenseitiger musikalischer Austausch stehen. Die EMP ist in besonderem Maß geeignet, integrativ zu wirken.

„Spezielle öffentliche Veranstaltungen“
Als Beispiel sei das Mannheimer Kinderfest genannt. Dabei beteiligen sich die Studierenden der EMP mit zahlreichen Beiträgen, die Kinder auch ohne musikalische Vorkenntnisse an das Erleben der Musik heranführen. Kleine konzertante Beiträge – mit traditionellen und außergewöhnlichen Instrumenten – laden zum Zuhören und Zuschauen ein. Dieses bildet Einstieg und Basis für aktives Mitmachen bei gemeinsamen Tänzen, Liedern und anderen Gestaltungen.

Ausblick
Durch die verbesserte personelle Situation entstehen Freiräume und die Möglichkeit, auf steigende Bedarfe zeitnah zu reagieren. Derzeit werden die Planungen für das Hauptfach-Angebot im Master konkretisiert, um eine noch größere Vielfalt von Weiterbildungsangeboten der Hochschule zu ermöglichen.

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