Tandem und Teambildung im Fokus

Zweiter Fachtag zur musikalischen Bildung in Nürnberg


(nmz) -
Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Unterrichtspraxis diskutierten am 11. und 12. November 2016 in der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg über Potenziale und Herausforderungen des Tandemunterrichts in musikalischen Bildungsprogrammen. Veranstaltet wurde die Tagung von den Trägern des Nürnberger Programms MUBIKIN, das seit 2011 besteht und inzwischen 3.500 Kindergarten- und Grundschulkindern erweiterten Musikunterricht im Tandem aus einer Musikschullehrkraft und einer Fachkraft der Kindertageseinrichtung beziehungsweise Lehrkraft der Schule bietet.
Ein Artikel von Rainer Kotzian

In ihrer Eröffnungsrede stellte Kulturreferentin Professor Julia Lehner dem Kooperationsprogramm der Stadt Nürnberg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Hochschule für Musik Nürnberg, der Bouhon-Stiftung und der Stiftung Persönlichkeit ein gutes Zeugnis aus: „MUBIKIN ist ein Modell, das erfunden werden müsste, wenn es das nicht schon gäbe. Deshalb freuen wir uns sehr über diesen zentralen Beitrag zur kulturellen Bildung in Nürnberg.“ Helmut Gierse, Vorsitzender der Trägerversammlung und der Stiftung Persönlichkeit betonte, dass MUBIKIN ein „lernendes Programm“ sei, das sich der steten Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung zum Wohle der Kinder verschrieben habe.

Als Hauptrednerin der Auftaktveranstaltung sprach Anette Lang, Personalchefin und Führungskraft der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus der Perspektive der Wirtschaft zum Thema „Aus dem Wandel lernen – Zusammenarbeit im Team“. Nach Lang ist die Arbeit im Team heute und noch mehr in Zukunft ein wichtiger Erfolgsfaktor (nicht nur) für Unternehmen angesichts der immer weiter zunehmenden Geschwindigkeit von Wandel. Denn Teams bringen unterschiedliche Erfahrungen zusammen, erzeugen somit ein neues Selbstverständnis, lösen Probleme effektiver, denken über die Grenzen der Einzelnen hinaus und arbeiten auch innovativer. Sie sind vernetzungsbereiter, arbeiten energiesparender und effizienter zugleich, und sie sammeln gemeinsam mehr Mut für neue Aufgaben. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass Teamarbeit mehr beziehungsweise genauere Planung benötigt, dass sich Wandel beziehungsweise Aufgaben individuell ausprägen und dabei auch Höhen und Tiefen einkalkuliert werden müssen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Anette Lang, Andreas Lehmann-Wermser, Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, und Thomas Reichert, Schulrat im Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg, bestätigte Reichert, dass Teamarbeit mittlerweile auch im Schulwesen als Erfolgsfaktor anerkannt sei. Allerdings seien immer noch Hürden der Akzeptanz zu überwinden. Lehmann-Wermser sah darin keinen bösen Willen, sondern vor allem die unterschiedlichen Hintergründe der Tandem-Mitglieder. Lang empfahl als Erfolgsformel „gemeinsame Ziele plus ganz viel Kommunikation“.

Vielfältige Impulse erhielten die Teilnehmenden am nächsten Tag in Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden, die zum Teil auch von Tandems geleitet wurden und neben praktischen Beispielen für den Unterricht Ideen zur gemeinsamen Weiterentwicklung, Rollenverteilung und Anleitung im Tandem behandelten. Darüber hinaus wurden Strategien und Werkzeuge vorgestellt und erarbeitet, wie etwa gemeinsame Rituale, Trainingseinheiten zur schrittweisen Veränderung von Gewohnheiten sowie Ideen zur Vernetzung mit anderen. Allen Teilnehmenden überreichten die Veranstalter außerdem das von Andrea Herzog und Gabriele Rüll eigens entwickelte Praxisbuch „Im Tandem unterrichten. Grundsätze – Praxis – Beispiele. Eine Handreichung für Musikpädagogen, Grundschullehrkräfte und pädagogische Fachkräfte in Kitas“.

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