Terminator JeKi-Man


(nmz) -
Morgen Kinder wiiirds waaas geben, morgeen kommt der JeKi-Mann, auf die Erde niiiedeer wo wiiir Menschen sind. Wer es noch nicht bemerkt haben sollte, es ist mal wieder Zeit für Geschenke. Weihnachten ist das Geschenkfest pur. Neben dem ganzen unnötigen Krimskrams wie Büchern, Puzzles, Krawatten, Parfums sowie winterharter Unterwäsche in allen Farben, ist es nun die beste Zeit, jedem Kind sein Instrument zu geben, statt eines notorisch Aufmerksamkeitsdefizite fördernden Handys oder einem sowieso überflüssigen Musikdownloadgutscheins oder schlecht zusammengewürfelter CDs vom Schlage Bravo-Hits 2009 oder Skipisten-Kracher 167.
Ein Artikel von Martin Hufner

Dieses ganze ermüdende und öde Musikkonsum- und Livestylegerümpel verstopft längst die Recycling-Ketten. Nicht mehr lange und das ganze Zeug wird in den „entwickelten“ Ländern Kulturmüllgebirge entstehen lassen – übrigens auch eine Möglichkeit, dem Klimawandel mit dem Ansteigen des allgemeinen Wasserpegels zu begegnen.

Ich sage nur: Stichwort Umwegrentabilität. Vielleicht steht‘s im nächsten Berliner Appell irgendeines deutschen Ratschlagverbandes, ach egal. Zusammen mit der Konsumwirtschaft hat man die Zeichen der JeKi-Bewegung endlich erkannt, Weihnachten bringt nämlich ein Musikinstrument für jedes Kind. Die Regale der Discounter sind voll mit Trompeten und Keyboards. So günstig kommt man nie wieder an „sein“ Instrument. „Jedem Kind seine Stimme“ wird auch bedacht.

Bei Tchibo beispielsweise lagern noch einige Dutzendtausend Karaoke-Boxen. Sicher nicht ganz so pädagogisch veredelt, dafür aber quasi ideologisch sinnfrei. Und weil heute außerdem alles extra beschleunigt gelernt wird – ein Handy hat man ja auch nach drei Tagen begriffen und durchgespielt – geht noch vor Silvester alles an die Kultur-Discounter zurück. Mit neuen Lebkuchen-Dichtungen in den Saxophonen versehen und Grippeviren auf den klebrigen Mundstücken, Geigenbögen zu Schmalzstullen (woher der Harz wohl seinen Namen nur her hat?) – Sondermüll.

Ein Fall für Gorleben, Asse II oder die bald nötigen Deiche? Klar ist, diese Form von Musik(instrumenten)vermittlung ist sozial und gesellschaftlich progressiv. Dass dafür ein Weihnachten nicht reicht, dürfte einsichtig sein. Nächstes Jahr lernen wir das nächste Instrument.

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