Unter Vorbehalt

Uraufführungen 2020/11


(nmz) -
Der Sommer war prächtig! Die Sonne schien, die Tage waren heiß, die Abende lau. Wir waren viel im Freien, spazierten, wanderten, schwammen, saßen in Parks, Straßencafés und Biergärten. Und jetzt, da die Tage kürzer, kälter, nässer, dunkler werden, versammeln wir uns allabendlich wieder in festlich erleuchteten Theatern, Kinos, Konzert- und Opernhäusern, erleben gemeinsam großartige Aufführungen, tauschen uns darüber aus, sind gesellig, genießen kollektive Wärme … Schön wär’s! Leider heißt Veranstalten unter den Bedingungen der globalen Seuche bis auf weiteres: Sämtliches Wer, Was, Wie, Wann, Wo und Wieviele steht unter Vorbehalt.
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Die Spielzeit 2020/21 war längst geplant, wurde seit März mühsam den im Zuge von Corona verordneten Abstands- und Hygieneregeln angepasst, und muss nun abermals neu gestaltet oder gänzlich abgesagt werden. Immer mehr Städte und Regionen in Deutschland – wie auch in Europa und der Welt – wurden wieder zu „Corona-Risikogebieten“ erklärt. Und wieder müssen Buchungen storniert, Konzerte, Gastspiele, Tourneen abgesagt, mögliche Alternativen erwogen und vorsorglich geplant werden. Es ist zum Verzweifeln!
Bereits Mitte Oktober wurden im 99. Jahr ihres Bestehens die Donaueschinger Musiktage abgesagt. 25 Uraufführungen fallen nun aus. Weitere Absagen werden folgen. Vor allem internationale Veranstaltungen stehen einmal mehr auf der Kippe. Und ausgerechnet dieses Jahr folgt das Essener Fes­tival für neue Musik NOW! dem aus Robert Schumanns „Kinderszenen“ entlehnten Motto „Von fremden Ländern und Menschen“.

Für die Zeit vom 30. Oktober bis 8. November sind zwanzig Uraufführungen angekündigt. Die Stücke stammen von Komponistinnen und Komponisten aus der halben Welt, deren Namen schon sagenhaft „fremd“ klingen und doch jeweils ganz „eigen“ sind: Elnaz Seyedi, Levin Eric Zimmermann, Celso V. Machado, Po Chien Liu, Zaid Jabri, Dima Orsho, Füsun Köksal, Kioomars Musayyebi, Ricardo Eizirik, Feliz Anne Macahis, Enver Yalcin Özdiker, Mesias Mauguashca, Andile Khumalo und Brian Ferneyhough. Hinzu kommen sechs neue Werke von Studierenden der Folkwang Hochschule und 24 einminütige Miniaturen für Violine von 24 türkischen Komponisten. Ausdrücklich „Eine Komposition für interkulturelles Orchester und Chor“ ist Saad Thamirs Neuvertonung von Schillers „Ode an die Freude“ auf Arabisch und Deutsch „Ya Farhatan“, die am 7. November in Sankt Nikolaus in Aachen uraufgeführt wird.

Nachdem dieses Jahr schon das große Beethoven-Jubiläum ausfallen musste, gibt es in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste nun eine kleine Konzertserie „Hölderlin komponieren“ zum 250. Geburtstag des Dichters mit zwei Uraufführungen: am 4. November Peter Michael Hamels „So kam ich unter die Deutschen – Gesangsszene aus Hölderlins ,Hyperion‘“ für lyrischen Tenor (mit Perkussion) und präpariertes Klavier sowie am 30. November Bernhard Weidners „Hölderlin-Fantasie“ für Bariton und Streichquartett. Hoffentlich kann alles wie angekündigt stattfinden!

Weitere Uraufführungen (unter Vorbehalt):

01.11.: Karl Gottfried Brunotte, nox et lux für Orgel und MIDI-Computer-System, Christuskirche Bad Homburg
04.11.: Neue Werke von Kompositionsstudierenden aus Den Haag, Thessaloniki und Köln für Ensemble Musikfabrik, Composer Collider Europe, Korzo Theatre Den Haag
06.11.: Minas Borboudakis, neues Orchesterwerk, musica viva, Herkulessaal München
09.11.: Bojan Vuletiç, Flügel, schwebend für kammermusikalisches Quartett, Tonhalle Düsseldorf
13.11.: Enno Poppe, Prozession, Richard Rijnvos, Riflesso sullʼincontro, November Music ‚s-Hertogenbosch
15.11.: Dominik Susteck, „Orgellabyrinth“, Sophienkirche Berlin
19.–22.11.: Zwanzig Ur- und Erstaufführungen, Ensemblefestival für aktuelle Musik Leipzig
21.11.: Vassos Nicolaou, neues Werk für Streichtrio und zwei Schlagzeuger, Kölner Philharmonie

Das könnte Sie auch interessieren: