Von der Faszination der Virtuosität

Zum Tod des Pianisten und Entdeckers Michael Ponti


(nmz) -
Wer sich vor dem Start der CD-Serie „The Romantic Piano Concerto“ (Hyperion, Anfang der 1990er Jahre) einen akustischen Eindruck von den Klavierkonzert-Raritäten eines Ignaz Moscheles, Friedrich Kalkbrenner, Adolf Henselt oder Henry Charles Litolff verschaffen wollte, kam an Michael Ponti nicht vorbei. Von mitunter obskuren Orchestern eher nachlässig begleitet – die Aufnahmetechnik tat ihr Übriges – passierte vom ersten Soloeinsatz an doch immer etwas Erstaunliches: Die mitreißende Verve, mit der sich Ponti in die oft aberwitzigen Klavierparts stürzte, ließ etwas von der Faszination erahnen, mit denen die reisenden Virtuosen damals ihr Publikum in den Bann geschlagen haben müssen. Pontis unerschrockener, spontan wirkender Zugriff zeugte von enormen manuellen Fähigkeiten und großem stilistischem Einfühlungsvermögen. Dass er jenseits des in diesem Repertoire oft zelebrierten brillant-metallischen Anschlags auch zu feinen Abstufungen fähig war, zeigt unter anderem seine Einspielung des Kinderalbums op. 39 von Peter Tschaikowsky.
Ein Artikel von jmk

Michael Ponti wurde 1937 als Sohn eines Presseoffiziers der US-Army und einer Deutschlehrerin in Freiburg geboren. Klavier studierte er in Washington bei einem Godowsky-Schüler und in Frankfurt bei einem Schüler Emil von Sauers an der Frankfurter Musikhochschule, bevor ihm 1964 der internationale Durchbruch mit dem 1. Preis beim Busoni-Wettbewerb gelang. Schnell machte er sich einen Namen mit Interpretationen des pianistisch anspruchsvollen romantischen und spätromantischen Repertoires, das immer auch Komponisten und Werke abseits des Gängigen einschloss.

Am 17. Oktober ist Michael Ponti im Alter von 84 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verstorben. jmk

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