Vor-Spiel vor dem Vorspiel

Zum Wettbewerb Ton und Erklärung


(nmz) -
Alle reden von Musikvermittlung, der Belebung des Kontakts zwischen Werk, musikalischer Darstellung und wenig hörerfahrenen Hörern. Die Aufmerksamkeit des Publikums, der Erlebnisgewinn sollen gesteigert werden. Was spielt sich dabei ab oder was könnte sich abspielen, um auf das musikalische Programm noch besser einzustimmen, das Publikum neugierig zu machen?
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Die Lösung liegt in einem musikalischen Vor-Spiel, bei dem die Bühnenpräsenz des Künstlers stärker gefordert wird. Doch das wird bislang in der musikalischen Ausbildung zu wenig bedacht, ja verkannt. Wie viele Spielarten, wie vielgestaltet, wie fantasiereich solche Vor-Spiele sein könnten, das zu erfahren, demonstrierten zwölf junge Cellistinnen und Cellisten im originellen Wettbewerb „Ton und Erklärung“ des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. In diesem Jahr zum zehnten Male, diesmal zu Gast beim Bayerischen Rundfunk. Sie traten auf als Solisten, mit Spielpartner und unter Mitwirkung des Münchner Rundfunkorchesters. Künstlerische und technische Höchstleistung waren vorausgesetzt. Davor aber faszinierte ihr jeweiliges Vor-Spiel in unterschiedlich gestalteter, jeweils origineller Anmoderation.

Das kann sich auf die Besonderheiten des Instrumentes konzentrieren, auf Leben, Begebenheiten und auf das Besondere im Werk der Komponisten, auf Historisches, Wissenschaftliches, Anekdotisches. Dazu Klangbeispiele. Oder auf Daten der eigenen künstlerischen Vita des Interpreten, was des Künstlers menschliche Nähe, Glaubwürdigkeit und Authentizität verstärkt. Selbstbewusst und sicher traten sie fast alle auf. Doch was die meisten noch nicht so können, genügend laut, deutlich artikuliert und frei zu sprechen, verständlich auch noch für die letzte Saalreihe. Der erste Preisträger, Friedrich Thiele (21) war zugleich jüngster Bewerber, er erhält das Preisgeld von 10.000 Euro, und Valentin Worlitzsch (27), zweiter Preis, das Preisgeld von 5.000 Euro. Beide sind Studierende an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Sie erhalten außerdem wie die weitere Finalistin, die Cellistin Laura Moinian (23) die Einladung zu einem Meisterkurs.

Die Preisträger werden sich am 7. Oktober in München dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft bei ihrer Jahrestagung in München vorstellen. So hochkarätige und zugleich vielseitig wirkende Musiker sind gerade auch für die Gestaltung von musikalischen  Rundfunkprogrammen gefragt, betonte Oswald Beaujean von BR-Klassik. Nächstes Jahr ist Gesang aufgerufen.

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