Wackeln

Cluster 2012/09-2


(nmz) -
Wackelzähne müssen raus. Ein Föhn mit Wackelkontakt gehört ebenso aussortiert wie Wackelkandidaten, Wackeldackel oder verwackelte Fotos (es sei denn, sie hängen im Museum). Wackelpudding ist okay, aber auf Dauer keine Lösung.
Ein Artikel von Gordon Kampe

 

Folglich: Wackeln ist einfach keine gute Sache. Wir wollen klare, unverwackelte Standpunkte. Wo kommen wir da hin, wenn’s überall wackelt! Vordringliche und alternativlose Aufgabe ist es, dem senilen Dauerwackeln in den Resten des Kulturfernsehens den Kampf anzusagen: Liebe öffentlich-rechtliche Kulturredaktion, vernimm mein Flehen. Warum musst Du eigentlich Deine Bilder andauernd so übel verwackeln? Hör auf damit! Auch wenn, zum Beispiel, der ARD-Oberwackler Denis Scheck so ausschaut, wie ich mir die Hexe im Wackelklassiker „The Blair Witch Project“ immer vorgestellt habe, ist das längst kein Grund auch T.C. Boyle oder Felicitas Hoppe zu verwackeln. Was nehmen Eure Kameraleute eigentlich zum Frühstück? (Und dieses peinliche Zoomen auf irgendwelche Details, Knöpfe oder Kiesel, das hört bitteschön gleich mit auf. Das ist nicht poetisch, das ist dämlich.) Wie das nervt, liebe Kulturredaktion. Mir ist nach dem Tatort schon schwindelig genug vom Kunstwollen. Eure Berichte müssen nicht so ausschauen wie ein postdramatisch-armenischer Autorenfilm aus den Siebzigern. Stellt einfach schlauen Leuten schlaue Fragen. Früher oder später wackelt, zittert und bibbert ohnehin der ganze Mensch. Also: Schluss, aus, vorbei!

Herzlichen Dank und freundliche Grüße.
Gordon Kampe

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