Warum die Zukunft trotzdem analog ist

20-jähriges Jubiläum: eine sehr persönliche Sicht auf die Zukunft der ConBrio Verlagsgesellschaft


(nmz) -
Zwanzig Jahre jung ist die ConBrio Verlagsgesellschaft. Als ich sie vor 16 Jahren kennenlernte, war ich erst wenige Wochen Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Ich suchte Kontakte. Gerade der Musikbereich war mir, der sein Berufsleben bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich der bildenden Kunst gewidmet hatte, fremd.
Ein Artikel von Olaf Zimmermann

Sofort fiel mir die neue musikzeitung (nmz) auf. Sie war anders, frecher und meinungsstärker als andere Kulturzeitungen und Zeitschriften. Schon bald saßen wir uns gegenüber. Theo Geißler, ConBrio-Verlagsleiter und nmz-Herausgeber, erzählte von seinen Internetplänen, warum die Zukunft von ConBrio und seinem Flaggschiff nmz auch im Netz liege. Ich erzählte von meinen Plänen, eine Zeitung für den Deutschen Kulturrat zu konzipieren. Seit dieser Zeit sind unsere Wege verbunden. Seit 2002 geben wir gemeinsam „Politik & Kultur“, die Zeitung des Deutschen Kulturrates, heraus. „Politik & Kultur“ hätte ohne ConBrio wohl nie das Licht der Welt erblickt. Gerade in den ersten Jahren waren die Widerstände gegen eine Zeitung des Deutschen Kulturrates, die als Verbandszeitschrift trotzdem unabhängigen Journalismus liefern wollte, sehr groß. Die journalistische Professionalität von ConBrio und eine bis heute anhaltende finanzielle Förderung haben „Politik & Kultur“ erst möglich gemacht. Dass Theo Geißler sich auch in die Verantwortung der Mitherausgeberschaft von „Politik & Kultur“ einbinden ließ, hat nicht nur der Zeitung, sondern auch mir als seinem Herausgeberkollegen sehr geholfen, Angriffe gegen die journalistische Unabhängigkeit von „Politik & Kultur“ abzuwehren.

Zeitung machen, das spürt man deutlich, ist die Kernkompetenz von ConBrio. Neben der nmz und „Politik & Kultur“ werden die „JazzZeitung“, „Oper & Tanz“, Zeitschrift für Opernchor und Bühnentanz, „Kulturaustausch“, Zeitschrift des Instituts für Auslandsbeziehungen und „Kunst & Kultur“, Zeitung der ver.di herausgegeben. ConBrio ist im Kulturbereich durch diese Fülle von Zeitungen und Zeitschriften ein kleiner Mediengigant. Diese Tatsache ist weitgehend unbekannt und trotzdem die Wahrheit.

ConBrio investierte zudem schon große Summen in seinen Netzauftritt, als andere gerade anfingen, eine kleine Internet-Visitenkarte anzulegen. Immer eine Nasenlänge voraus sein, ist Geißlers Devise. Seine Seiten im Netz waren beliebt und gefürchtet, weil gerade dort auch Informationen, Kommentare und News zu finden waren, die die verschworene Musikfamilie manchmal lieber nicht öffentlich zugänglich gelesen hätte. Seit einigen Jahren produziert nmzMedia zusätzlich auch noch anspruchsvolle Kulturkurzfilme.

Liegt also die Zukunft der ConBrio Verlagsgesellschaft in der digitalen Welt? Trotz der großen Pionierleistungen im Netz- und Filmbereich glaube ich es nicht. Die Basis von ConBrio sind seine journalistisch herausragenden Produkte, wie die nmz und die anderen papierenen Zeitungen und Zeitschriften. Gerade hier, gegen den Trend des digitalen Hype, vermute ich große Potentiale auch in der Zukunft. Flankiert werden sollte das Zeitungsprogramm verstärkt durch ein anspruchsvolles Buchprogramm mit dem Schwerpunkt „Kulturelle Bildung“. Dass ConBrio Ende der neunziger Jahre sein bis dahin äußerst erfolgreiches Kinderbuchprogramm aufgegeben hat, würde ich noch einmal überdenken.

Das Thema Kulturelle Bildung wird uns in den nächsten Jahrzehnten begleiten. Es wird zwar viel zum Thema veröffentlich, eine Qualitätsoffensive gerade bei den Buchveröffentlichungen ist aber bislang ausgeblieben. Hier kann sich ConBrio, da bin ich mir sicher, Lorbeeren verdienen. Natürlich muss das alles von Aktivitäten im Netz flankiert werden, aber der Markenkern von ConBrio ist und bleibt analog.

In zehn Jahren, 2023, ist ConBrio der wichtigste deutsche Buchverlag für Kulturelle Bildung. Auf der Buchmesse in Frankfurt brummt der Lizenzhandel, da die Qualität der ConBrio-Autoren besonders im europäischen Ausland hoch geschätzt wird. Das Zeitungs- und Zeitschriften-Portfolio von ConBrio hat sich bis dahin fast verdoppelt. nmzMedia, die Filmsparte von ConBrio, liefert besonders für die Kultursendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens regelmäßig Filme zu. Und Theo Geißler und ich geben weiterhin gemeinsam „Politik & Kultur“ heraus. Na, das würde uns doch Spaß machen, oder?

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

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