Warum immer nur Querflöte?


(nmz) -
Ein Artikel von Detlef Hahlweg

Dass die Wahl des Musikinstrumentes bei den Schülern und Schülerinnen nicht so ausfällt, wie es sich mancher Orchesterleiter wünscht, ist klar. Er merkt es, wenn der Neuaufnahmetermin näher kommt und sich zahlreiche Querflötisten melden, die gerne mitmachen wollen, jedoch fast immer abgewiesen werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es Mangelinstrumente, denen man hinterherlaufen muss, die sogar manchmal Sonderkonditionen durchsetzen können, da sie ja nun mal unersetzlich sind. Wie sehen die Verhältnisse nun wirklich aus? Um dies deutlich zu machen, möchte ich Sie zu einem kleinen Gedankenspiel einladen.
Laut Musikalmanach gab es im Jahr 1998 an deutschen Musikschulen 47.593 Schüler und Schülerinnen, die Geigenunterricht hatten. Lassen wir dabei mal alle Kinder und Schüler, die Privatunterricht haben, außer acht.

Nehmen wir außerdem einmal an, dass jeder von diesen Geigerinnen und Geigern auch in einem Sinfonie-Orchester spielen möchte, sei es Schul-, Musikschul-, Landesjugend- oder sogar Bundesjugendorchester.

Nimmt man weiterhin einmal an, dass ein Jugendorchester, in dem dieser Schüler spielen möchte, insgesamt 26 Geiger aufnehmen kann. Dann würden diese Geigen ausreichen, um zirka 1.830 Jugendorchester zu bilden. In jedem dieser Orchester gibt es dann auch Querflöten, aber nur zwei oder eventuell auch drei. Das macht maximal 5.490 Querflötisten und Querflötistinnen, die in einem Jugendorchester unterkommen können. Es gab aber im Jahr 1998 33.904! Diese Zahl scheint in den letzten Jahren sogar etwas gesunken zu sein. Das bedeutet, dass 28.414 Querflötenspieler nicht in einem Orchester spielen können. Oder anders gerechnet: in jedem Jugendorchester müssten etwa 19 Querflöten spielen, damit alle unterkommen können. Von den 21.244 Klarinettisten, die es an den Musikschulen gab, kämen bei maximal drei Klarinettisten im Orchester auch nur 5.221 unter, 15.754 blieben ohne Chance. In jedem Jugendorchester müssten knapp zwölf Klarinettisten spielen, wenn alle unterkommen sollen. Wie sieht es bei den anderen Instrumenten aus?

Oboe: 2.851 Schüler, also knapp 1,6 je Orchester; Fagott. 1.419 Schüler, also knapp 0,8 je Orchester; Bratsche: 2.109 Schüler, also knapp 1,2 Bratschen je Orchester (bei zirka 10 benötigten!!!); Cello: 12.205 Schüler, also 6,7 je Orches-ter (was fast dem Bedarf von 8 entspricht); Kontrabass: 1.312 Schüler, also 0,7 je Orchester (bei ca. 6 benötigten Bassisten!!!); Horn: 3.328, also 1,8 je Orchester; Trompete: 20.248, also 11 je Orchester; Posaune: 4.359, also 2,4 je Orchester; Tuba: 590, also 0,3 je Orches-ter.

Nun berücksichtigt diese Rechnung natürlich nicht, dass es auch Blasmusikensembles gibt, in denen naturgemäß zahlreiche Holz- und Blechbläser unterkommen. Aber vielleicht kann diese Rechnung trotzdem dazu beitragen, die Wahl des Instrumentes etwas zu beeinflussen. Mir tun jedenfalls die Jugendlichen Leid, die nie die Chance haben, in einem Sinfonieorchester zu spielen, obwohl sie ein Orchesterinstrument gelernt haben.

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