Was Geiger gerne futtern

Vom Bratwurst-Czardas und anderen violinistischen Neuausgaben


(nmz) -
Ein Artikel von Katharina Apostolidis

Vittorio Monti: Czardas für Violine und Klavier, herausgegeb. von Wolf Bülow, Edition Peters, 2008 Nr. 11208

Kennt jeder, erfreut sich unerschütterlicher Beliebtheit wie eine Bratwurst. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass das Stück unabhängig vom Spielniveau allen Violinisten etwas zu bieten hat und die safttropfenden Effekte durchaus auch von weniger fortgeschrittenen Instrumentalisten zu bewältigen sind. Deshalb ist diese Ausgabe auf gute Genießbarkeit eingerichtet: Zum Beispiel sind Striche und Lagenwechsel wie Senf stilistisch eingesetzt, etwa zur geschmacklichen Hervorhebung von Halbtönen. Wirkungsvolle, schwerer ausführbare Alternativen wurden in Klammern gesetzt. Damit ist Montis Czardas eines der wenigen Werke der Violinliteratur, das ein Geiger zeitlebens gerne mal futtert.

C. René Hirschfeld: Tangos & Milongas f. Violine und Klavier Heft 1, F. Hofmeister 2009, FH 3330

Diese Tangos und Milongas sind in erster Linie als konzertante Stücke konzipiert, in orchestrierter Fassung jedoch auch sehr gut tanzbar. Nach der Aufführung passt dazu natürlich nicht Bratwurst, sondern ein feuriger Schoppen. Musikalisch verschmelzen Stilelemente des Tango argentino und des Tango nuevo mit solchen aus dem europäischen Tango und Kompositionsprinzipien der klassischen abendländischen Musik. Als Preisträger mehrerer internationaler Kompositionswettbewerbe schrieb Hirschfeld Musiktheater, Ballette, Sinfonik, Kammermusik, Solowerke, Liederzyklen sowie Chor- und Schauspielmusik. Dank für die sinnlich genussvolle Komposition.

Katerina Ruzicková: Trisonance II für Violine, Klarinette und Klavier, F. Hofmeister 2009, FH 3328

Katerina Ruzicková studierte Komposition, Musikwissenschaft und Ästhetik. Trisonance II entstand als Teil eines freien Zyklus’ für drei Musikinstrumente. Das Werk erhielt den dritten Preis im tschechischen nationalen Kompositionswettbewerb „Generation“. Das „Pierrot Lunaire Ensemble Wien“ nahm das Werk 2006 ins Repertoire und führt es seitdem regelmäßig in seinen Konzerten auf. Technisch nicht allzu schwer stellt es aber Anforderungen an das Rhythmusgefühl. Nach der Aufführung dann vorm Essen erstmal ein Sprung ins kühle Nass, um die vertrackten drei gegen vier abzuwaschen.
 

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