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Was ist die Ursache von Musik?

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Uraufführungen 2014/04
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Der Volksmund wusste es schon immer: „Von nichts kommt nichts!“ Alles hat seine Ursache, seinen Grund und Auslöser – auch die Musik. Doch was löst Musik aus? Was sind die Gründe und Ursachen von Musik? Was treibt Komponisten – jenseits offensichtlicher Faktoren wie Auftrag, Honorar, Ruhm und Liebäugeln mit der eigenen Unsterblichkeit – dazu an, Musik zu erfinden und ein bestimmtes Werk ausgerechnet auf diese eine besondere Weise zu komponieren? So und nicht anders! Die scheinbar überall gültige Kausallogik von Ursache und Wirkung scheint hier nicht zu greifen oder wirkt jedenfalls in einer letztlich nicht zu erhellenden Dunkelheit. Ganz anders liegt dagegen der Fall bei Musik, die sich ausdrücklich der Auseinandersetzung mit bereits bestehender Musik verdankt.

Seit Jahrhunderten ist es gängige Praxis, „Musik aus Musik“ zu komponieren, seit dem 20. Jahrhundert auch aus metakritischer Distanz: Igor Strawinsky komponierte „Musik über Musik“ und Bernd Alois Zimmermann „Musik mit Musik“. Der Konzertkalender im April ist voll von Uraufführungen relational auf andere Musik bezogener Neuer Musik.

Als ein „Versuch, dem Publikum etwas über den philosophischen, spirituellen und vor allem überzeitlichen Inhalt von Bachs Musik aus der Perspektive der heutigen Zeit mitzuteilen“, gelangt noch am 31. März im Regensburger Theater am Bismarckplatz „Critical Mass“ von Tomasz Skweres zur Uraufführung. Am 2. April folgt in der Kölner Philharmonie die Premiere von Peter Eötvös’ʼUm- und Ausarbeitung seines eigenen „Cello Concerto Grosso“ zum neuen Werk „Dodici“ für die zwölf Violoncellisten der Berliner Philharmoniker. Am selben Tag geht auch das Musik-Tanz-Theater „Lover“ von Christian Jost erstmals über die Bühne des Kraftwerks Berlin. Altchinesische Liebeslieder werden hier ebenso verarbeitet wie moderne amerikanische Gedichte. Zudem wird ein europäischer Profichor (Rundfunkchor Berlin) mit einem buddhistisch inspirierten Ensemble aus Trommlern zusammengebracht, die zugleich als Tänzer, Sänger und Performer agieren. Am 22. April erklingen an der Opera stabile der Hamburgischen Staatsoper erstmals Aribert Reimanns Transkriptionen von „Sieben Liedern“ Franz
Liszts für Bariton und Streichquartett. Und am 30. April sind gleich mehrere Uraufführungen in drei Konzerten an unterschiedlichen Orten zu erleben: die erste in der Grieghall im norwegischen Bergen mit der Uraufführung der „Sinfonie in f-Moll“ des Komponisten-Duos Johannes Brahms und Robin Holloway, der die Sonate für zwei Klaviere op. 34a des ersteren orchestrierte; die zweite beim Eröffnungskonzert des Festivals „Acht Brücken – Musik für Köln“ im Köln-Deutzer raum13 mit der Uraufführungen von Christoph Maria Wagners „Audiodrome“ für Violine und elektrische Klavierklänge sowie Niklas Seidls und Paul Hübners „Az György Entertéjnment“; und die dritte im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses: Siegfried Thieles „Hölderlin-Lieder“ für Bariton und sieben Instrumente.

Schließlich gilt: Nur weil Musik sich auf Musik bezieht, bleibt sie nicht immanent, sondern vermag mit ihren verschiedenen Bezugspunkten ebenso intensiv und extensiv erlebt zu werden wie jede andere Musik auch.

Weitere Uraufführungen

03.–06.04.: Forum neuer Musik, neue Werke von Atli Ingólfsson, Hirofumi Matsuzawa, Jung-Eun Park, Maximilian Marcoll, Niklas Seidl, Paul Hübner, Florian Zwissler und Marko Ciciliani, Deutschlandfunk Köln
06.04.: Fazil Say, The Bells, Oratorium nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe, Musikhalle Lübeck
07.04.: Gernot Tschirwitz, Porträt zum 70. Geburtstag mit fünf Uraufführungen, Hochschule für Musik Würzburg
08.04.: Salvatore Sciarrino, L’imprecisa macchina del tempo, Berliner Philharmonie
12.04.: Johannes Borowski, Konzert für Fagott und Ensemble, Cité de la musique Paris
24.04.: York Höller, Voyage für Orchester, Arts Center Seoul
25.04.: Jan Müller-Wieland, zärtliche Kräfte für zwei Klaviere und Orchester, Nürnberg

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