Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit

Alle Jahre wieder: die nmz-Buchumfrage unter Persönlichkeiten des Musiklebens


(nmz) -
Kultur- und Bildungspolitik - Pädagogik - Sachbücher - Biografisches
Ein Artikel von diverse

Kultur- und Bildungspolitik

Bernd Wagner: Fürstenhof und Bürgergesellschaft. Zur Entstehung, Entwicklung und Legitimation moderner Kulturpolitik, Klartext Verlag/Essen 2009, 500 Seiten, 19,90 Euro

Noch nie zuvor hat es im Bereich der Kulturpolitik-Forschung ein solch imposantes und umfangreich recherchiertes Buch zur Kulturgeschichte in Deutschland gegeben! Es wird zum Standardwerk für alle Kulturarbeit werden!
Prof. Dr. Olaf Schwencke, Präsident Deutsche Vereinigung der Europäischen Kulturstiftung e.V.

Christoph Merki (Hrsg.): Musikszene Schweiz. Begegnungen mit Menschen und Orten, Chronos Verlag/Zürich 2009, 691 Seiten, 38 Euro

Anhand von 40 prägnanten Artikeln werden 40 unterschiedliche musikalische Spielweisen in der Schweiz porträtiert. Das reiche Panorama der Schweizer Musikszene überrascht. Faszinierend sind in der Schweiz nicht nur die Berge, sondern auch die Musik.
Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival

Wissenschaft und Forschung

Martin Bojowald: Zurück vor den Urknall: Die ganze Geschichte des Universums, Fischer Verlag/Frankfurt 2009, 242 Seiten, 19,95 Euro

Welch ein Voraus!
Hans-Joachim Hespos, Komponist

Ralf Wehner: Mendelssohn Bartholdy. Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke. Breitkopf & Härtel 2009, 595 Seiten, 128 Euro

Das vorliegende, lang erwartete Werkverzeichnis ist in 26 in sich chronologisch geordnete Werkgruppen gegliedert, die einen schnellen Zugriff auf alle wesentlichen Informationen zu den Kompositionen ermöglichen. Da immer noch ein großer Teil des Œuvres kaum bekannt oder sogar unveröffentlicht ist, überraschen Vielfalt und Umfang (ca. 750 Einzelwerke) des Verzeichnisses. Fraglos wird diese Publikation, die eine wesentliche Lücke in der Grundlagenforschung schließt, für die künftige Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Felix Mendelssohn Bartholdy unverzichtbar sein.
Dr. Wolf-Dieter Seiffert, Geschäftsführer G. Henle Verlag

Thomas Rösch: Carl Orff – Musik zu Shakespeares „Ein Sommernachts-traum“. Entstehung und Deutung, Sonderpublikation des Orff-Zentrums/München 2009, 178 Seiten, 15 Euro

Dass Carl Orff 1939 eine Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum schrieb und damit im Sinne der damaligen Machthaber in Deutschland dazu beitrug, die Musik von Mendelssohn Bartholdy zum Sommernachtstraum zu verdrängen, hat dem Komponisten viel Kritik eingetragen. Dass Orffs Bemühungen um den Sommernachtstraum – völlig unabhängig vom Dritten Reich – bereits auf das Jahr 1917 (1. Entwurf) zurückgehen und dass er nach dem Krieg zwei weitere Fassungen schrieb, das kann man aus der Untersuchung von Thomas Rösch entnehmen. Dieser sorgfältig recherchierte Band wirft ein neues Licht auf Carl Orff, sein Werk und seine Zeit.
Dr. Dirk Hewig, Vizepräsident des Deutschen Tonkünstlerverbandes

Stephan Mösch: Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit. Wagners Parsifal in Bayreuth 1882–1933, Bärenreiter-Verlag, J.B. Metzler Verlag/Kassel, Stuttgart 2009, 455 Seiten, 59 Euro

Ein grandioses Buch! Mösch gelingt es, in akribischer Analyse teilweise noch unbekannter Primärquellen, ein Kompendium über die Entstehung und Rezeption des „Parsifal“ vorzulegen, an der künftige interpretatorische Praxis nicht mehr vorbeikommen wird.
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Ruzicka, Komponist, Dirigent, Intendant

Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.): Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus (bisher erschienen: Bd. 1 bis Bd. 7), Argument Verlag/Berlin 2004–2008, Seitenzahl zwischen 400 und 1.000, 59 bis 125 Euro

Vorwiegend ganz ausgezeichnete Lexikonartikel! Die jüngste Vergangenheit wird ebenso berücksichtigt, wie früher eher ausgegrenzte Autoren und deren Schriften. Artikel wie „Dummheit in der Musik“ oder „Brecht“, „Karneval“, „Kinderarbeit“, „Katharsis“, „Kleinbürger“, „Jazz“ und so weiter sind auch für Musiker unentbehrlich zu lesen, besonders aber „Gegenkultur“, „Gefühle/Emotionen“, „Extremismus“, „Entfremdung“, „Einfühlung“, „eingreifendes Denken“ und vieles andere. Vor allem auch für Komponisten, die ihre Arbeit geistig ernst nehmen und das Gehör auch übers Lesen und Denken schulen wollen.
Prof. Nicolaus A. Huber, Komponist

Nikolaus Harnoncourt: Musik als Klangrede, Baerenreiter-Verlag 2009, 299 Seiten, 11,95 Euro

Kein Dogma ist stark genug, um den Blick auf die immer wieder neue Auseinandersetzung in der Interpretation von Musik nachhaltig verstellen zu können. Die Zeit grausam dogmatischer Interpretationen sind glücklicherweise vorbei. Nikolaus Harnoncourt hat an diesem befreienden Panoramablick auf die historische Aufführungspraxis einen maßgeblichen Anteil. Mit seinem Anspruch, „die durch bildende Kunst dokumentierte Lebendigkeit des Barock auf die Musik zu übertragen“, ist er in seiner künstlerischen Entwicklung zum Leitbild für viele namhafte Musiker unserer Zeit geworden.
Harnoncourt gelingt mit seinem 1982 zum ersten Mal erschienen Buch „Musik als Klangrede“ in der aktuellen Neuauflage mit einer Sammlung von Essays und Vorträgen einmal mehr, die pralle Lebendigkeit dieser Zeit und ihre Spiegelung in der Musik zu vermitteln. Sein Eintreten für ein „verstehendes Hören“ kann durchaus als flammender Aufruf für die immer wieder neue Auseinandersetzung mit der Musik und ihrer Zeit verstanden werden – an Musiker und Rezipienten gleichermaßen. Damit lockt Harnoncourt den Stachel wider einer sich globalisierenden Klangästhetik im Umfeld der ökonomisierten Massenabfertigung.
Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats

Günther G. Bauer: Mozart. Geld, Ruhm und Ehre. K.H. Bock/Bad Honnef 2009, 366 Seiten, 32,50 Euro

Günther G. Bauer untersucht an Hand vieler zum Teil neuer Quellen den Lebensstil Mozarts und belegt, dass er ein exzellent verdienender Künstler gewesen ist – freilich auch einer, der sein Geld schnell und großzügig ausgegeben hat.
Reinhart von Gutzeit, Deutscher Musikrat, Vorsitzender des Hauptausschusses Jugend Musiziert

Silke Leopold: Händel. Die Opern, Bärenreiter 2009, 324 Seiten, 39,95 Euro

Barock-Oper boomt, vorne dran Georg Friedrich Händel mit seinen mehr als drei Dutzend Opera seria. Das reizt Musiker und Regisseure zwischen Edinburgh und Wien, ausgehend von den Händel-Zentren Göttingen und Karlsruhe. Silke Leopold, Heidelberger Musikwissenschaftlerin, liefert im rechten Augenblick den Schlüssel zur Renaissance einer vermeintlich antiquierten Opernform, öffnet Ohr, Auge und andere Sinne, rückt die in den Opern erzählten Geschichten ins rechte Licht, macht verständlich, was die dargestellten Charaktere gerade auch zeitnah unserer heutigen Gesellschaft zu sagen haben. Ihre Kommentare sind frisch und belebend. Sie analysiert und interpretiert die dramatische Rolle der dazugehörenden Musik. Das alles in einer lustvoll geschriebenen Sprache, die Wissenschaftlichkeit und spannende Lektüre glänzend zu verbinden versteht. So verführt Leopolds Arbeit gerade dazu, mehr als ein traditioneller Opernführer, sich vergnüglich und erhellend Händels Opera-Opus zu nähern.
Eckart Rohlfs, Redakteur der nmz

Pädagogik/Schule

Michael Wessel: Die Kunst des Übens, Florian Noetzel Verlag/Wilhelmshaven 2007, 452 Seiten, 35 Euro

Falsch üben kann tödlich sein. Aber was ist „richtiges“ Üben? Wie kommen technisches und musikalisches Exerzitium zur Einheit? Ein reizvoll- anregendes Buch, in dem auch große Künstler der Gegenwart wie Sabine Meyer und Christoph Prégardien in Interviews von ihrer eigenen Übungs-praxis berichten.
Prof. Dr. Karl Heinrich Ehrenforth, Musikwissenschaftler und -pädagoge

Peter Becker: Finis. Non finis … Schott 2009, 556 Seiten, 49, 95 Euro

Dieser Band stellt die Summe eines Musik vermittelnden Lebens dar. Von „Schütz bis Kagel“ – das heißt ein Aufspüren von Verzweiflung und Verheißung in der Musikgeschichte, die, richtig verstanden, stets die Geschichte von Menschen ist, die sich anders mitteilen als die Stromlinienform der Spaßgesellschaft. Peter Becker stößt an!
Prof. Dr. Hans Bäßler, Deutscher Musikrat, Juror bei Jugend Musiziert

Hans Bäßler & Franz Riemer (Hrsg.): Acht Scheinwerfer aus vier Jahrzehnten – Aufsätze von Karl Heinrich Ehrenforth. Institut für musikpädagogische Forschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover: Monographien, Band 20. Hannover 2009, 112 Seiten, 15 Euro

Karl Heinrich Ehrenforth zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Musikpädagogik und Vertretern der Schulmusik des 20. Jahrhunderts. Anlässlich seines 80. Geburtstages im November 2009 legten Hans Bäßler und Franz Riemer vom Institut für musikpädagogische Forschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover in ihrer Schriftenreihe einen lesenwerten Band vor, der wesentliche Schriften und Entwicklungen im Gesamtwerk Ehrenforths zusammenfasst. Die „acht Scheinwerfer“ spiegeln Ehrenforths hermeneutischen Ansatz und seine grundlegenden musikpädagogischen Positionen ebenso wider, wie sie seine in über vier Jahrzehnten entstandenen grundlegenden Beiträge zur musikpädagogischen Diskussion aufzeigen.
Eine Einleitung von Hans Bäßler, die einen Überblick insbesondere über Ehrenforths verbandspolitische Tätigkeiten und über die unter seiner Leitung in den achtziger Jahren stattgefundenen Bundesschulmusikwochen geben, ein Schriftenverzeichnis, ein zusammenfassendes Nachwort und ergänzende Hinweise der Herausgeber runden die Publikation ab.
Dr. Markus Köhler, Vorsitzender Verband Bayerischer Schulmusiker
Sachbücher

Hans Reisiger (Hrsg.): Walt Whitmans Werk, Rowohlt Verlag/Hamburg 1956, 501 Seiten, ca. 5 Euro

Gesänge zur Auffrischung.
Hans Joachim Hespos, Komponist

Uta Grosenick (Hrsg.): Tobias Rehberger 1993–2008, Dumont Buchverlag/Köln 2008, 260 Seiten, 49,90 Euro

Aufs Spiel gesetztes.
Hans-Joachim Hespos, Komponist

Alex Ross: The Rest is Noise. Das 20. Jahrhundert hören, Piper Verlag/München 2009, 704 Seiten, 29,95 Euro

Der Musikkritiker des „New Yorker“ nimmt uns mit seinem für den Pulitzer-Preis nominierten Buch mit auf eine große Reise: Sie beginnt mit Gustav Mahler und Richard Strauss am Vorabend des Ersten Weltkriegs und geht über Schönberg bis zu Björk. „Das 20. Jahrhundert hören“ lautet der Untertitel des faszinierenden Buches, das jedem Musikfreund zu empfehlen ist.
Stefan Piendl, Vizepräsident der Jeunesses Musicales Deutschland

Die Neue-Musik-Szene in Deutschland kocht schon seit Jahrzehnten allzu behaglich im eigenen Saft. Man hat es sich gemütlich gemacht zwischen Adorno und Lachenmann und vergisst manchmal, dass der Blick auf Musik im Rest der Welt ein vollkommen anderer ist. Dass die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts sicherlich neu geschrieben, manches neu bewertet werden muss, dazu liefert Alex Ross’ kluger, exzellent geschriebener Text eine wunderbare Diskussionsgrundlage. Man muss ihm nicht immer zustimmen, aber seine Thesen sorgen für mächtig frischen Wind.
Moritz Eggert, Komponist und Pianist

Heinrich August Winkler: Die Geschichte des Westens: Von den Anfängen der Antike bis zum 20. Jahrhundert, Verlag C.H. Beck/München 2009, 1.343 Seiten, 38 Euro

Die Geschichte der „europäischen Leitkultur“ macht zugleich verständlich, in welcher Hinsicht Deutschland eine „verspätete Nation“ ist (und weshalb immer wieder eine Sehnsucht nach einer „deutschen Leitkultur“ entsteht).
Prof. Dr. phil. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrates e.V., Direktor der Akademie Remscheid

György Ligeti/Gerhard Neuweiler: Motorische Intelligenz. Zwischen Musik und Naturwissenschaft. Hrsg. v. Reinhart Meyer-Klaus. Verlag Klaus Wagenbach/Berlin 2007, 109 Seiten, 19,50 Euro

Was hat die zeitgenössische Musik mit Neurobiologie zu tun? Was verbirgt sich gar hinter dem Begriff „motorische Intelligenz“? Abseits von zwanghaft interdisziplinärem Brückenschlag dokumentiert dieser kleine Band die Begegnung zwischen dem Komponisten György Ligeti und dem Zoologen Gerhard Neuweiler. Während der Naturwissenschaftler die Ausgangsfrage der Evolutionsforschung nach dem grundlegenden Unterschied zwischen Affe und Mensch stellt, kommt er im Zuge der intensiven Gespräche mit Ligeti zu dem Schluss, dass die Antwort weniger bei den kognitiven Fähigkeiten als bei der motorischen Intelligenz zu suchen sei. Die Texte Ligetis wiederum kreisen um das Komponieren in der permanenten Auseinandersetzung mit physikalischen, akustischen und physiologischen Gegebenheiten der Produktion und Wahrnehmung von Musik, ums Schreiben für Klavier und um seine Beschäftigung mit anderen Kulturen und Künstlern. Auch wenn „motorische Intelligenz“ beim Komponisten durchweg nicht fehlt, so zeigt sie sich überhaupt erst als Voraussetzung des Komponierens am Klavier. Neuweilers Aufsatz, zwei Texte von Ligeti, der Nachruf und ein Nachwort von Reinhart Meyer-Klaus, dem Wissenschaftlichen Koordinator des Berliner Wissenschaftskollegs, lassen die hundert Seiten jedenfalls zum heterogenen und interessanten Lesevergnügen werden, nicht nur für Musik- und Naturwissenschaftler!
Meret Forster, Redakteurin bei Bayern Klassik

Daniel Hope: Wann darf ich klatschen? Rowohlt Verlag GmbH 2009, 253 Seiten, 19,90 Euro

Hinter die Kulissen des Konzertbetriebes schaut dieses Buch auf sehr vergnügliche Weise und geht vielen Fragen nach, die sich Konzertfans, aber auch vor allen Dingen (noch) Nicht-Konzertgänger, berechtigterweise stellen!
Ilona Schmiel, Leiterin des Beethoven Festivals Bonn

Martin Tröndle (Hrsg.): Das Konzert – Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form, transcript Verlag/Bielefeld 2009, 336 Seiten, 29,80 Euro

Ein starkes Buch und ein Muss für jeden, der sich Gedanken über die sinnvolle und notwendige Weiterentwicklung des heutigen Konzertwesens macht. Der Sammelband enthält ein spannendes Konglomerat verschiedener Ansätze und Sichtweisen darüber, wie die Aufführungskultur – vor allem von klassischer Musik – sinnvoll weiterentwickelt werden kann und muss. Zitat: „Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten. Denn die Krise der klassischen Musik ist keine Krise der Musik, sondern eine ihrer Aufführungskultur.“
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V.

Biografisches

Achim Forst: Breaking the dreams. Das Kino des Lars von Trier, Schüren Verlag/Marburg 1998, 238 Seiten, 19,80 Euro

Nur noch zwei bis drei Generationen.
Hans Joachim Hespos, Komponist

Roswitha Schlötterer-Traimer: Richard Strauss. Sein Leben und Werk im Spiegel der zeitgenössischen Karikatur, Schott Music/Mainz, 368 Seiten, 49,95 Euro

Eine andere Art von Biographie – 174 Karikaturen aus den unterschiedlichsten Zeitschriften vom beginnenden 20. Jahrhundert bis zum Tod des Komponisten 1949. Eine höchst vergnügliche und – dank der sorgfältigen Kommentare der Bearbeiterin – auch informative Lektüre zu Leben und Werk von Richard Strauss und seiner Zeit.
Dr. Dirk Hewig, Vizepräsident des Deutschen Tonkünstlerverbandes

Franz Binder: Georg Friedrich Händel. Sein Leben und seine Zeit, Deutscher Taschenbuch Verlag/München 2009, 240 Seiten, 14,90 Euro

Der in München lebende und arbeitende Schriftsteller und Fotojournalist versteht es, auf 240 Seiten das Leben Händels anschaulich zu präsentieren. Er hütet sich, Anekdoten, richtige oder falsche, aneinanderzureihen; vielmehr stellt er Händel als wichtigen Komponisten vor. In sieben „Intermezzi“ finden sich komprimierte Informationen zu musikalischen Sonderthemen, die den Einblick in die Welt des Barock vertiefen helfen.
Dr. Christian Kröber, Autor

Janina Klassen: Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Böhlau Verlag/Köln u.a. 2009, 536 Seiten, 24,90 Euro

Gut lesbare Nachzeichnung einer beispiellosen Karriere im 19. Jahrhundert – mit wissenschaftlichem Anspruch und dennoch niemals trocken. Kindheit, Starkult, eigene Komposition, Reisen sowie die pädagogische Tätigkeit Clara Schumanns sind lebendig aufgearbeitet, wobei die vorhandenen Forschungsergebnisse über die Pianistin einbezogen werden.
Prof. Dr. Eva Rieger, Schriftstellerin und Musikwissenschaftlerin

Michael Klonovsky: Der Schmerz der Schönheit. Über Giacomo Puccini, Berlin Verlag/Berlin 2008, 304 Seiten, 18 Euro

Dass mir Klonovskys Buch zugeeignet ist, sollte zu einer Empfehlung schon fast genügen. Es gehört zum Erfreulicheren des zu Ende gegangenen Puccini-Jahrs 2008; das sonst wenig Neues brachte, am wenigsten Bücher oder verwandte Einlassungen, geeignet, die noch immer kurrente Gering- und Falscheinschätzungen Puccinis zu korrigieren. Der angeblich beliebteste und geliebteste aller Opernkomponisten ist noch immer – auch mit seinen angeblich bekanntesten Werken – der Unbekannteste. Klonovsky hat mir auf diese schmerzende Wunde immerhin ein schönes Buch gelegt.
Eckhard Henscheid, Schriftsteller

Hector Berlioz: Memoiren, hrsg. und kommentiert von Gunther Braam, Hainholz Verlag/Göttingen 2008, 920 Seiten, 59 Euro

Berlioz’ Memoiren bieten eine Fülle an Informationen zum Musikleben des 19. Jahrhunderts. Fast noch aufschlussreicher sind Gunther Braams Fußnoten und Kommentare, die überaus kenntnisreich und mit größtmöglicher Akribik verfasst sind.
Ernst Burger, Schriftsteller und Pianist

Ingo Schultz: Viktor Ullmann. Leben und Werk, Bärenreiter-Verlag, J.B. Metzler Verlag/Kassel, Stuttgart 2008, 279 Seiten, 29,95 Euro

Als Ergebnis jahrelanger kriminalistischer Recherchen entstand dieses Standardwerk über den Prager Schönberg-Schüler, der – Ironie seines Lebens – nie produktiver war als im Ghetto Theresienstadt, kurz vor seinem Tod in Auschwitz.
Das Buch ist nüchtern, konzentriert und plastisch geschrieben und korrigiert, so bei der Oper „Der Kaiser von Atlantis“, verbreitete Legenden.
Dr. Albrecht Dümling, Musikwissenschaftler und Musikkritiker

Heinz von Loesch, Claus Raab: Das Beethoven-Lexikon, Laaber Verlag 2008, 890 Seiten, 118 Euro

Das erste Beethoven-Lexikon seit über 80 Jahren! Ein gelungener Versuch über Beethovens Werke, deren verschiedene Aspekte der Rezeption und deren Interpreten, aber auch über sein biographisches Umfeld umfassend zu unterrichten.
Ilona Schmiel, Leiterin des Beethoven Festivals Bonn

Jens Rosteck: Hans Werner Henze – Rosen und Revolutionen. Verlag Propyläen Berlin 2009, 576 Seiten, 26,95 Euro

Längst überfällige Biografie eines Komponisten, der zu den wichtigsten Musikerpersönlichkeiten der Gegenwart gehört.
Ausführliche Chronik. Stützt sich auf umfangreiches Quellenmaterial.
Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR2010.GmbH

Max Bill: Das absolute Augenmaß. Swissfilms DVD, Edition Salzgeber D228, 25 Euro

Das „Bauhaus“ – dessen anno null neun aus gutem Grund reichlich gedacht wurde – war bekanntlich keine Musikausbildungsstätte. Was von ihm an moralischer und gestalterischer Kraft ausging, hatte sich dem Vorwurf auszusetzen, „faschistisch“ zu sein, weil der rechte Winkel an sich den Faschismus pur repräsentiere, „Bauhaus“-Ideen scheiterten am Nationalsozialismus, inspirierten global Städtebau und Gebrauchsdesign und „visuelle Kommunikation“ schlechthin, bis in die gescheiterte Idee der legendären „Hochschule für Gestaltung Ulm“ hinein, deren Gründungsrektor der schweizerische „Bauhäusler“ Max Bill war.
Das wunderbare, sensible, tief bewegende Portrait von Erich Schmid dokumentiert das zielgenau unter dem Motto „Ästhetik der Einfachheit, Schönheit der Reduktion“.
Wäre das doch ein Motto für manchen Musiker beim trimedialen Denken und beim kommunikativ offenen Machen …
Wolfgang Loeckle, Kulturredakteur des Bayerischen Rundfunks
 

 

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