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Wichtig ist, was daraus gemacht wird

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Die Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt im zweiten Jahr nach der Gründung
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Als Leiter der Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt hatte Peter Grunwald erst einmal Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn wofür seine Institution überhaupt da ist, was sie tut – , das wissen in Ostdeutschlands kleinstem Bundesland bislang selbst in Musikerkreisen wenige. Verwunderlich ist das kaum, denn das Modell der Landesmusikakademien, das sich in den westlichen Bundesländern seit Jahrzehnten bewährt, ist im Osten weitgehend unbekannt. In Thüringen und Sachsen beispielsweise wird die Gründung einer Akademie zwar diskutiert, ist aber noch längst keine Realität.

Anders in Sachsen-Anhalt: Hier rief das Kultusministerium im April 2002, ebenfalls nach langer Anlaufzeit, eine Landesmusikakademie ins Leben, und zwar dort, wo sie am besten hinpasst – im ehemaligen Zisterzienserkloster Michaelstein bei Blankenburg im Harz. Hier befindet sich schon seit 1977 ein Institut für Aufführungspraxis, das dem Engagement des von Eitelfriedrich Thom geleiteten Telemann-Kammerorchesters gefolgt war. Thom und das 1968 gegründete Ensemble gehörten zu den Pionieren der Historischen Aufführungspraxis in der DDR. Auch ein attraktives Instrumentenmuseum befindet sich im Kloster Michaelstein, zudem der Sitz der „Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik“, die im Auftrag von Bund und Ländern die Barockmusikpflege in Mitteldeutschland unterstützt. Das Telemannische Collegium Michaelstein ist hier zu Hause und der Kammerchor Michaelstein. Zudem ist das Kloster ein wichtiger Veranstaltungsort und Kulturträger der Region.

1997 wurde es in eine Landesstiftung überführt, unter Leitung von Andreas Walter teilweise saniert und deutlich erweitert. Knapp 60 Personen können übernachten, Küche und Gastronomie sind vorhanden, dazu gibt es einen nach mittelalterlichem Vorbild angelegten Kräuter- und einen Gemüsegarten. Die prächtige Lage inmitten der Natur macht Michaelstein zu einer wahren Oase. Peter Grunwald nun steht mit der Landesmusikakademie verständlicherweise noch ziemlich am Anfang. Musikschulleiter war er im niedersächsischen Lohne, wo die Menschen wohlhabend und katholisch sind und ihr Geld gerne für Musik ausgeben.

Doch als Grunwald die Ausschreibung der Musikakademie Sachsen-Anhalt las, wusste er: „Das ist das, was du immer schon machen wolltest.“ Im Juli 2002 fing er an, lebte dann acht Monate „fast wie ein Mönch im Kloster“, bevor er sich mit der Familie niederließ in Wernigerode.

Grunwald hat einiges organisiert bislang: einen D-Lehrgang für Blasmusiker, einen Gitarrenkurs, eine Fortbildung für musikalische Früherziehung zum Beispiel. Doch musste er bis vor kurzem ohne Mitarbeiter auskommen, er war seine eigene Sekretärin und Mädchen für alles, gab Schlüssel an Gruppen aus und betreute sie, kümmerte sich um die Beschaffung von notwendigen Möbeln und Büromaterial, passte die Infrastruktur den Ansprüchen der Akademie an. Daneben hatte er das musikalische Terrain zu erkunden, musste Ansprechpartner finden und Einsicht gewinnen in die Notwendigkeiten des Landes. Denn üppig wie in seiner alten Heimat ist die Versorgung mit Musikschulen und Musikvereinen in Sachsen-Anhalt nicht. „Doch wichtig ist, was daraus gemacht wird“, sagt der studierte Blockflötist.

Er selbst möchte das jetzt schon weite Profil der Landesmusikakademie noch erweitern, will Landesjugendensembles ein Quartier bieten und Dirigenten, Musiklehrern, Musikschullehrern, Musikern die Gelegenheit zu Fortbildungen unterschiedlichster Couleur. Ende August fand ein Meisterkurs für Violine statt unter Leitung von Koji Toyoda, der nach der von Shinichi Suzuki entwickelten Talente-Erziehungsmethode arbeitet. Daran schloss sich eine Einführung in die Suzuki-Pädagogik an. Und Ende September (26. bis 28. September) wird das renommierte String-Thing-Quartett einen Improvisationsworkshop für Streicher leiten.

Zu den Stammgästen gehört natürlich der Landesmusikrat, der in Michaelstein regelmäßig Kurse veranstaltet und Jugend-musiziert-Teilnehmer vor Wettbewerben in die „Klausur“ schickt, außerdem das für die Lehrerfortbildung zuständig „LISA“. Wichtig ist für die Landesmusikakademie auch die Kooperation mit Veranstaltern – dem IAM zum Beispiel oder der Orff-Schulwerk-Gesellschaft – die sich im Kloster „einmieten“. Peter Grunwald will in Zukunft – mit Hilfe von Kursen – zudem verstärkt auf die finanziell schwierige Lage eingehen, in der sich Musikschulen und andere Kulturträger gerade in Sachsen-Anhalt befinden. „Musiker müssen lernen“, sagt er, „ihre Aktivitäten besser publik zu machen. Sie müssen besser verdeutlichen können, wie wichtig das ist, was sie tun.“

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