Zeitloser Zeitgeist


(nmz) -
Ein Artikel von Erik Buchheister

Andreas von Wangenheim: Milonga; Kompositionen von Andreas von Wangenheim, Thomas Bauer, Astor Piazzolla, Frank Streich u.a.; Dieter Müller (g), Michael Wichmann Hopf (g) BMG Classics 74321 33331 2
Die neue CD „Milonga“ von Andreas von Wangenheim ist Crossover vom Feinsten. Jazz, Ethno, Fusion, Balladen - die Bezeichnungen treffen alle und treffen doch nicht, denn alles verschmiltzt in einem spezifischen Klanggewand, das unverwechselbar ist. Leicht, aber nicht seicht, erklingen tranceähnliche, fast bildhafte Kompositionen, in denen die Lust am Improvisieren genauso durchscheint wie profundes auskomponiertes Handwerk. Insbesondere das Eröffnungsstück „Ayers Rock“ geht nicht nur in die Beine, sondern lädt zum inneren träumerischen „Mitswingen“ ein. Die Musik geht direkt ins Ohr, schlängelt sich gewandt durch den Gehörgang und vermittelt im Gehirn wohliges Behagen, ohne genau zu wissen, warum. Freunde des Jazz kommen ebenso auf ihre Kosten wie Musikliebhaber jenseits des Main-Stream. Nicht alle Titel sind gleichwertig, vermitteln aber Wangenheims Vielseitigkeit, ohne dessen Erfahrungen aus der Klassik zu verleugnen. Die CD entstand gemeinsam mit Thomas Bauer, dem ehemaligen Keyboarder von Heinz Rudolf Kunze – Inspiration durch Gegensatz, könnte man sagen. Wangenheim, Bauer und ihre Begleiter Benjamin Hüllenkremer, Bass, und Marcio Doctor, Percussion, formen hier musikalischen Zeitgeist, der zeitlos ist. Wangenheim, studierter Gitarrist und nicht nur für seine Bachinterpretationen bekannt, geht mit dieser CD nicht unbedingt neue Wege. Es liegen bei BMG bereits drei Crossover-CDs vor. Neben Filmmusiken und eigenen Kompositionen und Transkriptionen räumt der Künstler auch der Pädagogik seinen Platz ein – seit 1995 unterrichtet Wangenheim eine Gitarrenklasse an der Staatlichen Musikhochschule Karlsruhe. Auf sein nächstes Projekt kann man gespannt sein.

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