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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Operette sich wer kann! Robert Lehmeier ruiniert in Mainz die „Fledermaus“

29.01.09 (Andreas Hauff) -
Die „Fledermaus“ gilt eigentlich als unverwüstlich. Charme und Witz von Johann Strauß’ beliebtester Operette, meint man, sind nicht kaputtzukriegen. Doch Robert Lehmeier, bekannt geworden durch die Berliner Inszenierungen „Angela - eine Nationaloper“ und die schwule Version von Mozarts „Cosi fan tutte“, gelingt es am Staatstheater Mainz tatsächlich, das Stück gegen die Wand zu fahren.

Reflektierter Mythos – Heinrich Poos’ „Orpheus-Fantasien“ uraufgeführt

01.12.08 (Andreas Hauff) -
Viele Dichter und Musiker hat der antike Orpheus-Mythos fasziniert. Heinrich Poos, renommierter Musikwissenschaftler und Komponist von Chormusik, macht hier keine Ausnahme. An ihn, der seit seinem Abschied von der Berliner Musikhochschule wieder im heimatlichen Hunsrück lebt, erging ein Kompositionsauftrag des Landes Rheinland-Pfalz. Am 23.11. brachte der Bachchor Mainz zusammen mit Solisten des Bachorchester unter Ralf Otto seine Drei Fantasien für Chor, Sprecher und Instrumente in der Christuskirche zur Uraufführung.

Zukunftspläne nach erfolgreicher Existenzsicherung

01.07.08 (Andreas Hauff) -

So genau weiß man gar nicht, wann der Mainzer Paul Schumacher in der Mittleren Bleiche ein Konservatorium gründete. „Um 1882“ steht auf der Website des heutigen Peter-Cornelius-Konservatoriums, „1883“ in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum. Die Zeittafel in der offiziellen Mainzer Stadtgeschichte von 1998 nennt die Gründung überhaupt nicht. Das über 1.300-seitige Buch enthält zwar Spezialkapitel zu Themen wie Stadtplanung, Architektur und Kunst, zu Wasserversorgung und Müllabfuhr, aber nicht zur Mainzer Musikgeschichte.
Gefeiert wurde dennoch – mit einem attraktiven Jubiläumswochenende um den 18. Mai und einem Festakt am 1. Juni. Oberbürgermeister Jens Beutel zog sich dabei in der Datumsfrage geschickt aus der Affäre, als er bemerkte: „Wenn gefeiert wird, dann natürlich im neuen Haus.“ Tatsächlich residiert das Peter-Cornelius-Konservatorium erst seit dem Umzug am 17. Dezember 2007 und der offiziellen Einweihung am 12. Januar 2008 in seinem Neubau an der Binger Straße. Beutels Bekenntnis zum PCK als „festem Bestandteil des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens in unserer Landeshauptstadt Mainz“ war keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder hieß es in den letzten Jahren, der Betrieb eines Konservatoriums sei keine städtische Angelegenheit. Noch 2007 forderte der Bund der Steuerzahler die Schließung.

Musikalisch faszinierend, szenisch anspruchslos

01.09.03 (Andreas Hauff) -

Wagners „Rienzi“ ist eine Rarität auf der Bühne. Nicht nur, weil Wagner selbst seinem Frühwerk später ausgesprochen distanziert gegenüberstand, nicht nur, weil die Anforderungen außerordentlich sind, sondern auch, weil das Werk zu den Lieblingsopern Adolf Hitlers gehörte, der sich in der Figur des selbst ernannten Volkstribunen und charismatischen Führers Cola di Rienzi wiederzuerkennen glaubte. „In jener Stunde begann es“, gestand einst Hitler in Erinnerung an eine Linzer „Rienzi“-Aufführung seinem Jugendfreund August Kubizek. Ein aufmerksamer Leser des „Rienzi“-Textbuches könnte zu dem ebenso kuriosen wie makaberen Schluss kommen, dass Hitler im Wesentlichen die Karriere des Opern-„Rienzi“ nachgespielt habe – bis hin zur endlichen „Götterdämmerung“ im brennenden Kapitol.

Musik für Venedigs Markusdom gemeißelt

01.11.02 (Andreas Hauff) -

Joseph Haydns Orchestermusiker litten unter dem verlängerten Aufenthalt auf Schloss Esterházy. Um seinem fürstlichen Arbeitgeber die Abreise aus der Sommerresidenz ans Herz zu legen, komponierte Haydn eine Sinfonie, in deren Finale die Musiker einer nach dem anderen ihren Platz verlassen. Das taten in der Alter Oper auf jeweils individuelle Weise nun auch die Musiker der Jungen Deutschen Philharmonie, einschließlich des Dirigenten Markus Stenz, und es wirkte bei aller Voraussehbarkeit ziemlich spontan.

Kunst wird durch Vollzug erklärt und nicht durch Reden

01.11.02 (Andreas Hauff) -

Im vorigen Jahr war es Hans-Werner Henze, dem die Alte Oper in Frankfurt beim Auftkat das Komponistenportrait widmete; diesmal galt es Wolfgang Rihm. Die Veranstaltungen anlässlich seines 50. Geburtstages kulminierten am zweiten September-Wochenende in einem von zahlreichen Aufführungen umringten Symposion.

Zwischen Rock-Revue, Operette und Polit-Posse

01.02.02 (Andreas Hauff) -

Wer am Bahnhof der sachsen-anhaltischen Kreisstadt Bernberg aussteigt, findet nicht einmal einen Stadtplan vor. Die Bahnhofstraße liegt verödet, jedes zweite Schaufenster ist leer. Die Fußgängerzone ist einigermaßen belebt an diesem Samstagnachmittag, doch schon am Schloss ist der Besucher aus dem Westen wieder das einzige Lebewesen – außer den Bären, die als lebendiges Wahrzeichen des Ortes dort oben gehalten werden. Unten an der Saalebrücke verfällt ganz offensichtlich jedes zweite Haus, und bei diesigem Himmel legt die Dämmerung einen Schleier der Melancholie über die halbverlassene Stadt.

Der letzte Großkomponist beim ersten Auftakt-Festival

01.10.01 (Andreas Hauff) -

In Frankfurt hat die Alte Oper ihre Finanz- und Legitimationskrise inzwischen überwunden. Zum ersten Mal wurde jetzt im September 2001 die Saison mit einem Auftakt-Festival eröffnet, dessen Programm sich durchaus mit den früheren Frankfurt-Festen messen konnte und vor allem die zeitgenössische Musik wieder konsequent auf die Programme setzte. Klare Schwerpunkte waren ein umfangreiches Komponistenporträt zu Hans Werner Henzes 75. Geburtstag und ein ausführliches Interpretenporträt zu Alfred Brendels 70. Geburtstag; zudem fand auch der 65. Geburtstag Hans Zenders Berücksichtigung.

Musikleben im Umbruch zwischen Provinz und Metropole

01.03.01 (Andreas Hauff) -

„Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht!“ Kaum etwas aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt hat sich so tief ins bundesdeutsche Bewusstsein eingegraben wie die Fernsehfastnacht. Nicht ohne Zutun der Mainzer allerdings: Oberbürgermeister Jens Beutel zum Beispiel feierte die Mainzer Hofsänger zu ihrem 75-jährigen Jubiläum als „Inbegriff für Mainzer Lebensgefühl und Lebensart“. Hat Lars Reichow, der erfolgreiche junge Mainzer Kabarettist, Recht mit seinem Hymnus auf die Stadt? „Denkst gern an die Zukunft / doch fehlt dir die Vision / ein Blick nach vorn / und zwei zurück zur Tradition.“ Die Stadt ist sichtlich im Umbruch; etliche Bauprojekte der letzten Jahre dokumentieren die Tendenz zu einem rigorosen Stadtumbau, der sich weniger an den so gerne gepriesenen menschlichen Dimensionen der Stadt zu orientieren scheint als an dem Bedürfnis, im Konzert der Großstädte des Rhein-Main-Gebietes endlich gleichberechtigt mitzuspielen. „Mainz bleibt Mainz“ – aber wie?

Die politische Ohnmacht der Seherin

01.06.00 (Andreas Hauff) -

Von den siegreichen Griechen überwältigt, harren die trojanischen Frauen des Todes; Kassandra blickt zurück auf Geschichte und Vorgeschichte des Krieges, die in 34 mehr oder weniger kurzen Szenen schlaglichtartig aufgeblendet werden. Die Autoren haben die Figur der Apollopriesterin, die ihre Sehergabe mit ihrer politischen Rolle in der Stadt nicht vereinen kann, aufgespalten: Die nach außen hin agierende Kassandra, ein heller Koloratursopran, kontrastiert mit dem dunklen Alt von „Kassandras Stimme“. Kassand-ra trägt Weiß – wie all die funktionierenden Funktionäre der Stadt. Ihre „Stimme“, die mit verbundenen Augen langsam und stetigen Schrittes die Bühne umkreist, trägt Schwarz – wie all diejenigen, die sich der inneren Mobilmachung in der Stadt noch entziehen können und wollen.

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