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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Mut zur Erneuerung und Rolle rückwärts

08.05.19 (Andreas Hauff) -
„Mut zur Erneuerung“ verkündet das Motto des 27. Kurt-Weill-Festes in Dessau-Roßlau. Gemeint ist damit in erster Linie die Rückbesinnung auf den Geist der Jahre 1925 bis 1932, als das Bauhaus seinen Sitz in Dessau hatte. Dessen Erbe wird in der Stadt an der Mulde inzwischen sehr bewusst gepflegt. Als Höhepunkt der Jubiläumsveranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des 1919 in Weimar begründeten Instituts sieht man der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums im September entgegen. „Mut zur Erneuerung“ lässt sich aber auch auf die Gegenwart beziehen.

Vielschichtige Tiefenbohrung

30.03.19 (Andreas Hauff) -
Ein wenig zeigte sich sein Verleger Peter Hanser-Strecker vom Mainzer Schott-Verlag immer noch konsterniert: György Ligeti beschloss sein Spätwerk nicht mit repräsentativen Großwerken wie Opern, Sinfonien oder Solokonzerten, sondern bosselte jahrelang an Klavieretüden herum, die gemeinhin eher als Stoff für Spezialisten gelten. Dass es ihm dabei nicht nur um neue Herausforderungen für zeitgenössische Pianisten, sondern auch um neue kompositorische Wege ging, wissen die Kenner. Mit ihrem Symposium „György Ligetis Klavierwerk“ setzte die Mainzer Hochschule für Musik nicht nur zu einer beachtlichen musikwissenschaftlichen Tiefenbohrung an, sondern verschaffte dem anwesenden Konzertpublikum auch ein seltenes Hörerlebnis.

Keine Ruhe vor dem Sturm – Georges Aperghis “L‘ avis de tempète“ am Staatstheater Mainz

20.03.19 (Andreas Hauff) -
Nach der Uraufführung im französischen Lille 2005 hat sich bislang kein Theater an Georges Aperghis‘ Oper „L‘Avis de Tempète“ gewagt: Nun hat das Staatstheater Mainz die deutsche Erstaufführung auf die Beine gestellt – eine bewundernswerte Leistung, die als Bühnenereignis trotzdem seltsam unberührt lässt. Andreas Hauff berichtet.

Paul Hindemiths letzte Oper „The Long Christmas Dinner“ an der HfMdK Frankfurt

24.12.18 (Andreas Hauff) -
Den Farbton „grau in grau“ hat man den späten Werken Paul Hindemiths nachgesagt, und entsprechend selten findet man sie auf Konzertprogrammen und Theaterspielplänen. Sich vom Gegenteil zu überzeugen, bot die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt nun Gelegenheit. Schon im November präsentierte sie drei Tage hintereinander Hindemiths letzte Oper „The Long Christmas Dinner“. Mit einer zweiten Aufführungsserie hat sie das Publikum nun in die Weihnachtsfeiertage entlassen – musikalisch überzeugend, aber szenisch durchwachsen.

Unbefangenheit und ungefilterte Reaktionen

12.12.18 (Andreas Hauff) -
Die erste Reaktion ist Stirnrunzeln: Wie kommt ein viertägiges Festival für Neue Musik in eine Kleinstadt von 5.200 Einwohnern in der dünn besiedelten Nordpfalz? Und dann noch unter der Schirmherrschaft von Helmut Lachenmann, mit Ausschnitten aus dem diesjährigen Donaueschinger Programm, und mit einem Kulturminister, der keine große Ansprache hält, sondern neugierig zuhört?

Klamauk – Paul Abrahams „Märchen im Grandhotel“ am Staatstheater Mainz

30.11.18 (Andreas Hauff) -
Auf den ersten Blick passt Paul Abrahams 1934 in Wien uraufgeführte Operette „Märchen im Grandhotel“ ins Schema der Gattung: Eine exilierte Kronprinzessin mit adligem Gefolge im mondänen französischen Cannes, dazu ein Hotelketten-Eigner, der seinem studierten Sohn ein halbjähriges Berufspraktikum als Kellner verordnet. Der verliebt sich unsterblich in die Prinzessin. Modern im Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda allerdings ist die zweite Komponente:

Im flackernden Puls der Zeit

01.11.18 (Andreas Hauff) -
Ein Kongress-Motto soll neugierig machen und einladend wirken, aber auch einen inhaltlichen Schwerpunkt setzen. Hieß es vor zwei Jahren in Kob­lenz noch nachdenklich „Musik erleben – Musik reflektieren“, so jetzt in Hannover weltzugewandt „Im Puls der Zeit – Bildung, Musik, Kultur“. Auf Plakat, Flyer und Programmheft sind dazu eine Gitarre, eine Djembétrommel, ein Notenständer mit der aufgeschlagenen Partitur eines Mendelssohn-Streichquartetts, ein Kopfhörer und zwei Audio-Piktogramme abgebildet – allesamt Koordinaten musikpädagogischer Vielfalt. Doch darüber legt sich eine große EKG-Kurve. Die wirft Fragen auf: Wie schlägt der Puls der Zeit? Und wie der des Musikunterrichts? Ist der Musikunterricht gar der Patient, dem man den Puls fühlen muss? Und wenn ja, wie sind die Überlebenschancen?

„Im Spiegel der Angst“ – Uraufführung von Müller-Hornbachs Luther-Oratorium in Mainz

29.10.18 (Andreas Hauff) -
„Angst trennt nicht mehr die Einzelnen, sondern verbindet sie im Ganzen“ ist ein markanter Satz aus der schon 2014 erschienenen Studie „Gesellschaft der Angst“ des Berliner Soziologen Heinz Bude. Als Gerhard Müller-Hornbach zum Reformationsjubiläum 2017 einen Kompositionsauftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bekam, entschied sich der Frankfurter Komponist für ein oratorisches Werk, dass die Angst des Reformators Martin Luther in den Blick nimmt und das Publikum einlädt, sich „Im Spiegel der Angst“ – so der Titel – nicht nur selbst zu erkennen, sondern auch von da aus weiter zu schreiten „auf der Suche nach Entängstigung“ – so der Untertitel. Die Landeskirche allerdings reagierte verängstigt und verschob 2017 die Uraufführung um ein Jahr.

Fesselnde Reise in eine gottlose Welt

03.07.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Das Zähmen des Koyoten – Heiner Goebbels‘ szenisches Konzert am Stadttheater Gießen

20.06.18 (Andreas Hauff) -
Das mittelhessische Gießen ist nicht nur Ort eines lebendigen Stadttheaters mit einem abwechlungs- und entdeckungsreichen Musiktheater-Spielplan, sondern auch Sitz des renommierten Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Dessen Leitung hatte von 2003-2011 der Komponist, Hörspielautor und Regisseur Heiner Goebbels inne. Seine Lehrtätigkeit dort währte noch länger – von 1999 bis zu diesem Frühjahr. Goebbels versteht Theater als „Labor“, als „lebendigen, sich täglich verändernden Forschungsgegenstand“. Nun hat er am Stadttheater Gießen ein eigenes Programm gestaltet: Ein szenisches Konzert unter dem Titel mit einem Namen aus einem alten Buch. Im Publikum der 5. Vorstellung sitzen Opernabonnenten neben jungen Theater-Freaks.
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