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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Dada vom Dach: Das Mainzer Staatstheater setzt zur Bundestagswahl seine Hörtheater-Reihe fort mit dem Programm „Marsch Manipulation“

07.09.17 (Andreas Hauff) -
Alternativlos waren die Mainzer am Sonntagabend des sogenannten Rededuells zwischen Angela Merkel und Martin Schulz nicht. Wer Karten bekam, konnte sich auf der schmalen Dachterrasse des Staatstheaters die neueste Hörtheater-Produktion „Marsch Manipulation“ anhören und ansehen. Nicht von ungefähr haben Regisseur Anselm Dalferth und Dramaturgin Elene Garcia Fernandez die Veranstaltung in die Endphase des Wahlkampfes platziert. Die vorerst letzte Aufführung ist auf den Abend der Bundestagswahl terminiert. Der rezitierte Text des englischen Autors und Aktionskünstlers Tim Etchells „Auch wenn wir gescheitert sind“ könnte dann sein Pendant in der Wirklichkeit finden: „Freunde, das ist nicht unser Tag!“

Eklat bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

19.08.17 (Andreas Hauff) -
Eigentlich schien die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz seit Dienstantritt ihres Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens 2009 und ihres Intendanten Michael Kaufmann 2011 auf einem guten Weg. Überzeugende künstlerische und programmatische Leistungen führten in den Jahren 2013 bis 2015 zu drei ECHO-Preisverleihungen, zuletzt als „Orchester des Jahres”, und 2016/17 zum Preis des Deutschen Musikverlegerverbandes (DMV) für das „beste Konzertprogramm der Saison”. Doch nachdem Steffens schon Ende 2016 seinen Vertrag nicht über die Saison 2017/18 hinaus verlängern wollte, wird nun auch Kaufmann die Staatsphilharmonie zu diesem Zeitpunkt verlassen. Die Umstände um seinen Weggang muss man als Eklat bezeichnen.

Der lange Abschied vom Kirchturmdenken

16.08.17 (Andreas Hauff) -
Schon einmal, 2013, lud der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz die Orches­ter des Landes zum Orchestergipfel in die Landeshauptstadt Mainz – wider Erwarten ein Riesenerfolg. Vier Jahre später gab es am 11. Juni eine attraktive Neuauflage – unter strahlendem Sonnenschein, aber nicht ganz ohne Schatten.

Transkulturell bis zum Wellensalat: „Orientation-Festival“ am Staatstheater Mainz

27.06.17 (Andreas Hauff) -
Drei Jahre schon existiert am Staatstheater Mainz Anselm Dalferths experimentelle Reihe „Hörtheater“, die das Hören selbst und sein Verhältnis zum Sehen immer wieder auf den Prüfstand stellt. Auf zwei Jahre angelegt war die von der Bundeskulturstiftung „Doppelpass“ geförderte Zusammenarbeit des Staatstheaters mit dem Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya. Die über zwei Spielzeiten wachsende Berührung beider Konzepte mündete nun in das „transkulturelle Orientation-Festival“ des Staatstheaters.

Phrasenbildung im Reagenzglas. Das Philharmonische Staatsorchester Mainz wagt beim Jugendkonzert einen „Besuch in Haydns Komponier-Labor“

24.05.17 (Andreas Hauff) -
Ja, Joseph Haydn. Im schulischen Musikunterricht gibt es noch ein paar Nischen für ihn. Da ist der „Paukenschlag“ – als etwas grobschlächtiges Beispiel für seinen Humor und, praktischerweise, für einen Variationensatz. Das „Kaiserquartett“ enthält auch einen solchen und darüber hinaus die Melodie der deutschen Nationalhymne. Und da gibt es dann noch die „Abschiedssinfonie“ – als bemerkenswertes Beispiel für Courage gegenüber dem fürstlichen Arbeitgeber. Aber „cool“ ist der Mann nicht – weder zu früh gestorben und als Süßigkeit in Kugelform verbreitet wie Mozart, noch „beinahe ein Rock‘n Roller“ wie Beethoven … Hermann Bäumer, GMD in Mainz, bewegt sich also auf dünnem Eis, wenn er beim „Konzert für junge Leute“ mit dem Philharmonischen Staatsorchester einen „Besuch in Haydns Komponier-Labor“ wagt.

Berührungsängste und Ansätze

09.04.17 (Andreas Hauff) -
Musikgeschichte im Musikunterricht? Eigentlich dürfte das kein so großes Problem sein. Fragt man Oberstufenschüler zu Beginn des Unterrichts nach ihren Wünschen, nennen Sie in der Regel neben viel Musikpraxis auch einen Überblick über die Musikgeschichte, der bis in die Gegenwart führen und auch die Entwicklung der Popmusik einschließen soll. So etwas gehöre zur Allgemeinbildung. Auch in der Mittelstufe heißt es: „Man sollte schon wissen, wer Mozart ist.“ Die Musikdidaktik allerdings tut sich schwer mit der Musikgeschichte, und viele Musiklehrerinnen und Musiklehrer auch. Zu stark hat sich die Musikpraxis in den Vordergrund geschoben, zu fordernd erscheint das Bedürfnis der Lernenden nach „ihrer“ Musik, zu sehr fürchtet man sich vor den Ansprüchen an musiktheoretisches Verstehen, und zu deutlich sind die Zweifel an der Selbstverständlichkeit der abendländischen Musikkultur gewachsen.

Sensation oder Sensibilisierung? Der Mainzer Bach-Experte Karl Böhmer stellt eine neue Rekonstruktionsfassung von Bachs verlorener Markus-Passion vor

29.03.17 (Andreas Hauff) -
Kein Musikstück sei so oft uraufgeführt worden wie Bachs Markus-Passion, sagt Felix Koch halb im Scherz, halb im Ernst, vor Beginn des Konzerts in der Frankfurter Heiliggeistkirche. Tatsächlich mangelt es nicht an Rekonstruktionsversuchen des verlorengegangenen Bach-Werkes. Braucht es da wiederum eine Neufassung, diesmal von dem Mainzer Musikwissenschaftler Karl Böhmer, immerhin einem anerkennten Experten für die Stilkunde des 18. Jahrhunderts? Oder, schärfer noch gefragt: Braucht man überhaupt dieses Bach-Fragment? Und sind die beiden Aufführungen in der Wiesbadener Christophoruskirche und der Frankfurter Heilggeistkirche durch den Mainzer Gutenberg-Kammerchor und das Neumeyer Consort wirklich die Sensation, die das Collegium Musicum der Universität Mainz als Träger des Chores verkündet?

Kleiderfabrik statt Meeresstrand – Georges Bizets „Die Perlenfischer“ szenisch in Kaiserslautern

14.02.17 (Andreas Hauff) -
Es gibt eine Reihe von Opern, die kaum szenisch, aber gerne konzertant aufgeführt werden. Die entsprechende Schublade bei Regisseuren, Dramaturgen, Kritikern heißt „Unrettbare Handlung mit sensationeller Musik“ oder dergleichen. In dieser Schublade steckt auch George Bizets Oper „Die Perlenfischer“ ziemlich fest. Nun hat sich das Pfalztheater Kaiserslautern an eine Inszenierung gewagt.

Ein Anflug von Weltenharmonie – Jordi Savall in der Alten Oper Frankfurt

26.01.17 (Andreas Hauff) -
Jordi Savall, der katalanische Gambist, Dirigent und Musikforscher, ist schon ein Ausnahmemusiker. Wohl mehr als jeder andere Experte für die Alte Musik Europas hat er sich hineingearbeitet in die Musik benachbarter Kulturen. Unterstützt vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, der derzeit das kulturübergreifende Thema „Transit“ fördert, widmete ihm die Alte Oper Frankfurt einen Themenschwerpunkt. Der „Fokus Jordi Savall“ bestand aus drei Konzerten; Savall brachte seine beiden Ensembles „Hespèrion XXI“ und „La Capella Reial de Catalunya“ mit, dazu das mexikanische „Tembembe Ensamble Continuo“.

Auf dem schwierigen Weg, Max Reger zu verstehen – Kurzfestival zum Gedenkjahr in Mainz

25.11.16 (Andreas Hauff) -
Vor gut hundert Jahren starb Max Reger, seinerzeit als großer Komponist ebenso anerkannt wie umstritten. Im Kreis um Arnold Schönberg etwa wurde er oft gespielt. 2016 hat das Reger-Gedenkjahr in den Konzertprogrammen wenig Spuren hinterlassen, außer bei den Organisten, die das Werk eigentlich stets geschätzt und gepflegt haben. Mit einem „Reger-Kurzfestival“ unter dem Motto „Max Reger – umstrittenes Genie“ versuchten in Mainz der Bach-Chor und die Hochschule für Musik eine erneute Annäherung.
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