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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Fesselnde Reise in eine gottlose Welt

03.07.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Das Zähmen des Koyoten – Heiner Goebbels‘ szenisches Konzert am Stadttheater Gießen

20.06.18 (Andreas Hauff) -
Das mittelhessische Gießen ist nicht nur Ort eines lebendigen Stadttheaters mit einem abwechlungs- und entdeckungsreichen Musiktheater-Spielplan, sondern auch Sitz des renommierten Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Dessen Leitung hatte von 2003-2011 der Komponist, Hörspielautor und Regisseur Heiner Goebbels inne. Seine Lehrtätigkeit dort währte noch länger – von 1999 bis zu diesem Frühjahr. Goebbels versteht Theater als „Labor“, als „lebendigen, sich täglich verändernden Forschungsgegenstand“. Nun hat er am Stadttheater Gießen ein eigenes Programm gestaltet: Ein szenisches Konzert unter dem Titel mit einem Namen aus einem alten Buch. Im Publikum der 5. Vorstellung sitzen Opernabonnenten neben jungen Theater-Freaks.

Fesselnde Reise in gottlose Welt – Rued Langgaards Oper „Antikrist“ am Staatstheater Mainz

10.06.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Spanischer als „Carmen“, und härter – Manuel Penellas Oper „El Gato Montés“ in Kaiserslautern

03.06.18 (Andreas Hauff) -
Gibt es eine Oper, die spanischer ist als „Carmen“? Das Opernrepertoire sagt: „Nein“, die Probe aufs Exempel aber beweist: „Doch“! – Auch „El Gato Montés“ spielt im andalusischem Milieu zwischen Toreros, Zigeunern und Banditen, allerdings in spanischer Sprache und mit stärker andalusisch geprägter Musik. Text und Musik stammen von Manuel Penella (1880-1939); die Oper wurde 1917 in seinem Geburtsort Valencia uraufgeführt. Erst jetzt zeigt nun das Pfalztheater in Kaiserslautern die deutsche Erstaufführung – mit einem spanischen Regieteam und dem langjährigen Ersten Kapellmeister, dem Spanier Rodrigo Tomillo, als Gastdirigenten.

Kurt Weills „Silbersee“ als „soziale Skulptur“ am Theater Pforzheim

19.05.18 (Andreas Hauff) -
Manchen Bühnenwerken ist ihre Entstehungszeit unmissverständlich eingeschrieben. Zu ihnen gehört „Der Silbersee“ von Kurt Weill – eine Art Semi-Opera, der der Komponist und sein Librettist Georg Kaiser in Anspielung auf Heinrich Heine den Untertitel „Ein Wintermärchen“ gaben. Handlung, Text und Musik bieten ein eigenartiges und eindringliches Zeitbild der frühen 1930er Jahre kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. Mit der Wiederbelebung des Stücks tun sich die deutschen Theater schwer. Einen bemerkenswerten neuen Versuch hat nun am Theater Pforzheim Intendant Thomas Münstermann gemacht.

Virtuell in der Oper: Das Theater Wuppertal wagt ein Experiment mit Francesca Caccinis „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“

06.05.18 (Andreas Hauff) -
Es ist schon erstaunlich: Seit langen Jahren kreisen Diskussionen und Forschungen in Kulturszene und Kulturwissenschaften immer wieder um die Gender-Frage. Doch Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ – soweit bekannt, die erste von einer Frau komponierte Oper – bringt kein Theater auf die Bühne. Fast keines, muss man sagen, denn die Wuppertaler Oper hat jetzt einen Versuch gemacht. Aber sie verschiebt den Fokus des Stückes und versteht „liberazione“ (Befreiung) als Lizenz zur Digitalisierung.

Wissen oder Nicht-Wissen

30.04.18 (Andreas Hauff) -
Womit ist heute Staat (oder Stadt) zu machen? Darmstadt macht es vor. Jahrzehntelang stempelte dort die Deutsche Bundespost das Motto „In Darmstadt leben die Künste“ auf nahezu jeden Brief. Heute definiert sich die südhessische Großstadt, in der das Institut für Neue Musik und Musikerziehung seinen Sitz hat, als „Wissenschaftstadt“. Entsprechend erfreut zeigte sich Darmstadts Kulturreferent Prof. Ludger Hünnekens in seinem Grußwort zur 72. Frühjahrstagung des Instituts. Sie stand unter dem Motto „Erkundungen. Gegenwartsmusik als Forschung und Experiment“.

Ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini. Die Musiktheater-Produktion „Ein Zimmer für sie allein“ am ZAMUS in Köln

01.03.18 (Andreas Hauff) -
Die Nachbarschaft in der Kölner Heliosstraße ist wahrscheinlich Zufall: Das ZAMUS (Zentrum für Alte Musik) in Köln-Ehrenfeld liegt neben einem seltenen Baudenkmal von 1894: Einem Binnenleuchtturm, der an die 1905 untergegangene Helios AG erinnert. Doch als Forum, Begegnungsstätte und Konzertort hat das 2012 gegründete ZAMUS inzwischen selbst Leuchtturm-Charakter. Mit der Musiktheaterproduktion „Ein Zimmer für sie allein“, die auch beim Internationalen Festival für Aktuelle Klangkunst in Trier gastierte, fällt nun ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini, die trotz Frauenbewegung und erstarktem Gender-Bewusstsein immer noch im Schatten ihrer männlichen Kollegen steht.

Die Durchökonomisierung des Privaten – Kurt Weills Musical „Love Life“am Theater Freiburg

02.02.18 (Andreas Hauff) -
Kurt Weills wiedergewonnene Popularität als Songkomponist steht in einem erstaunlichen Missverhältnis zur Unkenntnis seines Musiktheaterschaffens. Während das Kurt-Weill-Fest in Dessau sich an eine Wiederauflage der unverwüstlichen „Dreigroschenoper“ macht, hat die offizielle deutsche Erstaufführung von Weills Musical „Love Live“ am Theater Freiburg schon im Dezember stattgefunden – knapp 70 Jahre nach seiner Uraufführung am Broadway –, wurde aber überregional kaum gewürdigt. Dabei sind „Dreigroschenoper“ und „Love Life“ näher beieinander, als 20 Jahre Abstand und die erzwungene Emigration naheliegen.

Ein Gutachten und ein neuer Intendant

31.01.18 (Andreas Hauff) -
Spätestens seit Sommer 2017 ist trotz unbestrittener künstlerischer Erfolge die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Krise. Chefdirigent Karl-Heinz Steffens hatte im Dezember 2016 seinen Weggang zum Ende der Saison 2017/18 angekün­digt, und im Frühjahr hatte das Mainzer Kultusministerium die Münchener Managementberatung Metrum mit einem Mediationsprozess und einem Gutachten beauftragt. (siehe nmz 12/17-1/18) Die Kombination von Unterfinanzierung, konzeptionellen Schwierigkeiten und internen Querelen zwischen Orchester und Intendanz spitzte sich unterdessen weiter zu. Als Intendant Michael Kaufmann erfuhr, dass die Findungskommission für den neuen Chefdirigenten ohne ihn einberufen worden war, warf er seinerseits das Handtuch – noch während des Mediationsprozesses. Das Ergebnis in Ludwigshafen glich einem Scherbenhaufen.
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