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Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Klamauk – Paul Abrahams „Märchen im Grandhotel“ am Staatstheater Mainz

30.11.18 (Andreas Hauff) -
Auf den ersten Blick passt Paul Abrahams 1934 in Wien uraufgeführte Operette „Märchen im Grandhotel“ ins Schema der Gattung: Eine exilierte Kronprinzessin mit adligem Gefolge im mondänen französischen Cannes, dazu ein Hotelketten-Eigner, der seinem studierten Sohn ein halbjähriges Berufspraktikum als Kellner verordnet. Der verliebt sich unsterblich in die Prinzessin. Modern im Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda allerdings ist die zweite Komponente:
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Im flackernden Puls der Zeit

01.11.18 (Andreas Hauff) -
Ein Kongress-Motto soll neugierig machen und einladend wirken, aber auch einen inhaltlichen Schwerpunkt setzen. Hieß es vor zwei Jahren in Kob­lenz noch nachdenklich „Musik erleben – Musik reflektieren“, so jetzt in Hannover weltzugewandt „Im Puls der Zeit – Bildung, Musik, Kultur“. Auf Plakat, Flyer und Programmheft sind dazu eine Gitarre, eine Djembétrommel, ein Notenständer mit der aufgeschlagenen Partitur eines Mendelssohn-Streichquartetts, ein Kopfhörer und zwei Audio-Piktogramme abgebildet – allesamt Koordinaten musikpädagogischer Vielfalt. Doch darüber legt sich eine große EKG-Kurve. Die wirft Fragen auf: Wie schlägt der Puls der Zeit? Und wie der des Musikunterrichts? Ist der Musikunterricht gar der Patient, dem man den Puls fühlen muss? Und wenn ja, wie sind die Überlebenschancen?

„Im Spiegel der Angst“ – Uraufführung von Müller-Hornbachs Luther-Oratorium in Mainz

29.10.18 (Andreas Hauff) -
„Angst trennt nicht mehr die Einzelnen, sondern verbindet sie im Ganzen“ ist ein markanter Satz aus der schon 2014 erschienenen Studie „Gesellschaft der Angst“ des Berliner Soziologen Heinz Bude. Als Gerhard Müller-Hornbach zum Reformationsjubiläum 2017 einen Kompositionsauftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bekam, entschied sich der Frankfurter Komponist für ein oratorisches Werk, dass die Angst des Reformators Martin Luther in den Blick nimmt und das Publikum einlädt, sich „Im Spiegel der Angst“ – so der Titel – nicht nur selbst zu erkennen, sondern auch von da aus weiter zu schreiten „auf der Suche nach Entängstigung“ – so der Untertitel. Die Landeskirche allerdings reagierte verängstigt und verschob 2017 die Uraufführung um ein Jahr.

Fesselnde Reise in eine gottlose Welt

03.07.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Das Zähmen des Koyoten – Heiner Goebbels‘ szenisches Konzert am Stadttheater Gießen

20.06.18 (Andreas Hauff) -
Das mittelhessische Gießen ist nicht nur Ort eines lebendigen Stadttheaters mit einem abwechlungs- und entdeckungsreichen Musiktheater-Spielplan, sondern auch Sitz des renommierten Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Dessen Leitung hatte von 2003-2011 der Komponist, Hörspielautor und Regisseur Heiner Goebbels inne. Seine Lehrtätigkeit dort währte noch länger – von 1999 bis zu diesem Frühjahr. Goebbels versteht Theater als „Labor“, als „lebendigen, sich täglich verändernden Forschungsgegenstand“. Nun hat er am Stadttheater Gießen ein eigenes Programm gestaltet: Ein szenisches Konzert unter dem Titel mit einem Namen aus einem alten Buch. Im Publikum der 5. Vorstellung sitzen Opernabonnenten neben jungen Theater-Freaks.

Fesselnde Reise in gottlose Welt – Rued Langgaards Oper „Antikrist“ am Staatstheater Mainz

10.06.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Spanischer als „Carmen“, und härter – Manuel Penellas Oper „El Gato Montés“ in Kaiserslautern

03.06.18 (Andreas Hauff) -
Gibt es eine Oper, die spanischer ist als „Carmen“? Das Opernrepertoire sagt: „Nein“, die Probe aufs Exempel aber beweist: „Doch“! – Auch „El Gato Montés“ spielt im andalusischem Milieu zwischen Toreros, Zigeunern und Banditen, allerdings in spanischer Sprache und mit stärker andalusisch geprägter Musik. Text und Musik stammen von Manuel Penella (1880-1939); die Oper wurde 1917 in seinem Geburtsort Valencia uraufgeführt. Erst jetzt zeigt nun das Pfalztheater in Kaiserslautern die deutsche Erstaufführung – mit einem spanischen Regieteam und dem langjährigen Ersten Kapellmeister, dem Spanier Rodrigo Tomillo, als Gastdirigenten.

Kurt Weills „Silbersee“ als „soziale Skulptur“ am Theater Pforzheim

19.05.18 (Andreas Hauff) -
Manchen Bühnenwerken ist ihre Entstehungszeit unmissverständlich eingeschrieben. Zu ihnen gehört „Der Silbersee“ von Kurt Weill – eine Art Semi-Opera, der der Komponist und sein Librettist Georg Kaiser in Anspielung auf Heinrich Heine den Untertitel „Ein Wintermärchen“ gaben. Handlung, Text und Musik bieten ein eigenartiges und eindringliches Zeitbild der frühen 1930er Jahre kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. Mit der Wiederbelebung des Stücks tun sich die deutschen Theater schwer. Einen bemerkenswerten neuen Versuch hat nun am Theater Pforzheim Intendant Thomas Münstermann gemacht.

Virtuell in der Oper: Das Theater Wuppertal wagt ein Experiment mit Francesca Caccinis „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“

06.05.18 (Andreas Hauff) -
Es ist schon erstaunlich: Seit langen Jahren kreisen Diskussionen und Forschungen in Kulturszene und Kulturwissenschaften immer wieder um die Gender-Frage. Doch Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ – soweit bekannt, die erste von einer Frau komponierte Oper – bringt kein Theater auf die Bühne. Fast keines, muss man sagen, denn die Wuppertaler Oper hat jetzt einen Versuch gemacht. Aber sie verschiebt den Fokus des Stückes und versteht „liberazione“ (Befreiung) als Lizenz zur Digitalisierung.
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