Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Andreas Hauff«

Bewegung in Rheinland-Pfalz – Hoffnung für die Deutsche Staatsphilharmonie

06.12.17 (Andreas Hauff) -
Minister Konrad Wolf stellt den neuen Intendanten Beat Fehlmann und das Metrum-Gutachten vor. Trotz unbestrittener künstlerischer Erfolge spitzte sich die schwelende Krise der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in diesem Sommer zu. Dem Rattenschwanz von Unterfinanzierung, konzeptionellen Schwierigkeiten, internen Querelen und angekündigtem Weggang von Chefdirigent Karl-Heinz Steffens folgte die Entscheidung von Intendant Michael Kaufmann, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Schon im Frühjahr hatte das Mainzer Kultusministerium die Münchener Managementberatung Metrum mit einem Gutachten beauftragt. Am 1.12. nun stellte Minister Konrad Wolf in Ludwigshafen den neuen Intendanten Beat Fehlmann der Presse vor und gab zugleich das Gutachten an die Öffentlichkeit.

Oper als Vorhölle – Uraufführung von Eichbergs Flüchtlingsstück „Schönerland“ in Wiesbaden

19.10.17 (Andreas Hauff) -
Sören Nils Eichbergs Oper „Schönerland“ ist neben dem Schauspiel „Wir werden unter Regen warten“ von Ihsan Othmann eine der beiden Uraufführungen, mit denen das Hessischen Staatstheater Wiesbaden auf das aktuelle Thema „Flucht“ reagiert. Im Theatermagazin liest man dazu, es gehe nicht um das Dokumentarische, bei dem die Geflüchteten im schlimmsten Falle eine „Illustrationsstaffage“ bilden würden, sondern um eine Annäherung „mit genuin künstlerischen Mitteln“.

Unmoral in neuer Fassung. Monteverdis „L’Incoronazione di Poppea“ in Aachen

10.10.17 (Andreas Hauff) -
Claudio Monteverdis letzte Oper „L’Incoronazione die Poppea“ („Die Krönung der Poppea“) gilt bis heute als eines der großen Rätsel der Musikgeschichte. Es ist kein Autograph der Uraufführung 1643 in Venedig erhalten, sondern nur zwei spätere, divergierende Fassungen, die in Teilen Zweifel an Monteverdis Allein-Autorschaft wecken. Und bis heute irritiert der offensichtlich unmoralische Schluss, der den Ehebruch des Kaisers Nero mit einem der beeindruckendsten Liebesduette der Musikgeschichte krönt. Dass der Bärenreiter Verlag nun eine kritische Neuausgabe des Werkes vorgelegt hat, weckt unter diesen Umständen natürlich besonderes Interesse auf deren Erstaufführung am Theater Aachen.

Dada vom Dach: Das Mainzer Staatstheater setzt zur Bundestagswahl seine Hörtheater-Reihe fort mit dem Programm „Marsch Manipulation“

07.09.17 (Andreas Hauff) -
Alternativlos waren die Mainzer am Sonntagabend des sogenannten Rededuells zwischen Angela Merkel und Martin Schulz nicht. Wer Karten bekam, konnte sich auf der schmalen Dachterrasse des Staatstheaters die neueste Hörtheater-Produktion „Marsch Manipulation“ anhören und ansehen. Nicht von ungefähr haben Regisseur Anselm Dalferth und Dramaturgin Elene Garcia Fernandez die Veranstaltung in die Endphase des Wahlkampfes platziert. Die vorerst letzte Aufführung ist auf den Abend der Bundestagswahl terminiert. Der rezitierte Text des englischen Autors und Aktionskünstlers Tim Etchells „Auch wenn wir gescheitert sind“ könnte dann sein Pendant in der Wirklichkeit finden: „Freunde, das ist nicht unser Tag!“

Eklat bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

19.08.17 (Andreas Hauff) -
Eigentlich schien die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz seit Dienstantritt ihres Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens 2009 und ihres Intendanten Michael Kaufmann 2011 auf einem guten Weg. Überzeugende künstlerische und programmatische Leistungen führten in den Jahren 2013 bis 2015 zu drei ECHO-Preisverleihungen, zuletzt als „Orchester des Jahres”, und 2016/17 zum Preis des Deutschen Musikverlegerverbandes (DMV) für das „beste Konzertprogramm der Saison”. Doch nachdem Steffens schon Ende 2016 seinen Vertrag nicht über die Saison 2017/18 hinaus verlängern wollte, wird nun auch Kaufmann die Staatsphilharmonie zu diesem Zeitpunkt verlassen. Die Umstände um seinen Weggang muss man als Eklat bezeichnen.

Der lange Abschied vom Kirchturmdenken

16.08.17 (Andreas Hauff) -
Schon einmal, 2013, lud der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz die Orches­ter des Landes zum Orchestergipfel in die Landeshauptstadt Mainz – wider Erwarten ein Riesenerfolg. Vier Jahre später gab es am 11. Juni eine attraktive Neuauflage – unter strahlendem Sonnenschein, aber nicht ganz ohne Schatten.

Transkulturell bis zum Wellensalat: „Orientation-Festival“ am Staatstheater Mainz

27.06.17 (Andreas Hauff) -
Drei Jahre schon existiert am Staatstheater Mainz Anselm Dalferths experimentelle Reihe „Hörtheater“, die das Hören selbst und sein Verhältnis zum Sehen immer wieder auf den Prüfstand stellt. Auf zwei Jahre angelegt war die von der Bundeskulturstiftung „Doppelpass“ geförderte Zusammenarbeit des Staatstheaters mit dem Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya. Die über zwei Spielzeiten wachsende Berührung beider Konzepte mündete nun in das „transkulturelle Orientation-Festival“ des Staatstheaters.

Phrasenbildung im Reagenzglas. Das Philharmonische Staatsorchester Mainz wagt beim Jugendkonzert einen „Besuch in Haydns Komponier-Labor“

24.05.17 (Andreas Hauff) -
Ja, Joseph Haydn. Im schulischen Musikunterricht gibt es noch ein paar Nischen für ihn. Da ist der „Paukenschlag“ – als etwas grobschlächtiges Beispiel für seinen Humor und, praktischerweise, für einen Variationensatz. Das „Kaiserquartett“ enthält auch einen solchen und darüber hinaus die Melodie der deutschen Nationalhymne. Und da gibt es dann noch die „Abschiedssinfonie“ – als bemerkenswertes Beispiel für Courage gegenüber dem fürstlichen Arbeitgeber. Aber „cool“ ist der Mann nicht – weder zu früh gestorben und als Süßigkeit in Kugelform verbreitet wie Mozart, noch „beinahe ein Rock‘n Roller“ wie Beethoven … Hermann Bäumer, GMD in Mainz, bewegt sich also auf dünnem Eis, wenn er beim „Konzert für junge Leute“ mit dem Philharmonischen Staatsorchester einen „Besuch in Haydns Komponier-Labor“ wagt.

Berührungsängste und Ansätze

09.04.17 (Andreas Hauff) -
Musikgeschichte im Musikunterricht? Eigentlich dürfte das kein so großes Problem sein. Fragt man Oberstufenschüler zu Beginn des Unterrichts nach ihren Wünschen, nennen Sie in der Regel neben viel Musikpraxis auch einen Überblick über die Musikgeschichte, der bis in die Gegenwart führen und auch die Entwicklung der Popmusik einschließen soll. So etwas gehöre zur Allgemeinbildung. Auch in der Mittelstufe heißt es: „Man sollte schon wissen, wer Mozart ist.“ Die Musikdidaktik allerdings tut sich schwer mit der Musikgeschichte, und viele Musiklehrerinnen und Musiklehrer auch. Zu stark hat sich die Musikpraxis in den Vordergrund geschoben, zu fordernd erscheint das Bedürfnis der Lernenden nach „ihrer“ Musik, zu sehr fürchtet man sich vor den Ansprüchen an musiktheoretisches Verstehen, und zu deutlich sind die Zweifel an der Selbstverständlichkeit der abendländischen Musikkultur gewachsen.

Sensation oder Sensibilisierung? Der Mainzer Bach-Experte Karl Böhmer stellt eine neue Rekonstruktionsfassung von Bachs verlorener Markus-Passion vor

29.03.17 (Andreas Hauff) -
Kein Musikstück sei so oft uraufgeführt worden wie Bachs Markus-Passion, sagt Felix Koch halb im Scherz, halb im Ernst, vor Beginn des Konzerts in der Frankfurter Heiliggeistkirche. Tatsächlich mangelt es nicht an Rekonstruktionsversuchen des verlorengegangenen Bach-Werkes. Braucht es da wiederum eine Neufassung, diesmal von dem Mainzer Musikwissenschaftler Karl Böhmer, immerhin einem anerkennten Experten für die Stilkunde des 18. Jahrhunderts? Oder, schärfer noch gefragt: Braucht man überhaupt dieses Bach-Fragment? Und sind die beiden Aufführungen in der Wiesbadener Christophoruskirche und der Frankfurter Heilggeistkirche durch den Mainzer Gutenberg-Kammerchor und das Neumeyer Consort wirklich die Sensation, die das Collegium Musicum der Universität Mainz als Träger des Chores verkündet?
Inhalt abgleichen