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Alle Artikel kategorisiert unter »Peter P. Pachl«

Franz Schrekers dirigentisches Vermächtnis

01.09.05 (Peter P. Pachl) -

Franz Schrekers Schaffen als Dirigent in den Jahren 1923 bis 1933 umspannt den Wechsel von den akustischen Trichteraufnahmen zu frühen elektrischen Aufnahmen und ersten Versuchsaufnahmen des Rundfunks. Seine Spätfassung der Ballettversion von Oscar Wildes Märchen „Der Geburtstag der Infantin“ hat er im Jahresabstand mit dem Orchester der Staatsoper Berlin sogar zweimal aufgenommen, im Jahre 1926 und erneut am 17. Februar 1927. Daher ist diese Einspielung noch relativ häufig in Schallplattenantiquariaten zu finden. Und auf Flohmärkten stößt der Sammler häufiger auf Teile der Orchestersuiten zu Griegs „Peer Gynt“ und Bizets „L’Arlesienne“. Auch die „Arlesienne“-Suite hat Schreker zweimal eingespielt, 1926 mit dem Orchester der Staatsoper Berlin und 1928 mit dem Philharmonischen Orchester Berlin. Die britische Gesamtedition beim Label Symposion gestattet nun den Vergleich der wiederholt erfolgten Interpretationen des Dirigenten Schreker, aufschlussreich nicht nur für den Fortschritt der technischen Möglichkeiten der Aufnahmetechnik, sondern auch für Schrekers orchestralen Umgang mit dem neuen Medium.

Antisemitismus als Mittel zum kreativen Prozess

01.06.04 (Peter P. Pachl) -

Richard Wagners Antisemitismus, der aus den Schriften und den Tagebüchern Cosima Wagners deutlich wird, hat der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek (Der zweite Tod der Oper. Berlin 2003) unlängst öffentlich bestritten, und selbst Daniel Barenboim verteidigt in einem unlängst erschienenen Buch nicht nur Wagners Angriffe gegen Mendelssohn im Pamphlet „Das Judentum in der Musik“, sondern widerspricht auch dem Vorhandensein antisemitischer Tendenzen in dessen Musikdramen (Daniel Barenboim/Edward W. Said: Parallelen und Paradoxien. Über Musik und Gesellschaft. Berlin 2004). Zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangt Ulrich Drüner in seiner Abhandlung „Schöpfer und Zerstörer“. Hier wird Wagners Antisemitismus zum Agens und zur Sinngebung seiner Kunst überhaupt und zum maßgeblichen Faktor von Wagners Schöpfertum. Durch „seine immer aggressiveren Motivationen, Kunst als Sprachrohr zu gebrauchen“ wurde Wagner zum Zerstörer, „durch die künstlerische Syntax“, mit welcher er seine Kunst verwirklichte, hinge-gen zum Schöpfer. Den Vorgang des Schöpferischen untersucht Drüner kreativitätspsychologisch. Demnach war die „negative Inspiration“ ein von Wagner gesuchter, in der „unmöglichen Liebe“ oder – besonders häufig – durch antisemitische Attacken gefundener Weg zur Kreativität. Durch den „sadistisch-sexuelle(n) Kick des Judenhasses“ hätten sich „Der Ring des Nibelungen“ und „Das Judentum in der Musik“ gegenseitig bedingt. Aber nicht nur die in der Rezeption häufig als Judenkarikaturen gedeuteten Rollen Beckmesser, Mime, Alberich, Hagen und Kundry, sondern auch Venus und Ortrud werden bei Drüner als Bilder des Jüdischen gedeutet, die Heldengestalten Tannhäuser, Tristan, Wotan und Amfortas hingegen als „Verletzte“ im Kampf um die „Moderne“.

Paraphrasen auf sattsam bekannte Handlungen

01.04.04 (Peter P. Pachl) -

Als „Ring für das neue Jahrtausend“ wird – nach dem auf DVD wiederveröffentlichten „Bayreuther Jahrhundert-Ring“ in der Inszenierung von Patrice Chéreau – der „Ring“-Zyklus der Staatsoper Stuttgart von Euroarts, TDK, SWR und Arte beworben. In der Tat hat seit der Centenarinszenierung der Bayreuther Festspiele keine andere Produktion von Richard Wagners Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend so viele Kontroversen ausgelöst und letztlich so viel Lob geerntet wie dieser von Intendant Klaus Zehelein bewusst auf vier Regieteams verteilte „Stuttgarter Ring“, mit der erklärten „Ästhetik der Verausgabung“ in jedem Teil der Tetralogie.

Eine reizvolle Mixtur

01.03.04 (Peter P. Pachl) -

Richard Wagner: Parsifal. The search for the Grail; Placido Domingo, Violeta Urmana, Matti Salminen, Feodor Mojhaev u.a., Kirov Chor und Orchester des Mariinsky Theaters, Valéry Gergiev; Regie: Tony Palmer
ARTHAUS 10060010 (1 DVD)

Manische Entfesselung geistiger Produktivkräfte

01.04.03 (Peter P. Pachl) -

Bestellen im nmz-shopDietrich Fischer-Dieskau: Hugo Wolf. Leben und Werk, Henschel, Berlin 2002, 558 S., 44 s/w-Abbildungen, 34 Notenbeispiele, € 39,90, ISBN 3-89487-432-5

Häusliche Festspieleinkehr

01.10.02 (Peter P. Pachl) -

Die diesjährigen Sommerfestspiele sind beendet, es bleiben Erinnerungen und bisweilen Gesamtaufnahmen – allerdings zumeist arg zeitversetzt, und oft mit mehrjähriger Verzögerung. Bisweilen braucht es Jahrzehnte, bis die Überprüfung der eigenen Erinnerung anhand einer Konserve möglich ist. Starke Erinnerungen gewinnen über die Jahre an Eigendynamik, verklären die Opernerlebnisse im Gedächtnis.

Die Opernpartitur als Beigabe

01.09.02 (Peter P. Pachl) -

Ulrike Kienzle: Das Trauma hinter dem Traum. Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“ und die Wiener Moderne. Edition Argus 1998, 431 S. + 16 S. Motivtafel + 447 S. Studienpartitur; ISBN 3-931264-04-1, € 51,-

Propagandistisch deutscher Vorzeigekünstler

01.04.02 (Peter P. Pachl) -

Angesichts zahlreicher Veröffentlichungen zu Leben und Werk Hans Pfitzners seit dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere der Periodika der Hans-Pfitzner-Gesellschaft und der wiederholt von diesem Verein durchgeführten wissenschaftlichen Symposien, der umfangreichen Biografie von Bernhard Adamy (1980) und des 1987 erschienenen Nachtragsbandes „Sämtliche Schriften“, hätte man annehmen müssen, es gäbe keine weißen Flecken in der Vita des Komponisten, Musikschriftstellers, Dirigenten, Regisseurs, Pianisten und Lehrers.

Königskinder und Theresienstadt

01.06.01 (Peter P. Pachl) -

Eva Humperdinck Sr. M. Evamaris: Engelbert Humperdinck in seinen persönlichen Beziehungen zu Richard Wagner, Cosima Wagner, Siegfried Wagner, dargestellt am Briefwechsel und anderen Aufzeichnungen. Bd. II: 1897–1904; Bd. III: 1905–1921, Görres Verlag, Koblenz 1997, 427 Seiten und 1999, 356 Seiten

Klang-Rausch

01.11.00 (Peter P. Pachl) -

Um die mit Verve begonnene Wiederentdeckung Franz Schrekers an den Bühnen ist es recht still geworden. Dies mag daran liegen, dass der Reiz der Wiederentedeckung im „neuen Alten“ lag, denn in den vergangenen zwei Dezennien wurden sämtliche seiner Bühnenwerke einer Neubefragung unterzogen. Schrekers erste Oper „Flammen“ erlebte 1901 in Wien nur eine konzertante Uraufführung, erst 1980 erfolgte daselbst die szenische Uraufführung; die auch auf CD (Marco Polo 8.223422) festgehaltene Produktion gab es in den Folgejahren auch als Gastspiel in Berlin, Basel und Hamburg zu sehen. Nun aber kündigen die Städtischen Bühnen Kiel für diese Spielzeit erneut die „Uraufführung“ dieser Oper an. Die erneute Klassifizierung als „Uraufführung“ setzt hinsichtlich publizistischer Beachtung offenbar auf den ungeprüft größeren Effekt einer solchen Behauptung. Auf CD hingegen erschienen kürzlich einige Werke Franz Schrekers tatsächlich erstmals auf Tonträgern.

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