Das Projekt Musiktheater 360° zielt darauf ab, Jugendlichen aus sozial benachteiligten und strukturell schwachen Regionen in Brandenburg eine künstlerische und kulturelle Bildungsplattform zu bieten. Die Jugendlichen, insbesondere solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, sollen durch das Medium Musiktheater ihre sozialen Kompetenzen verbessern, ihre emotionalen Fähigkeiten entwickeln und neue Perspektiven für ihre Zukunft entdecken.
© Musikakademie Rheinsberg
Neue Perspektiven: Musiktheater 360°
Die Bedeutung von kultureller Bildung als präventives Mittel gegen Armut wird dabei nicht nur als eine künstlerische Förderung verstanden, sondern als ein Schlüssel zur Verbesserung sozialer Integration und der Förderung von Chancengleichheit. Es geht darum, den Jugendlichen in ländlichen Gebieten, wo kulturelle Angebote häufig fehlen, durch das Projekt neue soziale und kreative Räume zu eröffnen. Kulturelle Bildung hat erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Jugendlichen. In Verbindung mit der sozialen Prävention bietet sie den Teilnehmenden nicht nur die Möglichkeit zur künstlerischen Entfaltung, sondern fördert auch die Entwicklung von wichtigen Lebenskompetenzen wie Teamarbeit, Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Diese Fähigkeiten sind von grundlegender Bedeutung, um den Jugendlichen zu helfen, einen Weg aus benachteiligten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu finden.
Vorgänger „Werkstatt Quillo“
Das preisgekrönte Vorgängerprojekt „Werkstatt Quillo“ hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, wie kulturelle Bildung gezielt zur sozialen Integration und Stärkung von Jugendlichen in ländlichen Regionen beitragen kann. Damit kulturelle Bildung ihre volle armutspräventive Wirkung entfalten kann, ist sie auf starke Netzwerke und interdisziplinäre Kooperationen angewiesen. Das Projekt setzt dort an, wo kulturelle Angebote häufig fehlen und wo die soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen durch sozioökonomische Faktoren erschwert wird. Die langfristige Vision des Projekts besteht darin, kulturelle Bildung als festen Bestandteil der kommunalen Bildungs- und Sozialplanung zu etablieren, sodass sie strukturell verankert bleibt.
Verankerung im Lehrplan
Schulen übernehmen dabei eine aktive Rolle in der Projektgestaltung, indem sie Musiktheater 360° in ihre pädagogischen Strukturen integrieren. Ziel ist es, dass die im Projekt entwickelten Methoden und Inhalte dauerhaft in den Lehrplänen verankert werden, sodass das Projekt auch nach der initialen Förderphase weitergeführt werden kann. Die institutionelle Nähe zur Musikakademie Rheinsberg bietet eine besondere Chance, um stabile Partnerschaften mit Schulen zu etablieren. Die Schulen partizipieren am kontinuierlichen Austausch zwischen Bildungseinrichtungen und kulturellen Akteuren, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der Bildungslandschaft beiträgt.
Qualifizierung
Darüber hinaus sollen die Erkenntnisse aus Musiktheater 360° langfristig in die Qualifizierung von Fachkräften einfließen. In Zusammenarbeit mit dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) werden dezentrale Fortbildungsstrukturen im Bereich Hilfe zur Erziehung und frühkindliche kulturelle Bildung aufgebaut. Dies stärkt nicht nur die Bildungschancen benachteiligter Jugendlicher, sondern trägt zur Weiterentwicklung sozialpädagogischer und kultureller Bildungsstrategien in Brandenburg bei.
Die Vernetzung mit Sozialverbänden und Fachnetzwerken sichert die langfristige Wirkung von Musiktheater 360° über die kommunale Ebene hinaus als Modell für die Verbindung von kultureller Bildung und sozialer Arbeit.
Viele Teilnehmende wachsen nicht in klassischen Familienstrukturen auf, sondern leben in betreuten Wohnformen oder Jugendwohngruppen. Ein zentrales Instrument der sozialen Einbindung sind die öffentlichen Aufführungen. Für viele Eltern, Angehörige und weitere Bezugspersonen ist dies der erste bewusste Zugang zur kulturellen Bildung ihrer Kinder. Diese Veranstaltungen schaffen nicht nur Sichtbarkeit für die künstlerische Arbeit der Jugendlichen, sondern haben eine tiefere soziale Funktion: Sie ermöglichen emotionale Schlüsselerlebnisse, die das Selbstbewusstsein und die soziale Eingebundenheit der Teilnehmenden stärken. Die fachliche Umsetzung von Musiktheater 360° wird durch personelle Kontinuität in der künstlerisch-pädagogischen Leitung sowie ein beständiges Team aus spezialisierten Dozierenden gesichert. Diese Struktur ermöglicht eine langfristige Bindung der Jugendlichen an das Projekt und gewährleistet eine kontinuierliche Reflexion und methodische Weiterentwicklung. Die Methodik von Musiktheater 360° kombiniert künstlerische Prozesse mit sozial- und kulturpädagogischen Ansätzen. Im Zentrum steht ein partizipativer, ressourcenorientierter Arbeitsansatz, der Jugendlichen ermöglicht, selbstwirksam zu agieren, soziale Kompetenzen zu stärken und neue Perspektiven zu entwickeln:
Nachhaltiges Modellprojekt
Eine Auftaktveranstaltung bezieht gezielt Familien und Betreuungspersonen mit ein, um das Umfeld der Jugendlichen aktiv einzubinden. In persönlichen Gesprächen werden die individuellen Interessen der Teilnehmenden erfasst. Die Jugendlichen können sich anschließend in einer oder mehreren Disziplinen ausprobieren und entsprechend ihrer Interessen mitwirken. In einer intensiven Proben-und Bühnenwoche an der Musikakademie Rheinsberg arbeiten die Jugendlichen mit den Dozentinnen und einem professionellen Musikensemble an der Umsetzung ihres Bühnenstücks. Den Abschluss bildet die Aufführung des erarbeiteten Stücks vor Publikum, um den Jugendlichen eine Bühne für ihre persönliche und künstlerische Entwicklung zu bieten.
Die Kombination aus künstlerischer Expertise, stabilen Netzwerken, einer fundierten sozialpädagogischen Methodik und einer wissenschaftlich begleiteten Evaluation macht Musiktheater 360° zu einem nachhaltigen Modellprojekt, das über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben und als bundesweit übertragbares Konzept weiterentwickelt werden kann.
- Share by mail
Share on