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Foto: ZAV-Künstlervermittlung

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Bericht aus der Studienrichtung Musical

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Interview mit der Musical-Studentin Djamila Al-Slaiman zum MAP in Berlin
Vorspann / Teaser

Hallo Djamila, du studierst im 8. Semester Musical an der Hochschule Osnabrück und dieses Jahr hast du dich zusammen mit deinem Abschlussjahrgang beim MAP in Berlin präsentieren dürfen. MAP steht für Musical Absolvent*innen Präsentation und bie­tet allen fünf Abschlussjahrgängen der Hochschul- Musicalstudiengänge im deutschsprachigen Raum die Gelegenheit, sich vor Fachpublikum zu zeigen und zu networken. Welche besonderen Momente gab es auf der Bühne, die dir besonders in Erinne­rung geblieben sind? 

Unser Programm ging durch und es ist schwierig, diesen einen Moment zu benennen, aber der Start und der Applaus sind mir sehr hängen geblieben. Die Stimmung dort war aufgeladen, man spürte, dass Menschen einem zugucken, die sehr mitfiebern. 

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Was hat dich da besonders überrascht, im Positiven wie im herausfordernden Sinne? 

Die Aufregung und die Zeit davor fand ich sehr, sehr anstrengend, weil man im Kopf hat, dass es ein Fachpublikum ist. Ich hatte das Gefühl, wir müssten extrem clean, extrem genau sein. Es wird auf die Fehler geguckt und auf Dinge, die vielleicht nicht so gut gelöst sind. Das war vorher sehr viel Druck. Aber vor Ort, sobald wir gespielt haben, war es okay. 

Hattest du die Chance, anderen Hochschulen zuzuschauen? Wie hast du die Präsentationen der anderen wahrgenommen? 

Sehr unterschiedlich. Bis auf eine Hochschule konn­te ich alle Beiträge sehen. Man merkt schon, dass die Jahrgänge sich stark unterscheiden. Ob das Konzept beispielsweise vorsieht, dass eine Person alleine die Bühne füllt, oder ob die Solo-Beiträge in einer Ensemble-Situation stattfinden, der Umgang mit dem Tempo – alles hat, finde ich, unterschiedliche Vor- und Nachteile. Ich fand es dieses Jahr total abwechslungsreich, das Zuschauen hat mich gar nicht ermüdet. Ich hatte den Eindruck, das Niveau war dieses Jahr sehr hoch. 

Wie sind die Kontakte zu den anderen? Ihr kennt euch untereinander? 

Genau, ich hatte ja vor meinem Studium in Osna­brück noch ein Jahr lang eine Studienvorbereitung in Berlin gemacht. Mein gesamter Jahrgang von damals wurde in dem Jahr an verschiedenen Hoch­schulen aufgenommen, etwa 13 Leute. Beim MAP sind wir uns jetzt alle wieder begegnet, dazu noch in Berlin, das war natürlich schon besonders. In jedem Jahrgang kenne ich mindestens ein, zwei Leute. 

Gibt es da großen Leistungs- und Erwartungsdruck – oder auch Konkurrenz? 

Ja, gerade wenn man die Leute kennt, guckt man genauer hin. Man hat ja dann auch den Vergleich zu vor ein paar Jahren, dann ist man besonders gespannt – und die anderen gucken dann ja sicher auch anders auf mich und gleichen das mit meinem Stand vor vier Jahren ab. Das bedeutet mehr Erwar­tungsdruck – aber ich weiß nicht, ob das wirklich der Realität entspricht, ob nicht alle auch wohlwollend aufeinander gucken.

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Djamila Al-Slaiman. Foto: Saskia Allers

Djamila Al-Slaiman. Foto: Saskia Allers

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Wie hast du die Stimmung am Präsentationstag erlebt? 

Sobald die Präsentationen liefen, war es unter den Studierenden ziemlich gelöst und entspannt. Manche sind wirklich eng befreundet, mit manchen macht man auch nur Smalltalk. Aber Ich fand‘s tat­sächlich schwieriger, hinterher mit den geladenen Gästen im Publikum in ein Gespräch zu kommen. Ich stand so da und dachte, ich scheue mich jetzt davor, in ein Gespräch zu gehen, denn vielleicht hat die Person mich auch gar nicht mehr in Erinnerung. Es haben so viele Frauen dieses Jahr Abschluss ge­macht. Bei dem Speed Dating im Anschluss an die Präsentationen, da spürt man einfach sehr stark, ob das Gegenüber wirklich Interesse an einem hat. Es ist unangenehm, in Gespräche zu gehen und nicht zu wissen, ob man überhaupt den Geschmack des Gegenübers getroffen hat. 

Würdest du das Speed Dating kurz erläutern? Das war ja dieses Jahr neu in Berlin, in der Form gab es das vorher nicht. Wie war der Ablauf? 

Wir haben alle Namensschildchen bekommen und die Studierenden haben sich in den inneren Kreis gestellt, die geladenen Gäste, die im Idealfall dort waren, weil sie einen Job zu vergeben hatten, stan­den in einem äußeren Kreis und dann sollte jede Minute gewechselt werden. Eine Minute reicht na­türlich nicht, wenn man wirklich in einen Austausch kommt, aber ich finde die Grundidee gut. Man hat wirklich die Möglichkeit, mit vielen Menschen kurz ins Gespräch zu kommen. Da sind dann ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Jobangeboten. Einige klassische Agenturen, manche vermitteln Entertainment für Kreuzfahrtschiffe, auch Intendanten waren dort. Es ist spannend, einen Eindruck zu bekommen, was es eigentlich alles gibt, auch wenn für einen selbst vielleicht nicht alles in Frage kommt. 

Was für Fragen wurden euch da so gestellt? 

Es war meist eher ein gegenseitiges Vorstellen. Menschen, die interessiert waren, haben natürlich auch gefragt, wo wir uns beruflich sehen, aber es war sehr viel mehr ein gegenseitiges Vorstellen. Einige waren dort, obwohl sie gerade keine aktiven Angebote hatten. Ich habe aber auf jeden Fall viele Karten mitbekommen und wurde ermutigt, mich noch mal zu melden und zu bewerben. 

Wie war für dich die Arbeit am künstlerischen Programm? 

Ich fand es sehr schön, dass wir von vornherein keinen Zeitdruck hatten, da unser Programm sogar etwas unter der vorgegebenen Zeit lag. Es gab dadurch mehr Möglichkeit, in die Tiefe zu arbeiten, gerade im Schauspiel. Auch die Ensemblearbeit fand ich sehr schön. Es hat mir viel Stress genom­men, dass wir als Ensemble aufgetreten sind. Jeder hatte so seinen Solo-Moment, aber ich hatte nicht das Gefühl, ich müsste da so overperformen. Es war auch leichter, die ganze Zeit auf der Bühne zu sein und sich nicht hinter der Bühne verrückt zu machen, bis man sein Solo singt. Wir konnten uns dadurch gegenseitig viel mehr Ruhe geben. In der Erarbeitung ist es allerdings manchmal stressig, alles im Ensemble zu machen. Man ist wirklich sehr abhängig voneinander, alle haben unterschiedliche Arbeitstempi, mal wird jemand krank. Da muss man lernen, bei sich zu bleiben, die Ruhe zu bewahren und gleichzeitig auf alle anderen zu achten, das finde ich immer herausfordernd – aber das Ergebnis ist es wert, finde ich. 

Ihr wart immer alle gleichzeitig auf der Bühne? 

Ja, genau. Die Präsentationsdauer ist genau festgelegt von der ZAV, der zentralen Agentur für Arbeit. Sechs Minuten pro Person, wir waren 10 Leute, insgesamt hatten wir also 60 Minuten, dazu sechs Minuten Ensemble Zeit on top. Es ist also zeitlich streng getaktet, auch wenn am Ende niemand mit einer Stoppuhr dasitzt. Zwar wäre es schön, mehr Zeit zu haben, um mehr unterschied­liche Facetten zeigen zu können, aber man muss ja auch fürs Publikum mitdenken, die sich da alles in allem fünf Stunden Programm anschauen. Die werden jetzt nicht jede Nuance im Kopf behalten. Am Ende sehen die Leute so viele Menschen, da geht auch viel bei unter. 

Welche kreativen Freiräume gab es jetzt bei der Auswahl oder Interpretation der Beiträge? 

Sehr viele, wir haben von Anfang an selbst Vor­schläge gemacht, was wir gerne zeigen möchten. Ich hatte das vorher mit meiner Gesangsdozentin abgesprochen. Wir haben auch immer als Gruppe auf die Vorschläge geschaut und unsere Meinung abgegeben, ob etwas ins Programm oder auch zu der Person passt. Für mein Solo habe ich auch die Choreografie selbst gemacht. Ich hatte von Anfang an viele Ideen und so ein Bild, wie diese Nummer für mich auszusehen hat. Ich habe früh damit angefan­gen und dann hat sich alles über die Probenwochen entwickelt. 

Wie war es, deine Choreografie vor so einem großen Fachpublikum zur präsentieren? 

Ich hatte schon häufiger kleinere Sachen für mich selbst choreografiert, aber wenig Erfahrung mit großen Nummern für mehrere Leute und das habe ich schon auch gemerkt. Ich hatte das Konzept ja für mich selbst ausprobiert und festgelegt, mit meinem Körper und mit Bewegungen, die mir leicht fallen. Aber dann stehen da neun Leute hinter mir, mit ganz anderen Körpern und ganz anderen Bewe­gungsabläufen. Das alles in eine einheitliche Form zu bekommen, ist schon sehr herausfordernd. In der Endprobenwoche hatte ich das Gefühl, sehr viel zugeguckt und gar nicht so viel getanzt zu haben, weil ich so mit den anderen beschäftigt war und damit, dass es ein einheitliches Bild wird. Das fand ich auf jeden Fall herausfordernd, aber es war auch schön, weil ich das Gefühl habe, meine Ideen haben dann schlussendlich auch funktioniert. 

Wie war es dann am Tag der Performance in Berlin, bei deiner eigenen Choreografie mitzutanzen? 

Für mich war es natürlich von Vorteil, dass mir die Sachen, die ich choreografiert habe, sehr gut liegen. Viele Bewegungen waren aus meinem intu­itiven Gefühl entstanden. Ich war dann aber bei der Performance extrem konzentriert, weil ich wollte, dass das Publikum sieht, wie es eigentlich gedacht ist. Ich wollte jedenfalls nicht gerade meine eigene Choreografie verhunzen. 

Was hat dich an den Beiträgen der anderen Hoch­schulen besonders inspiriert? 

Am meisten haben mich die Beiträge bewegt, bei denen jemand ein Risiko eingegangen ist. Menschen, die abseits vom Standardrepertoire zeigen, was ihr Ding ist, das bewegt mich dann am meisten. Es ist im­mer ein Risiko, etwas Extremes zu machen, weil man dann vielleicht nur noch dafür wahrgenommen wird. 

Fällt dir ein konkretes Beispiel ein? 

Isabel Saris aus Wien. Ich mag sie unglaublich gern auf der Bühne, sie ist einfach ein riesiges Bühnen­talent und eine ganz tolle Sängerin. Da hat man das Gefühl, die hat so eine Kraft, die alle wegblasen könnte, aber gleichzeitig immer die Bereitschaft, sehr verletzlich zu sein auf der Bühne. 

Wer mir noch stark in Erinnerung geblieben ist, das ist beispielsweise Paul Aschenwald, auch aus Wien. Seine Nummer Sweet Transvestite aus der Rocky Horror Picture Show fand ich auch einfach beeindruckend. 

Stichwort Verletzlichkeit: In einem Bühnenberuf steht man unter konstanter Beobachtung und Bewertung. Ist das für dich ein Thema? 

Ja, das ist schwierig. Von uns wird immer verlangt, eine ganz dünne und gleichzeitig eine ganz dicke Haut zu haben. Im Idealfall eine große Feinfühligkeit, die Bereitschaft, sich zu öffnen und sensibel zu sein. Es wird aber auch erwartet, dass man in diesem Zustand sehr kritikfähig ist. 

In dieser Ausbildung oder in diesem Beruf sollte einem immer klar sein, dass die Menschen viel von sich geben, und damit sollte man sensibel umgehen. 

Wie war der Austausch mit den Studierenden der anderen Hochschulen beim MAP? 

Ich hätte mir noch mehr Austausch untereinander gewünscht. Während der Tage, an denen alle noch spielen müssen, sind einfach alle total angespannt. Es reisen ja auch viele Studierende aus anderen Jahrgängen an, um sich das MAP anzuschauen und es gibt auch ein Get together, bei dem man die Gelegenheit hat, alle ein bisschen kennenzulernen. Ich fände es aber noch besser, wenn man sich am Tag nach den Präsentationen treffen könnte, dann wären alle gelöster. 

Ihr hattet das MAP-Programm vorab in Osnabrück präsentiert, quasi vor heimischem Publikum, wie war das im Vergleich zu Berlin? 

Hier in Osnabrück ist das Publikum immer sehr dankbar. Für uns war es angenehm zu wissen, zuerst zeigen wir das Programm vor einem Publikum, das sich einfach darauf freut, uns auf der Bühne zu sehen. Dadurch haben wir hier so ein Spielgefühl bekommen und außerdem kennen wir hier den Raum. Ich finde es dadurch leichter, als wenn wir das Programm direkt in Berlin, auf einer ganz fremden Bühne hätten zeigen müssen. Die Bühne in Berlin ist toll, aber auch wirklich riesig, da musste ich quasi erst einmal neu laufen lernen. 

Was für einen Tipp hättest du für den nächsten Abschlussjahrgang, der sich beim MAP präsentie­ren wird? 

Im Vorfeld neigt man dazu, sich unnötig Druck zu machen. Sobald die Präsentation vorbei ist, wird einem klar: Das MAP ist kein Schlusspunkt, keine so große Sache, sondern einfach eine Veranstaltung mit der Chance auf neue Erfahrungen. Wirklich los geht es ja erst danach. 

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