Ziehen junge Musikerinnen und Musiker in Erwägung, ein künstlerisch-pädagogisches Studium der Instrumental-/Gesangspädagogik oder Elementaren Musikpädagogik aufzunehmen, richtet sich ihr Blick wahrscheinlich zunächst auf eine der 24 Musikhochschulen in Deutschland. Warum ein solches Studium an einer Universität jedoch keineswegs Plan B, sondern ein eigenständiges Zukunftsmodell ist, ergibt sich im Wandel gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklungen. Welche besonderen Potenziale das Studium an einer Volluniversität bietet, zeigt sich am Beispiel des Leopold Mozart College of Music der Universität Augsburg.
Foto: Universität Augsburg/Thomas Stoll
Zukunft statt Plan B
Studieren zwischen Kunst und Wissenschaft
Als Teil des Theaterquartiers befindet sich das Leopold Mozart College of Music im Stadtzentrum Augsburgs, beheimatet im aufwändig kernsanierten, imposanten historischen Gebäude der ehemaligen Hauptpost. Neben hervorragend ausgestatteten Unterrichts- und Überäumen sowie mehreren Kammermusiksälen ist der wunderschöne, akustisch brillante Konzertsaal Herzstück des LMC und Inspirationsquelle für das künstlerische Studium. Weitere anregende Spielstätten und künstlerische Erprobungsräume bieten Orte wie der „Goldene Saal“, das „Schaezlerpalais“, die „Barfüßerkirche“ und das „Textil- und Industriemuseum“.
Damit positioniert sich das LMC fest in der dicht vernetzten Augsburger Kulturszene, in der den Studierenden von Beginn an kreatives und selbstständiges Mitgestalten, Sich-Erproben und Entfalten in vielfältigen Projekten ermöglicht wird – als Musizierende ebenso wie als Lehrende in den zahlreichen Musikschulen und Musikvereinen Augsburgs und Bayerisch-Schwabens. Die Institutsgröße ermöglicht stets die individuelle künstlerische Förderung auf Augenhöhe, indem auch außergewöhnliche Workshops spezifisch für die Bedarfe der Studierenden vorgesehen werden können.
Als kooperative Stätte der Kultur und Wissenschaft folgt das LMC in Lehre und Forschung dem Geist der Reformuniversität Augsburg mit ihrem Leitgedanken „Scientia et Coscientia“. Entsprechend verbindet das LMC künstlerische und pädagogische Exzellenz mit wissenschaftlicher Reflexion, interdisziplinärem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung. Dabei ist klar: Ebenso wie jegliche Musikpädagogik sinn-und wertfrei ohne ihren künstlerischen Kern ist, hat künstlerisches Handeln stets seinen pädagogischen Kern und Ausgangspunkt. Aber noch vielmehr: Im offenen Dialog werden Erkenntnisprozesse in Kunst und Wissenschaft verhandelt und es wird gefragt, wie sich künstlerische Praxis und Wissenschaft gegenseitig inspirieren, erweitern und kritisch hinterfragen können. Die praxisorientierten Studienangebote verstehen sich daher als Ensemblespiel von Kunst, Pädagogik und Wissenschaft. Sie verbinden Lehre und Forschung sowie Aus- und Weiterbildung und bereiten Studierende auf die Anforderungen des sich zunehmend wandelnden Kultur- und Bildungssektors vor, mithin auf unbekannte, ungewisse Zukünfte.
Interdisziplinäre Lernräume
Die Universität weitet den Blick. Wer über den Tellerrand hinausschauen will, hat unzählige Möglichkeiten. Eingebunden in eine Volluniversität mit acht Fakultäten und knapp hundert Studiengängen wird das Studieren im LMC zum interdisziplinären Spielplatz. Studiengänge anderer Fächer sind nicht nur parallel studierbar, sondern wirken durch Kooperationen in Forschung und Lehre zugleich in die Studiengänge des LMC hinein und aus ihnen heraus.
Ein Beispiel: Was können die Allgemeine Didaktik, die Bildungsforschung, die Entwicklungspsychologie, die Pädagogische Psychologie, die Sportwissenschaft, die Neurowissenschaft, die Kulturwissenschaft und die Medizin für das Musizierenlehren und -lernen, mithin für die Fachdidaktik(en) leisten? – Fragen wie diese konnten Studierende im vergangenen Wintersemester mit Expertinnen und Experten gleich „inhouse“ diskutieren und daraus Ideen für individuelle Projekte im Rahmen einer interdisziplinären Lehr-Lernforschung entwickeln. Zur Arbeit an diesen Projekten steht ihnen neben der interdisziplinären Fachexpertise über die Universitätsbibliothek nicht nur ein umfangreicher Bestand musikbezogener Literatur zur Verfügung, sondern ebenso ein breites Angebot an Fachliteratur anderer Disziplinen in Print-und Onlineform. Ermöglicht wird dies durch eine zentrale Universitätsbibliothek mit mehreren Teilbibliotheken, den Zugang zu relevanten Datenbanken sowie den kostenfreien Zugriff auf Fachartikel aus internationalen Journals verschiedenster Disziplinen.
Weitere interdisziplinäre Einblicke eröffnen sich im Wahlbereich der Studiengänge sowie durch die Möglichkeit, geöffnete Vorlesungen anderer Fächer besuchen zu können. So können Studierende aus dem umfangreichen Lehrangebot der Universität auswählen, ihren individuellen Horizont erweitern, ein vielfältiges Profil entwickeln und neue Denk- und Berufsperspektiven erschließen.
Zusatzqualifikationen und Profilbildung
Die sich wandelnde und zunehmend komplexe berufliche Wirklichkeit von Absolvierenden künstlerisch-pädagogischer Studiengänge macht eine breite Ausbildung und die Entwicklung eines beruflichen Selbstverständnisses als lebenslang lernende Person erforderlich. Im Verlauf ihres Studiums entwickeln Studierende ein wachsendes Bewusstsein dafür. Sie suchen gezielt nach Zusatzqualifikationen, um durch individuelle Profilbildung ihren beruflichen Wirkungskreis zu erweitern und neue Tätigkeitsfelder zu erschließen.
Neben weiteren studierbaren Studiengängen der Universität Augsburg bietet der Career Service daher zahlreiche Angebote für Zusatzqualifikationen während des Studiums an, etwa Kurse zu Schlüsselqualifikationen oder einen BWL-Basiskurs. Es leuchtet ein, dass zum Beispiel Kompetenzen in betriebswirtschaftlicher Unternehmensführung und Rechnungswesen auch für Musiker:innen und Musiklehrende relevant sind. Noch umfangreichere Weiterbildungsmöglichkeiten sind am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) möglich.
Darüber hinaus stellt das Sprachenzentrum der Universität ein großes Angebot an kostenfrei belegbaren Sprachkursen bereit. Dazu gehören Deutsch als Fremdsprache ebenso wie etwa Kurse für Englisch, Arabisch, Japanisch, Schwedisch oder auch Italienisch, die sowohl der persönlichen Entwicklung als auch der beruflichen Profilbildung mit Blick auf einen internationalen Austausch und transkulturelles Arbeiten dienen können.
Campusleben und Gemeinschaft
Nicht zu unterschätzen ist das Campusleben: Auf dem grünen Campus der Universität Augsburg treffen täglich rund 18.000 Studierende und über 4.000 Beschäftigte aus acht Fakultäten zusammen. Sie begegnen sich in Cafés und in der Mensa, sitzen bei gutem Wetter am See, lernen gemeinsam in den Bibliotheken, gestalten und besuchen Konzerte von Unichor, Big Band und Orchester, erleben Kunstausstellungen und Aufführungen studentischer Theatergruppen, treiben Sport oder feiern gemeinsam Partys. So entstehen Begegnung, Austausch und eine lebendige Diskussionskultur weit über die Musik hinaus.
Als Teil des Universitätsensembles können LMC-Studierende vielfältige Angebote der Universität nutzen. Dazu zählen Kurse des Hochschulsports ebenso wie der kostenfreie Zugang zu Software über Netzwerklizenzen und die Beratung durch das IT-Servicezentrum. Des Weiteren stehen Wohnheimplätze, zahlreiche universitätsinterne und externe Stipendienprogramme sowie umfassende Beratungsangebote zur Studienfinanzierung, zum Auslandsstudium und in sozialen, rechtlichen und psychologischen Fragen zur Verfügung.
Fit für die Zukunft
Zukunftsfähig werden jene Ausbildungsinstitute und Absolvierenden sein, die gesellschaftliche Transformationen aktiv und offen mitgestalten – in der Kunst, in der Pädagogik, in der Wissenschaft. Klar ist: Dies gelingt nicht allein über Exzellenz einzelner Professuren, Personen und Fachbereiche, sondern nur durch interdisziplinäre Kooperation und gemeinsame Entwicklung.
In einem Ausbildungsinstitut wie dem LMC, das forschend und lehrend im Universitätsensemble vernetzt agiert, liegt daher zweifaches Potenzial. Erstens verfügen Absolvierende bestenfalls über umfassende und fachlich breit aufgestellte künstlerisch-pädagogische Kompetenzen, die sie in besonderer Weise für sich wandelnde Berufsfelder qualifizieren und zugleich befähigen, diese sowie gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzugestalten. Zweitens ist das Institut selbst durch seine Einbindung in die Universität Ort kontinuierlicher Weiterentwicklung im interdisziplinären Dialog und in gesellschaftlicher Verantwortung. Das kennzeichnet seine Zukunftsfähigkeit.
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