«Notenspur» quer durch Leipzig


13.06.08 -
Bis zum nächsten Jahr soll auf private Initiative ein Leitsystem aus geschwungenen Edelstahlbändern im Boden und beschrifteten Stelen eine sichtbare Verbindung zwischen den 23 Leipziger Musikorten herstellen. Die Initiatoren beantragen Welterbestatus für die Komponistenhäuser der Stadt.
13.06.2008 - Von nmz-red/leipzig, KIZ


Leipzig (ddp-lsc). Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) lebten in der Stadt, und Gustav Mahler (1860-1911) arbeitete an der Oper. Die Liste der Komponisten und Musiker, die in Leipzig wirkten, ließe sich schier endlos fortsetzen. Die sächsische Stadt war Jahrhunderte lang eines der Zentren für Produktion, Aufführung und Vertrieb von Musik.

Die noch erhaltenen Orte, an denen sich dieses reiche Leben abspielte, will die private Initiative «Notenspur» zusammenbringen. Werner Schneider und Rainer Manertz von der Initiative haben ein großes Ziel: «Wir wollen damit auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO.» Die historischen Gegebenheiten kommen ihrem Plan entgegen: Nur Wien hat mehr Komponistenhäuser als Leipzig. Im Gegensatz zur sächsischen Stadt lägen die aber dort bei weitem nicht so dicht beieinander, erläutern Schneider und Manertz die Besonderheit. Und in Berlin, einst ebenfalls ein bedeutender Ort der klassischen Musik, seien die meisten authentischen Orte im Krieg zerstört worden.

Nach jahrelangen Bemühungen haben Schneider und Manertz die Leipziger Stadtverwaltung von ihren Plänen überzeugen können. Als Musikstadt wirbt Leipzig zwar seit Jahren offensiv mit Bach, aber so viel private Initiative sei den Ämtern dann vielleicht doch suspekt gewesen, sagen die beiden. Inzwischen hat der Stadtrat seine Absicht erklärt, die «Notenspur» zu unterstützen.

Wenn es nach Schneider und Manertz geht, soll bis zum nächsten Jahr ein Leitsystem aus geschwungenen Edelstahlbändern im Boden und beschrifteten Stelen eine sichtbare Verbindung zwischen den 23 Musikorten herstellen. Dazu gehören das Wohnhaus von Mendelssohn Bartholdy, die Schule, in die Richard Wagner (1813-1883) ging und der Arbeitsplatz von Bach - die Thomaskirche. Schneider möchte den «Notenspur»-Läufern Audioguides mit auf den Weg geben, mit denen sie neben Musikbeispielen auch den Stadtklang vergangener Zeiten hören können: «Wie hat das eigentlich geklungen, wenn Mendelssohn Bartholdy vom Gewandhaus zu seinem Haus in der Goldschmidtstraße ging?»

Ein Rundgang auf der Route bringt dieser Tage nur ein Ergebnis: Straßengeräusche und Baustellenlärm überall. Nur im Treppenhaus des Mendelssohn-Bartholdy-Hauses ist es ruhig. «Über diese Stufen sind Clara und Robert Schumann, Wagner und Mendelssohns fünf Kinder gelaufen. Oben im Salon haben sie im kleinen Kreis ihre Werke uraufgeführt», beschwört Schneider die Aura des Authentischen.

Nicht alle Orte freilich sind erhalten. Krieg und Stadtumbau haben viele Spuren verschwinden lassen. Die Leerstellen einfach mit Plaketten zu markieren, hält Schneider für wenig sinnlich: «Wir brauchen Orte für die Leute.» Er möchte, dass eine «Notenspur»-Station im Museum der bildenden Künste entsteht. Denn dort thront eine imposante Beethoven-Skulptur von Max Klinger.

Trotz aller Bemühungen von Schneider und Manertz sind die Chancen, den UNESCO-Welterbetitel zu bekommen, nicht die besten. Deutschland gehört zu den fünf Ländern, die mehr als 20 Prozent aller weltweiten Erbestätten stellen. «Es gibt beim Welterbekomitee eine Strategie, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen», sagt Marie-Theres Albert. Sie leitet an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus den Studiengang World Heritage Studies. Die Erfolgsaussichten für alle neuen deutschen Initiativen schätzt sie zurückhaltend ein.

Die «Notenspur»-Macher haben Albert und deren Studenten dennoch dafür gewinnen können, im Rahmen einer Studienarbeit den kompletten Antrag vorzubereiten. Manertz stützt sich vor allem auf einen Passus in den UNESCO-Papieren. «Dort legt man Wert auf eine besondere Verbindung von Geist und Ort. Durch die vielen Komponisten, die hier waren, haben wir das», sagt er zuversichtlich.

Robert Schimke

Die private Leipziger Initiative «Notenspur» in sechs Daten
- Leipzig war zwischen dem 17. und dem beginnendem 20. Jahrhundert eine der führenden europäischen Musikstädte

- Richard Wagner (1813-1883) wurde in Leipzig geboren, Georg Philipp Telemann (1681-1767), Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Clara Schumann (1819-1896) und Robert Schumann (1810-1856), Gustav Mahler (1860-1911), Edvard Grieg (1843-1907), Max Reger (1873-1916), Albert Lortzing (1801-1851), Leos Janacek (1854-1928), Hanns Eisler (1898-1962), aber auch Ludwig van Beethoven (1770-1827), Johannes Brahms (1833-1897) und Anton Bruckner (1824-1896) waren der Stadt beruflich verbunden oder lebten hier

- heute noch erhalten sind unter anderem die Thomaskirche als Arbeitsort von Bach, die Schule von Wagner, die Wohnhäuser von Mendelssohn Bartholdy, Schumann und Grieg

- die private Initiative «Notenspur» will bis zum nächsten Jahr 23 Komponistenhäuser und Musikstätten zu einem Rundgang verbinden

- neben der touristischen Erschließung der Route möchte die Initiative die Gesamtheit und einzigartige Dichte von Musikorten auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes bringen

- die Route «Notenspur» soll von einem visuellen Leitsystem begleitet werden, geplant sind Edelstahlbänder im Boden und Stelen

http://www.notenspur-leipzig.de





































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