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09.06.02 -
Schulfilmwochen nun auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen +++ Bundesprüfstelle kann Videos und Musiktitel verbieten +++ Rainer Werner Fassbinder starb vor 20 Jahren +++ Bayerischer Jugendfilmpreis wird verliehen
09.06.2002 - Von nmz-red/leipzig, KIZ

Schulfilmwochen nun auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen
Köln (ddp). Nach dem Erfolg der NRW-Schulfilmwoche im vergangenen März soll es demnächst auch in anderen Bundesländern solche Schulfilmwochen geben. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind Veranstaltungsreihen vom 23. bis 28. September geplant. Sie werden von einem gemeinsamen Landesbüro in Weimar organisiert, wie das Institut für Kino und Filmkultur in Köln auf ddp-Anfrage mitteilte. Kurz vorher, vom 8. bis 13. September, soll eine Schulfilmwoche im Saarland stattfinden. Sie wird von der Landeszentrale für politische Bildung organisiert, sagte die Projektleiterin Ingeborg Havran von dem Kölner Institut.
An der Schulfilmwoche können im Saarland etwa 1000 Schulen und 25 Kinos teilnehmen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen zusammen über 2000 Schulen und ungefähr 50 Kinos in Frage. Weitere Schulfilmwochen sind für Ende November in Schleswig-Holstein und für Anfang Dezember in Sachsen geplant. Anfragen liegen nach Auskunft von Havran auch aus Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen vor.
Die erste deutsche Schulfilmwoche hatte vom 4. bis 8. März 2002 in 1243 Schulen Nordrhein-Westfalens stattgefunden. Nach Angaben des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater hatten rund 90 000 Schüler und Lehrer teilgenommen, 127 Kinos in 199 Städten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes waren an der Aktion beteiligt. Die Verleiher hatten dafür 37 Filme aus den Kategorien Literaturverfilmung, themenbezogene Filme, Filmklassiker und original-sprachliche Filme zur Verfügung gestellt. Die Aktion mit dem Titel «Film-Lektionen. Lernort Kino» zielt darauf, Film als Lehrstoff in den Schulen stärker hervorzuheben.
Infos im Internet: www.film-kultur.de)

Bundesprüfstelle kann Videos und Musiktitel verbieten
Berlin (ddp). Das Verbot oder der Boykott von Musiktiteln, Künstlern oder Bands in Radio und Fernsehen hat im wesentlichen die gleichen Gründe: Es geht zumeist um pornographische, gewaltverherrlichende oder volksverhetzende beziehungsweise rassistische Inhalte. Von Fall zu Fall ist das Material entweder von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Index gesetzt worden - dann darf es rechtsverbindlich in der Öffentlichkeit nicht mehr verbreitet werden. Im Fall des Sängers R. Kelly dagegen haben sich bisher einzelne Radio- und Fernsehstationen zu einem Boykott entschlossen, um damit ihre Ablehnung gegenüber den aus seinem Privatleben bekannt gewordenen Kinderpornographie-Vorwürfen zu unterstreichen.
Zu der Frage, durch welche Medieninhalte Kinder und Jugendliche gefährdet werden können, führt Paragraph 1 des Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften aus: «Schriften, die geeignet sind, Kinder oder Jugendliche sittlich zu gefährden, sind in eine Liste aufzunehmen. Dazu zählen vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende sowie den Krieg verherrlichende Schriften».
Populäre Beispiele für einen Boykott durch Institutionen und Öffentlichkeit ist die Metal-Band «Böhse Onkelz» gewesen, deren Album «Der nette Mann» 1986 von der Bundesprüfstelle auf den Index gesetzt wurde. Die Band selber sah sich wegen ihrer als gewaltverherrlichend und rechtslastig empfundenen Texte jahrelang einem Boykott der Medien ausgesetzt. Ironie dabei: die Gruppe hatte 1982 als Oi-Band mit Beiträgen auf einem Anarcho-Punksampler zum ersten Mal von sich reden gemacht.
Die Band «Die Ärzte» hingegen machte sich 1987 unbeliebt, weil sie bewusst mit sexuellen Tabus wie Inzest («Geschwisterliebe») oder Sodomie («Claudia hat 'nen Schäferhund») provozierte. Die Platten mit diesen Titeln sind bis heute nicht mehr öffentlich im Handel erhältlich. Für einen weiteren Skandal sorgte die Band am 12. Oktober 1987 in der TV-Sendung «Live aus dem Alabama» in München, bei der sich die Ärzte über den Tod des wenige Tage zuvor verstorbenen Ministerpräsidenten von Schleswig- Holstein, Uwe Barschel, ausließen. Nach Zuschauerprotesten muss sich der Bayerische Rundfunk in aller Form entschuldigen und verhängt ein Ärzte-Boykott.
Der österreichische Sänger Falco brachte sich 1986 mit seinem Song «Jeanny» erfolgreich ins Gerede. Während Falco vorgehalten wurde, in dem Song und dem dazugehörenden Video die Vergewaltigung und Ermordung eines Mädchens durch eine Zufallsbekanntschaft verherrlicht zu haben, behauptete er genau das Gegenteil. Die Bundesprüfstelle kam zu dem Schluss, dass die Interpretationsmöglichkeiten des Stücks so vielfältig seien, dass eine Jugendgefährdung nicht wahrscheinlich sei.
Jüngstes Beispiel für Medien-Skandale ist der Rapper Eminem, der sich besonders mit seinem Stück «Kill You» in Misskredit gebracht hat. In dem Song rappt Eminem darüber, dass er sich danach fühlt, seine Mutter und seine Frau umzubringen. Während solche Texte in der Öffentlichkeit zu Abscheu und Empörung führen, fühlen sich viele jüngere von den extremen Gewaltphantasien Eminems auch angezogen, weil sie darin radikal Position gegenüber der Erwachsenenwelt beziehen können.
Peter Leveringhaus

Rainer Werner Fassbinder starb vor 20 Jahren
München (ddp). Vielleicht wird vom Vermächtnis des Filmemachers Rainer Werner Fassbinder am Ende nur sein Skandalstück «Der Müll, die Stadt und der Tod» bleiben. Die Hauptfigur des «reichen Juden» dürfte immer wieder mal für einen Antisemitismus-Streit gut sein. Sein ausuferndes filmisches Werk dagegen ist heute, 20 Jahre nach Fassbinders Tod in München, bereits fremd geworden. Zu seinem Todestag am Montag wird es wieder einige Retrospektiven geben, und den Goethe-Instituten liefern die Filme wichtiges Anschauungsmaterial. Aber es gibt keine Fassbinder-Schule. Seine Filme wirken nicht mehr fort. Auch wenn RWF einst praktisch allein den Neuen Deutschen Film repräsentierte, könnte man sich den schwierigen, eigensinnigen, arbeitswütigen Künstler in der heutigen deutschen Kinolandschaft kaum mehr vorstellen. Erst drei Jahre nach dem Manifest von Oberhausen, in dem sich junge Regisseure vom Kino der Nachkriegszeit losgesagt hatten, drehte Fassbinder 1965 seinen ersten Kurzfilm. Mit seinem zweiten Spielfilm «Katzelmacher» wurde er 1969 schlagartig bekannt. Rastlos drehte er danach einen Film nach dem anderen, wobei er eine Gruppe von Schauspielern und Technikern wie eine Ersatzfamilie um sich scharte. Der legendäre Fassbinder-Clan, dessen Mitglieder er nach Belieben förderte oder zurückstieß, wurde ihm zur Versuchsanordnung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit menschlicher Liebesbeziehungen. Seine Erfahrungen setzte er kaum verschlüsselt, distanzlos und schonungslos ehrlich in Filme um.
In den 70er Jahren wurden erstmals die Deformationen der deutschen Nachkriegsgesellschaft thematisiert. Fassbinders Beziehungsdramen passten in die Zeit. Dass er keiner Ideologie folgte und Menschen in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigte, trug ihm allerdings auch viel Kritik ein. Aber er zog die Aufmerksamkeit Aller auf sich. Seinen Schaffensrausch und die im Sog seiner Arbeit aufgewirbelten Skandale vermochte niemand in der Filmszene zu ignorieren. RWF konnte sich nicht gut artikulieren und seine Stoffe in Interviews nur mühsam erklären. Aber er konnte Reaktionen auf einen Film gleich mit dem nächsten antworten. 32 Kino- und zahlreiche Fernsehfilme sind es in 14 Jahren geworden.
Anfangs drehte Fassbinder nahezu ohne Geld. Aber in den 70er Jahren konnte man auch für ungewöhnliche Filmprojekte relativ leicht Fördermittel auftreiben, und Fassbinder war ein Meister darin. Zur Not ließ er sich auch mit Produzenten von «Papas Kino» ein wie Luggi Waldleitner, mit dem er 1980 «Lili Marleen» machte, oder Horst Wendlandt, der ein Jahr später «Lola» finanzierte. Oder er wich auf Aufträge von TV-Anstalten aus, was unter den progressiven Filmemachern damals noch verpönt war. 1979 und 80 drehte er für den WDR sein nach eigener Ansicht wichtigstes Werk, «Berlin Alexanderplatz» nach dem Roman von Döblin, das in 14 Teilen gesendet wurde.
Diese schier unglaubliche Produktivität war nur durch ein rücksichtsloses Arbeitspensum möglich. Er putschte sich mit Kokain auf und konnte sich nur mit starken Schlafmitteln wieder zur Ruhe bringen. Er war wie eine Kerze, die an beiden Enden angezündet worden war, wie Filmexperten schrieben. Mit 37 Jahren holte ihn der Tod mitten in der Arbeit ein. Er hatte versucht, seinen letzten Film, «Querelle», noch rechtzeitig vor den Filmfestspielen von Cannes fertig zu bekommen. Seine letzte Lebensgefährtin Juliane Lorenz und der Regisseur Wolf Gremm fanden ihn am Morgen des 10. Juni 1982 tot auf seiner Matratze. 1983 verweigerte Bundesinnenminister Fritz Zimmermann (CSU) dem Filmemacher Herbert Achternbusch die letzte Rate der Fördergelder für seinen Film «Das Gespenst» und kündigte eine neue Förderpolitik an. 1985 landete Doris Dörrie mit ihrem Streifen «Männer» einen Überraschungserfolg und löste eine bis heute anhaltende Komödienwelle aus. Regisseure wie Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich arbeiten inzwischen in Hollywood und im Stil von
Hollywood. Fassbinder wäre jetzt 57 Jahre alt - sein Werk ist inzwischen anachronistisch.
Andreas Alt

Bayerischer Jugendfilmpreis wird verliehen
Straubing (ddp-bay). Bayerns Nachwuchsschauspieler und Jungregisseure werden am Sonntag mit dem Bayerischen Jugendfilmpreis geehrt. Kultusstaatssekretär Karl Freller (CSU) überreicht die Preise (15.30Uhr) beim siebten Bayerischen Jugendfilmfest «JuFinale 2002» im Straubinger Citydom, wie das Kultusministerium am Freitag ankündigte. Ausgezeichnet werden mit dem Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten die beste schauspielerische Leistung, die beste Kamera und das beste Drehbuch. Zum Thema «Willkommen in der Fremde» vergibt das Kultusministerium zusätzlich einen Sonderpreis.
Alle Beiträge wurden von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren produziert. Aus mehr als 400 eingereichten Filmen qualifizierten sich auf Bezirksebene 49 Produktionen für das Finale in Straubing. Auf die zehn Besten unter ihnen warten die begehrten, mit jeweils 500 Euro dotierten Auszeichnungen. Eine fünfköpfige Fachjury unter der künstlerischen Patenschaft von Regisseurin Caroline Link (Nirgendwo in Afrika) wählt die Preisträger aus.
Neben insgesamt zehn Preisen, darunter unter anderem ein Publikumspreis, ein Preis der Stadt Straubing sowie ein Preis des Bayerischen Jugendrings, gibt es beim dreitägigen Festival am Wochenende für junge Cineasten im Straubinger Citydom ein «Talkstudio» mit Gesprächen und Hintergründen zu den Filmen sowie Werkstattgespräche, Filmworkshops und mehr als elf Stunden Kinounterhaltung.



























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