Der NDR kneift feige - das GANZE WERK wächst weiter


09.06.06 -
(nmz) Die Initiative Das GANZE Werk lud am 8. Juni zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema »Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks« in die Freie Akademie der Künste Hamburg ein. Barbara Mirow, Programmbereichsleiterin NDR Kultur und Michael Plöger, Leiter des Bereichs Zentrale Programmaufgaben der Programmdirektion Hörfunk des NDR hatten ihre Teilnahme ursprünglich zugesagt. Beide kniffen - die Veranstalter erfuhren erst am Nachmittag durch Journalisten der taz-nord, dass der NDR definitiv nicht erscheinen werde:
09.06.2006 - Von Webwatch, KIZ

Sie fühle sich durch das Verhalten des NDR an ihre Erfahrungen mit totalitären Regimen erinnert - so kommentierte die Komponistin und Verlegerin Juliane Klein das öffentlich-rechtliche Funkloch unter dem Beifall von über 200 Zuhörern. Auf den Stil des menschlichen Umganges seitens des NDR wolle sie, die extra aus Berlin angereist sei und sich auf einen offenen Dialog gefreut hätte - lieber nicht eingehen.
Auch der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart R. Baum (F.D.P.) kritisierte das Fernbleiben der NDR-Vertreter scharf. Ganz abgesehen von der Vernachlässigung einer Chronisten- und Berichts-Pflicht der öffentlich-rechtlichen Sender dokumentiere die NDR-Absenz wahrscheinlich eine traurige Mischung aus Arroganz, Feigheit und mit Ratlosigkeit verbundener Inkompetenz. Ein Sender, der den Dialog mit seinen engagierten Hörern verweigere, sei den Empfang der Rundfunkgebühren nicht wert. Baum verwies auf ein das deutsche öffentlich-rechtliche System dramatisch bedrohendes Fragenpaket der EU-Wettbewerbs-Kommission. Vor allem der grundgesetzlich verankerte Kultur-Auftrag legitimiere den Gebühren-Empfang - und gerade der werde zunehmend venachlässigt.
Der Autor und langjährige NDR-Moderator (“Große Stimmen”) Jürgen Kesting beklagte die Eliminierung von Sachkompetenz im Sender. Statt kompetenten Persönlichkeiten würden - auch ohne Ausschreibung - externe Beratungsfirmen für teures Geld engagiert, die dann - selbst weitgehend frei von jeglicher Kultur-Kompetenz - mit rein quantitativ gesteuertem Blick in die Programmgestaltung eingriffen, primitiv modisch stylend.
Ludolf Baucke, Musikjournalist, präsentierte eine reiche Sammlung an Programm-Vorschlägen: Kontinuierliche Kooperation mit Musikschulen und Musik-Hochschulen als Motivations-Träger für den musikalischen Nachwuchs, angemessene Präsentation der reichen regionalen Laienmusik-Szene, des Chorwesens und der Kirchenmusik. Und: Sachverständig präsentierte Darbietung der sendereigenen Klangkörper. Bislang alles defizitäre Bereiche im NDR-Kulturprogramm.
Der Sprecher des “GANZEN WERKES Theodor Clostermann konnte mit Zahlen belegen, dass durch die modische Programm-Formatierung NDR-Kultur weitere Zuhörerkreise verloren gingen.
nmz-media ( http://media.nmz.de ) hat die Veranstaltung auf Video mitgeschnitten und wird in ca. 14 Tagen eine Dokumentation der Statements ins Netz stellen - insgesamt ein kompetentes Thesen-Material zu den Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aktuelle Informationen finden sich regelmäßig auf der Web-Site http://www.dasganzewerk.de




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