Duo Wieler und Morabito zeigt gefeierten «Don Pasquale» in Stuttgart


26.03.18 -
Stuttgart - Mit einer neuen Inszenierung des italienischen Opernklassikers «Don Pasquale» hat das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Staatsoper Stuttgart helle Freude ausgelöst. Die vorletzte Premiere seiner Abschiedsspielzeit als Intendant verlegt Wieler in die moderne Gesellschaft, in der Beziehungskisten auch mal über Handybotschaften ausgetragen werden.
26.03.2018 - Von dpa, KIZ

Den 66-jährigen Wieler interessiert besonders die Tragik der Geschichte des begüterten alten Mannes Don Pasquale, der auf eine bitterböse Intrige und auf eine deutlich jüngere Frau hereinfällt. In der Titelrolle überzeugt der Italiener Enzo Capuano (Bass).

An diesem oberflächlich lustigen Verwirrspiel will Wieler kratzen. Es geht darum, dass der kinderlose Don Pasquale seinen Neffen Ernesto enterben will, weil er Norina (Ana Durlovski) heiraten möchte - eine andere als die für ihn ausgewählte Frau. Als Ernesto überrascht am insgesamt mit Begeisterung gefeierten Premierenabend am Sonntag der rumänische Tenor Ioan Hotea, eine Stimme voller Optimismus.

Als Star des Stuttgarter Ensembles sorgt Ana Durlovski in ihrer zweiten Rolle des Abends als fluffig-rosige Rüschenbraut Sofrina, die sich Don Pasquale als Jungfrau aus einem Kloster andient, teils für so manchen Lachkrampf im Publikum. Die Sängerin aus Mazedonien bringt nicht nur in diesen urkomischen Momenten darstellerische Höchstleistung. Mit ihrer lebenslustigen Sopranstimme gestaltet sie anscheinend mühelos verschiedene Frauenbilder.

Die Handlung der musikalisch eingängigen Oper von Gaetano Donizetti (1797-1848) läuft auf einer fein designten Bühne ab mit einem Rondell rotierender grauer Wände und Gitter, die an ein emotionales Gefängnis erinnern. Wie sehr Don Pasquale in der eigenen Erinnerung gefangen ist, zeigt auch ein Kunstgriff am Anfang. Zur Ouvertüre zeigt ein Animationsfilm, dass Don Pasquale in jungen Jahren selbst ein Schicksal wie Ernesto ereilte: Er verzichtete damals auf die Liebe.

Verabschieden will sich Wieler als Intendant dann im Sommer. Am 1. Juli kommt die Oper «Erdbeben.Träume.» des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa auf die Bühne. Die Uraufführung nach Heinrich von Kleists Novelle «Das Erdbeben in Chili aus dem Jahr 1807» inszeniert er ebenfalls mit Morabito.

 

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