Keine Sahne, keine Sendereihe: ZDF-Konzerte ziehen von Dessau nach Weimar


10.07.19 -
Weimar/Dessau-Roßlau - Zehn Jahre lang sendete das ZDF mit einer Konzertreihe vom Bauhaus Dessau - ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr der berühmten Kunstschule zieht das Format zum Bauhaus nach Thüringen um. Absurd: Verließ doch das Bauhaus im Jahr 1925 unter finanziellem und politischen Druck die Stadt Weimar und siedelte nach Dessau um! Hat das Auftreten der Dessauer vor einem Konzert von Feine Sahne Fischfilet damit zu tun?
10.07.2019 - Von dpa, KIZ

Das Konzert von Feine Sahne Fischfilet wollten sie in Dessau-Roßlau nicht ausrichten, weitere Abende für eine ZDF-Reihe werden sie auch nicht mehr ausrichten: Gut neun Monate nach den Querelen um einen Auftritt der Punkband Feine Sahne Fischfilet ist das Bauhaus in Dessau nicht mehr die Kulisse der Konzertreihe «ZDF@Bauhaus».

Stattdessen kommt das Format künftig aus Weimar. Die ersten Folgen werden dort am Donnerstag bei einem Open-Air-Konzert an der Bauhaus-Uni aufgezeichnet, teilte das ZDF am Dienstag mit. Zu Gast ist die österreichische Rockband Wanda sowie der Sänger Nico Santos.

In Sachsen-Anhalt wurde die Nachricht mit Bestürzung und neuer Kritik an der alten Entscheidung der Dessauer Bauhaus-Stiftung aufgenommen. Die Verantwortlichen selbst sprachen mit Blick auf den Wegzug von einer «neuen Chance für beide Seiten».

Die Stiftung hatte vorigen Oktober ein Konzert der linken Band Feine Sahne Fischfilet abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen zum Protest gegen den Auftritt aufgerufen hatten. Das sorgte bundesweit für Diskussionen und Kritik, auch weil die Magdeburger Staatskanzlei um Kulturminister Rainer Robra (CDU) die Absage vehement verteidigte. Die Band trat wenig später trotzdem in der Stadt auf, samt ZDF-Aufzeichnung - allerdings im Brauhaus.

Seitdem war es ruhig um das Format, jetzt beginnt die neue Staffel laut ZDF dort, wo Walter Gropius vor einem Jahrhundert das Staatliche Bauhaus gründete. Laut ZDF hat der Umzug mit dem 100. Jubiläum der Kunstschule zu tun - nicht jedoch mit den Querelen um den abgesagten Punkband-Auftritt in ihrer Reihe. Zuvor hatte die «Mitteldeutsche Zeitung» (Dienstag) über den Umzug berichtet.

Die bisherigen Kulissen-Geber in Sachsen-Anhalt zeigten sich wenig wehmütig. Die Konzertreihe habe sich in Dessau zu einem sehr erfolgreichen Format entwickelt, teilte die Stiftungsleitung mit. «Nach zehn Jahren sind Veränderungen und Neuausrichtungen jedoch nicht unüblich - und eine Chance für alle Seiten».

Einen langfristigen Imageschaden für den Veranstaltungsort Bauhaus Dessau wollen die Verantwortlichen trotz der ZDF-Entscheidung nicht erkennen. Künftig wolle man sich mit der Offenen Bühne im Bauhaus-Museum auf experimentelle Formate mit Studierenden und internationalen Partnern fokussieren, hieß es. «Als zweiten wichtigen Strang wollen wir insbesondere mit Vereinen, Initiativen und Kunstschaffenden aus der Region zusammenarbeiten.»

Sachsen-Anhalts Linken-Chef Stefan Gebhardt nannte den Umzug der Konzertreihe von Dessau nach Weimar ausgerechnet im Jubiläumsjahr «einen Super-Gau». Gleichzeitig gratulierte seinem Parteikollegen in Thüringen, Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff. «Alles seinerzeit richtig gemacht und ein Erfolgformat nach Weimar geholt», twitterte er. Und Sachsen-Anhalts FDP-Vizechefin Lydia Hüskens ergänzte: «Die Intervention der Staatskanzlei hat hier nachhaltig Schaden für die Stadt Dessau hinterlassen, denn die Konzerte waren zweifellos eine bundesweite Werbung für das Bauhaus und die Stadt.»

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