Im März dieses Jahres wäre Hans-Joachim Hespos 84 Jahre alt geworden. Das ist kein runder Geburtstag – derlei zu feiern, das wäre ihm sicherlich nichts: rund, das kann ja jeder.
Gordon Kampe. Foto: privat
Hespos – fehlt
Fast vier Jahre ist er nun schon nicht mehr hier. Vermutlich blitzSCHNITZT er gerade an Donnerharfen und lässt eine schwitzende Schar Engelein Krachlatten von Wolke a nach Wolke b tragen, die dafür immerhin mit einem verschmitzten Lächeln und einem ordentlichen Honorar (cash) ausbezahlt werden.
Ich erwische mich manchmal, dass ich mich frage: „Was würde Hespos jetzt machen?“ – und ganz betrübt werde, weil ich dann merke: er fehlt. Er fehlt in meinen Partituren. Wo ist die Hoch-As-Klarinette, die kreischt und pfeift wie Bolle...
Ich habe sie gar nicht erst angefragt, wissend, dass die Aushilfe zu teuer wäre...
Er fehlt überall da, wo sich Routine breitmacht, wo die Pose herrscht, wo es nicht ums Ganze geht. Hespos konnte wahnsinnig nerven. In diesen Zeiten, wo die Kämpfe um Slots, um Aufmerksamkeit, um Geld härter werden und man förmlich aufgerieben zu werden droht...
Da wünschte ich mir einen Hespos im Programm. TAFF, che – Seiltanz: programmiert die großen Dinger! Wer einmal den irren Abgesang (es geht ums Klima, by the way...) von TAFF gehört hat, nachdem das Orchester mehrere Minuten immer denselben Rhythmus im Tutti gespielt hat – der kann es sich hernach schwer mit einem lauwarmen Drink gemütlich machen. Seine Musik steht noch immer quer, liegt im Weg, macht sich dort breit, wo niemand Platz eingeplant hat.
Hespos ist unpraktisch für eine Welt, die gern einordnet und eintütet. Ich denke, seine Zeit ist jetzt langsam da.
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