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„Klassikexperte“ Thomas Gottschalk setzte sich und die Musik in Szene.  Foto: Opus Klassik

„Klassikexperte“ Thomas Gottschalk setzte sich und die Musik in Szene.

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Klassik für Alles?!

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Cluster von Mathis Ubben
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Das Kind soll in das Orchester, damit es lernt, mit anderen zusammenzuarbeiten und mit seiner kleinen Partie etwas Verantwortung für das große Ganze mitzutragen. Zur Musikschule ging es ursprünglich, um zu lernen, etwas konsequent zu verfolgen – für ein begeisterndes Projekt einen langen Atem zu entwickeln. Und natürlich ist Klassik aktuell und gesellschaftsrelevant – was würde besser funktionieren, als mit einem überlangen Konzert mit Mendelssohns „Hebriden“, Debussys „La Mer“ und Williams‘ „A Sea Symphony“ auf das Steigen des Meeresspiegels hinzuweisen? Immer wieder komme ich zu dem Punkt, dass „die Klassik“ ein Marketing-Problem hat. Bei den Ansätzen, die irgendwelche (teils krude an den Haaren herbeigezogenen) positiven Nebenwirkungen in den Mittelpunkt stellen, frage ich mich, ob sie das Akzeptanzproblem nicht tendenziell schlimmer machen. Schließlich sind Kompositionen oft Kunstwerke, die auf eine Anwendung zugeschnitten sind: das Divertimento zur Zerstreuung, die Tanzmusik zum salonfähigen Tindern und zur Unterhaltung, die Sinfonie zum puren, ausgedehnten Hörgenuss. Mit anderen Aufgaben betraut, wirken sie schnell überfordert.

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Natürlich gibt es funktionierende Zweitverwertungsmöglichkeiten – es spricht etwa nichts gegen aspektkuratierte Programme und neu gedachte Rahmen: Was aber, wenn aus einem erlittenen Legitimationsdruck und einer für dessen Auflösung ungeeigneten Kunstform kulturklitternde Kauderwelsch-Konzerte kommen. Niemand muss beweisen, dass Mozart die Transformationen des 21. Jahrhunderts transportiert! Er tut es nicht. Er hat sie einfach ignoriert. Die Musik ist alt und schön – und das in einem modernen Konzertsaal genau wie in einer Höhle.

Man könnte den Eindruck gewinnen, die rein ästhetischen Qualitäten der Musik seien nicht genug, die Klassik müsse mit Stützrädern aus Legitimationen radeln. Und angenommen dieser Eindruck würde gewonnen oder gar gewinnen – was bedeutete denn dann dieses Dünken?

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