Vor einem Monat stand an dieser Stelle ein Cluster, in dem ankündigt wurde, dass der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien den Deutschen Musikrat auflösen wolle. Zu radikal, zu extrem sei, was der Deutsche Musikrat auf Kosten des Staates fördere. Verfassungsschutz sei eingeschaltet! – Das war natürlich (noch) nicht wahr. Natürlich stimmt es nicht, dass der Deutsche Musikrat oder seine Projekte radikal oder extremistisch sind. Im Gegenteil, der Verband laviert sich auf den mageren Wellen der Kultur mit Fragen zu Demokratie und anderem Gedöns durch die Kulturwelt, immer auf der Suche nach einem smarten kulturpolitischen Kurs ohne Kanten und Ecken, staatstragend.
Martin Hufner.
Weimer wirkt
Erstaunlich waren aber Reaktionen an Redaktion und in sozialen Medien, denen man entnehmen musste, dass man ein solches Vorgehen des Wolfram Weimer für möglich hielt. Das heißt im Umkehrschluss, man traut es dieser wichtigen Person im Zentrum der bundesdeutschen Kultur- und Medienpolitik tatsächlich zu, so zu agieren. Das ist bedenklich. Weimer wirkt. Weimer verunsichert. Weimer macht Angst.
Das zeigt einen möglichweise irreversiblen Bruch zwischen den Kulturakteuren und ihrer Repräsentanz in der Regierung. Wer Jurybesetzungen anfragt, wer unabhängige Juryentscheidungen angreift, wer Preisträger:innen unter den Generalverdacht „mutmaßlicher“ Verfassungsfeindlichkeit stellt, der kann kein politischer Partner für Kultur und Medien sein.
Wer zudem die Kultur des Hinhalte-Aussitzens pflegt, wie Weimer beispielsweise in der Frage der Nachfolge des Kulturpasses für 18-Jährige, der ist an seinem Platz falsch und spielt ein falsches Spiel. Doch das ist offenbar gewollt, wie die Rückdeckung von Kanzler Merz und der kulturpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion bestätigen. Vielleicht sollte sich der Deutsche Musikrat doch noch ein bisschen radikalisieren.
Uns von der nmz kann er allerdings nicht ins Handwerk pfuschen, weil wir nicht an der Staatsknete hängen, sondern nur an unseren treuen und zukünftigen Leser:innen und an einer Wirtschaft, die diese unabhängige journalistische Arbeit durch Werbeausgaben unterstützt, die auf diese Leser:innen trifft.
- Share by mail
Share on