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Karikatur: Fabian Blum

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Zur GEMA-Reform 2026

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Nachschlag 2026/06
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Der Kommentar bei BR-Klassik am nächsten Tag brachte es auf den Punkt: Es geht um Begriffe. Was ist, was war E- und U-Musik? Was heißt Wertung? Was heißt Förderung? Was heißt Inkasso?

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Zur Info

Zur allgemeinen Information: Im zweiten Anlauf hat die GEMA-Spitze (Aufsichtsrat und Vorstand) einen fundamentalen Systemwechsel vollzogen, der die sogenannte E-Musik deutlich schlechter stellt und ihre Minderheitenrechte de facto beschneidet. Dieser Wechsel deutete sich 2024 an, wurde 2025 als konkreter Antrag überfallartig angekündigt und scheiterte an einer lebendigen Graswurzelbewegung. 2026 war er allzu perfekt vorbereitet und wurde in der Generalversammlung generalstabsmäßig durchgezogen.

Es gibt gute Gründe für sie, aber auch vorgetäuschte und geheuchelte – in politischen Prozessen nicht unüblich. Zunächst können alle Mitglieder dankbar sein, dass die GEMA hocheffizient funktioniert und für sie weltweit Rechte erkämpft. Insofern profitiert auch die deutsche Musikkultur. Zugleich ist zu erkennen, welche Schieflagen jetzt drohen. Dabei geht es um Demokratie, genauer: um Minderheitenschutz. Die sogenannte E-Musik (E = ernst) ist nun finanziell so eingeschränkt, dass es nur noch wenigen jungen Komponisten vergönnt sein wird, ordentliches und damit stimmberechtigtes Mitglied zu werden. Wenn es so bleibt, werden in 20 Jahren kaum noch E-Komponisten mitbestimmen. Und das ist dann die kulturelle Blamage für die Musiknation Deutschland. Jetzt schon sitzt im Aufsichtsrat ein E-Komponist nur stellvertretend; das Gegenteil des Selbstverständlichen ist selbstverständlich geworden. Bei den stolz eingeblendeten Videos mit jungen Neumitgliedern kein Kunstmusikvertreter: Das ist die – offenbar gewollte – Zukunft.

Kunstmusik

Zu den Begriffen: E-Musik ist genauso veraltet und irreführend wie „neue Musik“. Ich sprach in meinen Schriften immer von Kunstmusik und zugleich davon, dass ein Kunstanspruch von allen erhoben werden kann, aber auch von allen verteidigt werden muss. Nicht jeder betreibt Kunst, nicht jede Musik ist Kunst.

Und siehe da: Die GEMA spricht plötzlich von „zeitgenössischer Kunstmusik“. So heißt nun „E“, oder englisch: „Contemporary Classical Live“. Ich traute meinen Augen auf der Versammlung nicht, lobte am Mikrophon die Spitze und forderte sie zugleich auf, gründlichst darüber nachzudenken, was das heißt. Denn wenn es Kunstmusik gibt, gibt es auch Nichtkunst-Musik. Und diese Debatte möchten wir sehen. Klassik ist natürlich auch ein schönes Prädikat. Das heißt nämlich, dass wir Kunstkomponisten – juhu – in einer Reihe von Hildegard von Bingen über Beethoven bis Wolfgang Rihm stehen.

Sogar die angereiste Justizministerin sprach vom großen Thema KI, die den Markt durchrütteln wird. Jedoch war vielen im Saal nicht klar, dass die Kunstmusik von der KI nicht betroffen ist, da sie nicht kopierbar ist; sie ist genuin kreativ und individuell. Dass Suno AI Stücke von Mark Andre oder Rebecca Saunders ausspuckt, ist unvorstellbar. Aber sie produziert am laufenden Band Pop und Ähnliches. Und das ist Konkurrenz genau für diese Genres.

Die GEMA-Spitze hat Vielfalt und breite Förderung versprochen. Ich bin skeptisch und warte ab. Der Lackmustest wird sein, ob die zeitgenössische Kunstmusik ausreichend in den Kurien und Leitungsgremien vertreten sein wird. Denn sonst drohen ungarische Orbán-Verhältnisse: Alles ist demokratisch zustande gekommen, aber faktisch ohne Opposition. Dann ist die GEMA nicht mehr Teil des Kultursystems, um mit Luhmann zu sprechen, sondern ein reines Wirtschaftsunternehmen. Darüber werden nun hohe Gerichte, die Politik, die kritische Öffentlichkeit und der kulturelle Diskurs wachen.

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Karikatur: Fabian Blum

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Manche unter den E-Leuten sprachen von sich als den „letzten Dinosauriern“. Wie falsch. Die sind ausgestorben und hinterließen nur Skelette. Doch die „Klassik“ lebt seit Jahrhunderten, wir genießen 1000 Jahre Kunstmusik. Und die sehr guten Werke von heute werden die nächsten Jahrhunderte überdauern, auch wenn sie jetzt finanziell marginal sind und deswegen von der GEMA-Spitze geringgeschätzt werden.

Immer wieder wird uns E-Leuten Arroganz vorgehalten, auch von BR Klassik. Aber stimmt das? Wie viel Prozent von uns hören in der Freizeit „U“ (Unterhaltungsmusik), also Pop und Jazz? 30, 40, 50 Prozent? Aber wie viel Prozent der U-Leute hören in ihrer Freizeit „Contemporary Classical“, etwa Helmut Lachenmann, der, da persönlich angereist, als Legende wohlfeil hochgelobt wurde? Promillebeträge?

BR-Klassik sprach auch den Punkt an, dass der zeitgenössischen Klassik das Narrativ abhanden gekommen sei. Ja, wir können der Gesellschaft nicht wirklich erklären, was wir tun und wie es sich zur allgemeinen Kultur verhält. Mein neues Buch („Die Stimme der Musik“) handelt auch davon. Daran muss gearbeitet werden, und zwar von allen, denen die Kontinuität der Kunstmusik seit dem Mittelalter am Herzen liegt.

  • Claus-Steffen Mahnkopf
    Der Autor ist ordentliches Mitglied der GEMA und zeitgenössischer Kunstmusikkomponist.
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