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Mathias Schlung (Otto, Susis Hund), Barry Coleman (Herr Pichler), Tania Lorenzo (Susi). Foto: © Klaus Gigga
Mathias Schlung (Otto, Susis Hund), Barry Coleman (Herr Pichler), Tania Lorenzo (Susi). Foto: © Klaus Gigga
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Stimmen darf man nicht stehlen! – „Das Geheimnis der gestohlenen Stimmen“ in Dresden

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Dresdens Semperoper – einst gab sie mit Opernuraufführungen in Deutschland den Ton an – hat eine kleine Bühne für Experimente. Semper Zwei heißt diese Stätte, auf der „Das Rätsel der gestohlenen Stimmen“ gestellt (und gelöst) worden ist.

Zehnjährige werden im Musiktheater meist aus dem Kinderchor besetzt. Das hört man dann auch. Oder aber gestandene Ensemblemitglieder singen diese Partien und müssen dafür sehr aufwändig geschminkt werden. Das sieht man dann aber trotzdem.

Wer nun aber eine Oper herauszubringen hat, deren Hauptpartie ein zehnjähriges Mädchen darstellen soll, dann ist es ein absoluter Glücksfall, über ein Junges Ensemble mit einer Sänger-Darstellerin wie der Spanierin Tania Lorenzo am Haus zu verfügen. Sie schaut tatsächlich mädchenhaft aus, verfügt aber über so einen hinreißenden Sopran, so dass ihr diese Partie wie auf den Leib beziehungsweise in die Kehle geschrieben scheint. Gewinnend lächeln kann sie obendrein.

Diese Partie, das ist schlicht eine Susi, die bislang kein Opernführer der Welt kennt. Uraufgeführt an Semper Zwei, der kleinen Spielstätte der Dresdner Semperoper, an dem experimentelles und neues Musiktheater gewagt wird. Der Komponist Johannes Wulff-Woesten hat sich Alan Ayckbourns 1988 entstandenen Theaterhits „Mr A's Amazing Maze Plays“ angenommen und daraus im Auftrag „Das Geheimnis der gestohlenen Stimmen“ geschaffen.

Musikalisch ein munterer Mix aus Opernzitaten und swingender Moderne, unterhaltsam und eingängig, dabei in keinem Moment auch nur die Spur von banal. Als Spielleiter des Hauses (und regelmäßiger Thielemann-Assistent zu den Bayreuther Festspielen) oblag ihm auch die musikalische Leitung seines Musiktheaters „für alle ab 6 Jahren“, wofür ihm die jungen Mitglieder der Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Sächsischen Staatskapelle höchst engagiert zur Verfügung standen.

So gewinnt man das Opernpublikum von morgen und übermorgen

Inhaltlich eine Geschichte um Freundschaft (zwischen Susi und ihrem Hund Otto) und Liebe (zwischen Susi und ihrer traurigen Mutter, deren Mann von einer Ballonreise nicht zurückgekehrt ist – davon später mehr), um Mut und Vertrauen. Fast könnte man meinen, es seien zu viele Themen, die da angerissen werden. Doch sie fügen sich allesamt ineinander, sorgen für Spannung und – beim sehr familiären Premierenpublikum – für Eindruck. So gewinnt man das Opernpublikum von morgen und übermorgen.

Susi und Otto sind rasch ein unzertrennliches Paar. Die Mutter muss arbeiten, um für den Unterhalt zu sorgen, der Vater ist von einem Ballonwettbewerb nicht zurückgekehrt, in der Nachbarschaft gibt’s Überraschungen, als erst einem Opernsänger die Stimme, dann einem Trompeter der Ton geraubt wird und eine verfallene Villa plötzlich von einem höchst eigenartigen Kerl bezogen wird. Das ist der Herr Akustikus, der will seine unbedingte Ruhe haben und raubt die Stimmen, Töne und Geräusche. Eine fiese Gestalt, keine Frage. Nach aufregenden Verstrickungen und Verwicklungen wird das Gestohlene wieder hörbar, doch das Abenteuer kommt erst zu seinem guten Ende, als der Ballon von Susis Vater wie zufällig auf dem Kopf von Akustikus landet.

Manfred Weiß als Leiter der Jungen Szene an der Semperoper hat das Libretto geschrieben, Dresdens schauspielerndes Urgestein Tom Quaas die Regie geführt, Timo Schiemenz für ein wandelbares Bühnenbild und peppige Kostüme gesorgt. Herausgekommen sind knapp eineinhalb Stunden vergnügliches und spannendes Musiktheater, an dem auch Eltern und Großeltern ihre Freude haben. Vor allem aber wird damit, gern sei dies wiederholt, beim jungen Publikum große Lust aufs Musiktheater geweckt.

Neben der zauberhaften Tania Lorenzo wirken mit Mathias Schlung als liebenswert verfressenem Hund Otto Gäste und Mitglieder des Opernensembles mit: Angela Liebold als mitleidswert starke Mutter, Martin-Jan Nijhof als heldenhafter Ballonfahrer (diese Beckmesserei sei erlaubt, dass die Gemeinde der Luftikusse Wert darauf legt, nicht zu fliegen, sondern durch die Lüfte zu fahren) sowie Barry Coleman als seiner Stimme beraubter, dennoch trinkfester Opernsänger Herr Pichler und Hagen Matzeit als Ekelbatz Akustikus.

Merke: Nie die Stimme stehlen (lassen)!

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