Hauptbild
Seitenkopf nmz 1973
Hauptrubrik
Banner Full-Size

Vor 50 Jahren: Nürnbergs internationale Orgeltage

Untertitel
Neue Musikzeitung, XXV. Jg., Nr. 3, September 1976
Vorspann / Teaser

[…] Das Szenische bei dieser Orgelwoche steuerte im wesentlichen die Nürnberger Oper bei. Den offiziellen Beginn machte eine Aufführung von Schönbergs „Moses und Aron". Und dann kam, am Motto wie an der Qualität gemessen, eines der wichtigsten Pro­jekte: Die Inszenierung von Cavalieris „Rap­presentazione di anima e di corpo“ in der Sebalduskirche durch Hans-Peter Lehmann, den scheidenden Nürnberger Oberspielleiter (er geht als Staatsoperndirektor nach Wiesba­den). Im Gegensatz zu den Aufführungen bei den Salzburger Festspielen war das Werk erstmals im Originalklang zu hören dank der Mitwirkung von Hans-Martin Linde und seines Basler Consortiums auf historischen Instrumenten. 

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Für die szenische Realisierung war viel Heterogenes zu bewältigen: ein frühbarockes Werk aus dem Geist der Renaissance in der gotischen Kirchenarchitektur so zu inszenieren, daß die Kontraste einander nicht brechen, sondern ergänzen. Der Bühnen- und Kostümbildner Melchior Stähli schuf Spielflächen durch treppenförmig ansteigende Podeste, gerade so hoch, um den Blick auf das Kruzifix von Veit Stoß frei­zulassen. 

Bild
W. Bronnenmeyer, Neue Musikzeitung, XXV. Jg., Nr. 3, September 1976

W. Bronnenmeyer, Neue Musikzeitung, XXV. Jg., Nr. 3, September 1976

Text

Als Ornamentik dienten Goldsterne auf blauem Grund, eine Korrespondenz zu den Madonnenstatuen an den Pfeilern des Ostchors von St. Sebald zur Deckenbemalung des (gotischen) Doms von Siena und zu den Kostümen der seligen Seelen: Symbol des Himmels und der Verklärung. Gegenreforma­torisches in protestantischer Atmosphäre, Sakrales und Profanes unter dem Kruzifix, weltliches Ballett und ein Chor von Schola­stikern: Diese Vielfalt bedeutete für Hans ­Peter Lehmanns Inszenierung (tatkräftig un­terstützt durch die vitale und ebenbürtige Choreographie des Nürnberger Ballettchefs Horst Müller) Rückführung aufs Elementare im Orffschen Sinn, auf die Zusammenfassung aller Gegensätze in kultischer Prägnanz – die Kirche als moralische Anstalt im Spiel ums Heil der Seele. Die an Höhepunkten rei­che Aufführung mit Vokalkräften vom Studio der frühen Musik, vom Collegium vocale Köln und vom Schwedischen Rundfunk ist als Ensembleleistung um so höher zu veranschlagen, als hierfür erst ein Ensemble gebildet werden mußte. […]

W. Bronnenmeyer, Neue Musikzeitung, XXV. Jg., Nr. 3, September 1976

Ort
Print-Rubriken
Unterrubrik