Hauptrubrik
Banner Full-Size

unüberhörbar 2026/03

Untertitel
Minas Borboudakis / Sokratis Sinopoulos & Yann Keerim / Dora Pejačević: Complete Symphonic Worlds
Vorspann / Teaser

Minas Borboudakis: light & ashes +++ Sokratis Sinopoulos & Yann Keerim: Topos +++ Dora Pejačević: Complete Symphonic Worlds. Annika Schlicht (Mezzo), Martina Filjak (Klavier), Staatskapelle Weimar, Ivan Repušic

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

1

Minas Borboudakis: light & ashes. der/gelbe/klang. NEOS

Minas Borboudakis’ Kompositionen bieten den Mitgliedern des Münchener Ensembles „der/gelbe/klang“ eine reizvolle, poetisch-theatrale Bühne, um ihre solistische Virtuosität auszuleben. Borboudakis kennt die Möglichkeiten der Instrumente, schreibt den Interpreten Klänge und Melodien auf den Leib und verbindet Mensch, Instrument und natürlichen Klang geschmackvoll mit seiner ausgeklügelten elektronischen Apparatur. Ob ein Text des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges, der Dichterin Nora Gomringer, ob Volkslieder oder Stoffe aus der griechischen Mythologie – Borboudakis’ Arbeiten sind oft von Außermusikalischem inspiriert, lassen aber der Musik immer das erste und letzte Wort.

Andreas Kolb

2

Sokratis Sinopoulos & Yann Keerim: Topos. ECM

Balkan-Folklore ist ein musikalisches Sediment, das Béla Bartók sammelte und in eigenen Zyklen bewahrte. Aus diesem Fundus haben Sokratis Sinopoulos und Yann Keerim in Erweiterung ihres griechischen „Topos“ (Heimat) die „Rumänischen Volkstänze“ gewählt und in Duo-Arrangements für Lyra (antikes Saiteninstrument) und Klavier rekomponiert. Wobei die nicht-temperierte Lyra-Stimmung, sowohl con arco als auch pizzicato, in einen pikanten Kontrast zum Klavier kommt. Oft in kontemplativem Modus, dominieren weiche Rhythmen zu delikat phrasierten Melismen, pianistische Jazz-Extempores inklusive. Diese sensiblen Bartók-Adaptionen sind exzellent gelungen.

Hans-Dieter Grünefeld

3

Dora Pejačević: Complete Symphonic Works. Annika Schlicht (Mezzo), Martina Filjak (Klavier), Staatskapelle Weimar, Ivan Repušic. Audite (2 CDs)

Ein wenig täuscht der Booklet-Essay darüber hinweg, dass die kroatische Komponistin Dora Pejačević (1885–1923) längst wieder im Musikleben angekommen ist. Auch sollte es im heutigen Europa keine Rolle spielen, welche Muttersprache sie hatte (Kroatisch, Ungarisch oder Deutsch). Am Ende des 19. Jahrhunderts sprach man in „Kakanien“ mehrere Sprachen – ein Vorbild für das 21. Jahrhundert auf unserem so vielfältigen Kontinent. Musikalisch verblüfft das Doppelalbum gleich mit vier Orchesterliedern, bevor es zu Sinfonie op. 41 geht. Dass Dora Dora Pejačević lange in Dresden und München lebte, scheint indes vergessen zu sein – es sollte eine Einladung zur Programmgestaltung sein. Denn ihre Musik hat mehr zu erzählen als die bloßen Allgemeinplätze jener Jahre. Auch wenn die Partituren nicht an die Grenze gehen, handelt es sich doch um sehr eigene Dokumente einer Moderne, die hier mit glühendem Feuer und greifbarem Engagement eingespielt wurden.

Michael Kube

Print-Rubriken
Unterrubrik