Nach wie vor erfreuen sich die musikalisch-literarischen Soireen in Potsdam großer Beliebtheit. Die Konzerte sind meist sehr gut besucht. Ausgezeichnete Interpreten bieten schöne interessante Programme. Über zwei ausgewählte Soireen (am 22. November 2025 im Potsdam Museum und am 7. Februar 2026 im Palais Lichtenau) wollen wir hier berichten.
Geheimnisvolle Klänge und feine, ineinander verwobene Passagen
Die beiden romantischen Klavierquartette der großen Komponisten Robert Schumann und Johannes Brahms wurden mit Perfektion und leidenschaftlichem Einsatz von dem fabelhaften Berliner Mozart Piano Quartet (Paul Rivinius Klavier, Mark Gothoni Violine, Hartmut Rohde Viola und Peter Hörr Cello) meisterhaft interpretiert. Das Publikum dankte mit stürmischem Beifall.
Im Zentrum des Konzerts fand eine Uraufführung der jungen aus Usbekistan stammenden und bereits mit vielen Ehrungen bedachten Komponistin Aziza Sadikova statt. Passend zu den beiden romantischen Klavierquartetten hat Aziza ein romantisches Thema als Vorlage für Ihr Werk gewählt: Clemens Brentano in einem imaginären Dialog mit seiner Schwester, der Schriftstellerin Bettina von Arnim. Inspiriert wurde Aziza von der romantischen Atmosphäre des Künstlerhauses im Schloss Wiepersdorf, in welchem sie als Stipendiatin wohnte; das Gedicht sowie die Musik von Clemens Brentano „Lass rauschen Lieb, lass rauschen“ beflügelten sie als Vorlage für ihre Komposition. So ist der jungen, in Berlin lebenden Komponistin ein eindrucksvolles Werk gelungen. Es gab vom Publikum für diese Uraufführung und für deren wunderbare Interpretation großes Lob.
Auch im schönen Palais Lichtenau stand eine neue Komposition im Zentrum einer Soiree. Der Potsdamer Komponist Wolfgang Thiel hatte für die Soireenreihe im Potsdam Museum eine Violinsonate komponiert, ein junger Geiger hatte ihn dazu animiert. Die Uraufführung fand mit großem Erfolg vor einigen Jahren statt. Der Wunsch, das Werk erneut zu hören, konnte in diesem Jahr erfüllt werden: sehr engagierte junge Musiker, der Pianist Daniel Streicher und die Geigerin Coco Tomita, nahmen sich mit beeindruckendem Können und intensivem Spiel des neuen Werkes an, beginnend mit schroffen, schallenden Akkorden; des weiteren waren geheimnisvolle Klänge und feine, ineinander verwobene Passagen zu hören, die zu dem Thema des Abends: „Musica Misteriosa“ passten. Im Rahmen der Moderation wurde auch Albert Einstein zitiert: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle“. Das Publikum im voll besetzten Saal dankte mit großem Beifall dem anwesenden Komponisten, sowie den trefflichen Interpreten.
Interpretiert von der jungen Cellistin Clara Eglhuber erklangen tonschön die zu diesem Abend passenden Werke „Trois Pieces für Cello und Piano“ von Nadia Boulanger, danach aus Maurice Ravels „Gaspard de la Nuit“ drei hoch virtuose Stücke für Klavier, vorgetragen von Daniel Streicher, dessen lebendiges Spiel als Solist, wie auch sein einfühlsames Spiel als Begleiter respektvoll mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde.
Nach der Pause folgte zur Freude des Publikums noch das berühmte Geistertrio von Ludwig van Beethoven. Hier vereinigten sich die drei brillanten jungen Musiker zu einem Trio und interpretierten Beethovens Meisterwerk mit berührender Intensität.
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