Liebe Tonkünstlerinnen und Tonkünstler,
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt seine Erschütterung über den Sieg der AfD zum Ausdruck gebracht. Er sagte in Berlin, es habe sich nicht nur in Sachsen-Anhalt etwas verändert, sondern in ganz Deutschland. Merz betonte, wenn fast 60 Prozent bei sehr hoher Wahlbeteiligung politische Parteien wählten, die die demokratischen Spielregeln grundlegend infrage stellten, sei das ein Ergebnis, mit dem man nicht zur Tagesordnung übergehen könne. Wörtlich fügte er hinzu: „Das macht etwas mit uns, auch mit mir persönlich.“
Prof. Hans-Peter Stenzl, 1. Vizepräsident des DTKV. Foto: Privat
Kolumne von Prof. Hans-Peter Stenzl
Die AfD erreichte fast die absolute Mehrheit. Diese Partei trifft eine Stimmung, nicht nur in Ostdeutschland. Besonders ernüchternd: das breit aufgestellte Bündnis aus der Kulturszene hat den AfD-Sieg nicht eindämmen können. Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug, Präsidentin des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt, reagiert: „Wir erwarten von der künftigen Landesregierung in Sachsen-Anhalt, die Freiheit der Kunst zu achten und die kulturelle Vielfalt zu schützen. Im Schulterschluss mit dem Deutschen Musikrat fordern wir, die Arbeit der zahlreichen Musik- und Kultureinrichtungen, Vereine und zivilgesellschaftlichen Initiativen im Land auf der Basis des Grundgesetzes zu stärken.“
Das Wahlprogramm der AfD spricht unter anderem von einer neuen „patriotischen Kulturpolitik“. Man wird abwarten und beobachten, was genau darunter verstanden wird.
Natürlich darf und soll Sachsen-Anhalt auf seine jahrhundertealte Musiktradition stolz sein: Georg Friedrich Händel wurde in Halle geboren, Johann Sebastian Bach wirkte viele Jahre als kapellmeisterlicher Musikdirektor in Köthen (Anhalt) sowie in Sangerhausen. Heinrich Schütz verbrachte wichtige Lebensstationen in Weißenfels, Georg Philipp Telemann wurde in Magdeburg geboren, der heutigen Landeshauptstadt. Doch auch und gerade diese Größen haben Einflüsse von außen gesucht und in ihre Werke eingebaut. Nicht umsonst zählt etwa Bachs „Italienisches Konzert“ bis heute zu seinen beliebtesten Klavierstücken. Händel hat seine Opern auf Italienisch komponiert – und damit in London die größten Erfolge erzielt. Sachsen-Anhalt verfügt über eine Fülle an guten Ensembles, eine Musikschullandschaft, eine Dichte an Musikfestivals und Musikfesten, die bundesweit ihresgleichen sucht. Viele Musikprojekte für Kinder und Jugendliche bereichern das kulturelle Angebot. Diese Vielfalt gilt es mit Sachverstand, Augenmaß und Freude zu erhalten und mit Haushaltstiteln planungssicher zu stützen - wie etwa den Jugend-Kompositions-Wettbewerb unseres Landesverbandes Sachsen-Anhalt, ein Vorzeigeprojekt für die musizierende und komponierende Jugend im Land.
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