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Moderation Margrit Lichtschlag, Geschäftsführerin des Kulturrates NRW. Foto: Jacob Sokoll

Moderation Margrit Lichtschlag, Geschäftsführerin des Kulturrates NRW. Foto: Jacob Sokoll

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Kommunen, Schulen, Künstler:innen und Kultureinrichtungen an ihren Grenzen

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Fachtagung des Kulturrates NRW: „Kein Mittel zum Zweck – warum wir kulturelle Bildung stärken müssen“
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Am 6. Mai 2026 wurde das Kunstmuse­um Bochum zum Schauplatz einer De­batte, die längst überfällig ist: Welche Rolle spielt kulturelle Bildung eigent­lich in unserer Gesellschaft – und wa­rum wird sie noch immer behandelt wie das nette Extra, das man sich nur leistet, wenn Geld übrig bleibt? 

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Unter dem Titel „Kein Mittel zum Zweck – warum wir kulturelle Bildung stärken müssen“ hatte der Kulturrat NRW zur dritten landesweiten Fachtagung eingeladen. Rund 100 Teilnehmende aus Kunst, Kul­tur, Politik, Wissenschaft und Bildung diskutierten darüber, warum kulturelle Bildung weit mehr ist als ein dekora­tives Begleitprogramm für soziale oder politische Ziele. 

Denn genau das passiert häufig: Kunst soll Integration lösen, Demokra­tie retten, Sozialarbeit ersetzen und ne­benbei Bildungsdefizite ausgleichen. Al­les wichtig – aber Kunst ist kein Repara­turbetrieb für gesellschaftliche Fehlent­wicklungen. Kulturelle Bildung besitzt einen Eigenwert. Sie schafft Räume für Fantasie, Zweifel, Ausdruck, Reibung und neue Perspektiven. Und genau des­halb ist sie unverzichtbar. 

Der Kulturrat NRW, Dachverband der sieben Kultursektionen Musik, Tanz, Theater, Film/Medien, Literatur, Bil­dende Kunst sowie Soziokultur, stell­te dabei bewusst die Perspektive der Künstler:innen in den Mittelpunkt. Die Tagung wurde von der Arbeitsgruppe Kulturelle Bildung entwickelt, an der auch der Deutsche Tonkünstlerverband beteiligt ist. 

 

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Lorenz Deutsch, Vorsitzender Kulturrat NRW, Cornelia Sokoll. Foto: Jacob Sokoll

Lorenz Deutsch, Vorsitzender Kulturrat NRW, Cornelia Sokoll. Foto: Jacob Sokoll

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Lorenz Deutsch, Vorsitzender des Kulturrates NRW, formulierte es klar: „Uns interessiert, welche besonde­re Rolle Künstler:innen dabei spielen und wie wir diese stärken können.“ Und genau hier liegt der Kern der De­batte. Künstlerische Prozesse funktio­nieren nicht nach Stundenplan, Kom­petenzraster oder Effizienzlogik. Kunst lebt von Offenheit, Experiment, Irritati­on und manchmal auch vom Scheitern. Gerade darin liegt ihre gesellschaftliche Kraft. 

Die Künstler:innen selbst sehen ihre Aufgabe vor allem darin, das Feuer zu entfachen: Neugier wecken, Menschen für kreatives Tun begeistern und Räu­me eröffnen, in denen Kinder, Jugendli­che und Erwachsene eigene Ausdrucks­formen entdecken können. Es geht nicht um perfekte Ergebnisse, sondern um Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Wahrnehmung und Teilhabe. 

Kulturelle Bildung bedeutet eben nicht nur „mitmachen“. Sie bedeutet er­leben, ausprobieren, gestalten, denken und fühlen. Und manchmal auch auszu­halten, dass nicht alles sofort messbar oder verwertbar ist. 

Auch Eva Busch vom Kunstmuseum Bochum machte deutlich, dass Mu­seen heute mehr sein müssen als stil­le Ausstellungsorte. Kunst solle nicht nur betrachtet, sondern erlebt, disku­tiert und gesellschaftlich verhandelt werden – niedrigschwellig, partizipa­tiv und offen. 

Einen wichtigen Impuls lieferte Prof. Dr. Frank Jebe von der Hoch­schule Niederrhein mit seinem Satz: „Den Künsten steht die Entdeckung der Kulturellen Bildung als Arbeitsfeld noch bevor.“ 

Tatsächlich arbeiten viele Künstle- r:innen längst in Schulen, Jugendzen­tren, Stadtteilen und sozialen Pro­jekten. Kunst wird dialogischer, ge­sellschaftlicher und näher an den Men­schen. Gleichzeitig wächst aber auch der Druck, künstlerische Arbeit ständig rechtfertigen und ihre „Wirkung“ nach­weisen zu müssen. 

In Workshops diskutierten die Teil­nehmenden über prekäre Arbeitsbe­dingungen, Awareness, Kunstvermitt­lung und die Zusammenarbeit zwischen Kultur und Sozialarbeit. Schnell wurde klar: Gute kulturelle Bildung entsteht nicht durch kurzfristige Projektförde­rung und symbolische Sonntagsreden. Sie braucht langfristige Strukturen, ver­lässliche Finanzierung und politische Priorität. 

Genau hier richtet sich ein dringender Appell an die Landesregierung NRW. 

Seit Jahren wird ein umfassendes Landeskonzept Kulturelle Bildung an­gekündigt. Doch während Kommunen, Schulen, Künstler:innen und Kulturein­richtungen längst an ihre Grenzen sto­ßen, bleibt die große kulturpolitische Gesamtstrategie weiter aus. Einzelpro­gramme und Förderlinien reichen nicht mehr aus. 

Dabei sind die Kommunen längst auf­gefordert, sich aktiv an der Entwick­lung kultureller Bildungslandschaf­ten zu beteiligen. Mit dem Wettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte für kul­turelle Bildung“ fordert das Land Städ­te und Gemeinden ausdrücklich dazu auf, tragfähige Konzepte für kulturelle Bildung zu entwickeln und nachhal­tig zu verankern. Besonders überzeu­gende Konzepte werden zusätzlich ge­fördert und erhalten weitere finanzi­elle Unterstützung. 

Das zeigt: Der politische Wille zur strukturellen Stärkung kultureller Bil­dung ist grundsätzlich vorhanden. Umso unverständlicher ist es, dass ein ver­bindliches Landeskonzept weiterhin auf sich warten lässt. 

Gerade jetzt – mit dem Startchancen- Programm des Bundes, dem Ausbau des Ganztags ab 2026 und den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen – wäre der richtige Zeitpunkt, kulturelle Bildung endlich ressortübergreifend und nachhaltig zu verankern. 

Denn kulturelle Bildung darf nicht vom Engagement Einzelner abhän­gen. Sie braucht stabile Strukturen zwischen Kultur, Schule, Jugendhil­fe und Kommunen. Sie braucht qua­lifizierte Fachkräfte, faire Honorare und dauerhafte Kooperationen. Und sie braucht endlich politische Verläss­lichkeit. 

Die Diskussion um die sogenannten 4K-Kompetenzen – Kreativität, Kollabo­ration, Kommunikation und Kritisches Denken – zeigt längst, wie wichtig kul­turelle Bildung für die Zukunftsfähig­keit unserer Gesellschaft ist. Genau diese Fähigkeiten fördert Kunst seit Jahrzehnten. Trotzdem wird kulturelle Bildung politisch noch immer oft behan­delt wie ein freiwilliger Zusatz statt wie eine zentrale Bildungsaufgabe. 

Dabei geht es um weit mehr als Kul­turpolitik. Es geht um demokratische Teilhabe, Chancengerechtigkeit und die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Richard von Weizsäcker brach­te es bereits vor Jahren auf den Punkt: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns ent­weder leisten oder nach Belieben auch streichen können.“ 

Die Fachtagung in Bochum hat deut­lich gemacht: Nordrhein-Westfalen ver­fügt über enorme fachliche Kompetenz, engagierte Künstler:innen und starke Netzwerke. Was fehlt, ist der politische Wille, daraus endlich ein verbindliches Landeskonzept kultureller Bildung zu entwickeln. 

Die Zeit der Ankündigungen sollte vorbei sein. Jetzt braucht es konkrete Entscheidungen. Denn kulturelle Bil­dung ist kein schmückendes Beiwerk. Sie ist eine Investition in die demokra­tische, kreative und soziale Zukunft un­seres Landes. 

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