Das bewährte „Kombi-Angebot“ aus Fortbildung und Mitgliederversammlung des VBS führte am 6. März knapp zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen in den Chorsaal der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (HfKM) Regensburg: Auf dem Programm stand ein intensiver Fortbildungstag zu Stimmgesundheit und Jugendchorleitung, im Anschluss tagte die Mitgliederversammlung des VBS.
Kursmaterialien vom Fortbildungstag – zum Mitnehmen und Weiterüben. Foto: © Gabriele Puffer
Motivation, Partizipation, Resonanz
Stimmlich fit im Schulalltag
Gleich zu Beginn wurde klar: Die eigene Stimme ist nicht nur Medium, sondern maßgebliches „Instrument“ pädagogischer Präsenz. Im Workshop „Stimmlich fit im Schulalltag“ spannten Christian Gegner und Jonas Hauck (Universität Regensburg) den Bogen von Stimmhygiene über präventive Routinen bis zu sofort umsetzbaren Übungen. Sie verknüpften sprechwissenschaftliche und sprecherzieherische Expertise mit Daten: Wie steht es um die Stimmgesundheit in verschiedenen Schularten? Welche Übungen zeigen in Evaluationsstudien nachhaltige Effekte – und wie werden Mikro-Gewohnheiten zu Schutzfaktoren im hektischen Schulbetrieb?
In gemeinsamen Übungen wurde an Körperhaltung und Muskeltonus, physiologischer Sprechatmung, ökonomischer Phonation und Artikulation gearbeitet. Impulse und Anleitungen für alltagsnahe Stimmpflege bietet die App „ReSt“ (Regensburger Stimmtraining). Das Tool wurde an der Uni Regensburg entwickelt und steht ab Mitte des Jahres allen bayerischen Lehrkräften kostenfrei zur Verfügung. Fazit: Die Pflege der eigenen Stimme ist kein Luxus, sondern notwendige Berufsressource – und mit den richtigen Übungen in wenigen Minuten pro Tag zu schaffen.
Entwicklungsraum Jugendchor
Mit Eva-Maria Leeb (HfKM Regensburg) rückte die Probenpraxis mit Jugendchören in den Fokus. Unter der Überschrift „Von der Stimme zum Klang – Stimme, Probe, Entwicklung“ stand die Frage im Zentrum, wie Proben methodisch abwechslungsreich, zugleich fordernd und fördernd gestaltet werden können. Leeb zeigte, wie Mehrstimmigkeit schrittweise aufgebaut, der Stimmwechsel sensibel begleitet und heterogene Leistungsniveaus produktiv genutzt werden können. Vieles wurde praktisch ausprobiert, die Teilnehmenden konnten neue Ideen für die Stimmbildung und für attraktive Chorliteratur mit nach Hause nehmen. Im zweiten Teil „Vom Chor zur Gemeinschaft – Motivation, Partizipation & Sichtbarkeit“ ging es um Organisation, Kommunikation und Medienkompetenz. Motivation wird zur Sache aller, wenn Jugendliche echte Rollen übernehmen – etwa als Stimmführer*innen, Probencoaches oder im Social-MediaTeam. Teach-Me- Files, niedrigschwellige Audio-/Video- Formate und geteilte Übe-Playlists fördern eigenständiges Üben und den Transfer zwischen Probe und Alltag. Ergebnis: ein Chorverständnis, das Partizipation und musikalische Qualität zusammendenkt – bildungsrelevant und zeitgemäß. Dank an die HfKM Regensburg für die Gastfreundschaft und an das Organisationsteam um Patrick Ehrich, das diesen ertragreichen Tag möglich machte!
Mitgliederversammlung
Die anschließende Mitgliederversammlung fand in recht kleinem Kreis statt, inhaltlicher Schwerpunkt war der Tätigkeits- und Geschäftsbericht des Vorstands. Berichtet wurde zunächst aus der Gremien- und Netzwerkarbeit auf Landes- und Bundesebene. Die Sprecher*innen der Deutschen Gesellschaft für Schulmusik (DGS) erarbeiteten gemeinsam mit dem Bundesverband Musikunterricht (BMU) ein Positionspapier zur gymnasialen Oberstufe, Anlass war die anstehende Neufassung der Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) durch die Kultusministerkonferenz. In einem weiteren Schritt sollen innovative Formate für Abituraufgaben entwickelt und diskutiert werden.
Sorge um die Grundschulen
Sorgen bereitet nach wie vor die Situation des Musikunterrichts an Bayerns Grundschulen. Eine vom VBS und BMU initiierte Anfrage des BMR-Präsidenten Bernd Sibler an Kultusministerin Stolz zeigte: An über 80 Prozent der bayerischen Grundschulen wird Musik in Jahrgangsstufen 3/4 inzwischen nur noch einstündig unterrichtet (Stand: September 2025). Der VBS begleitet diese Entwicklung kritisch – auch mit Blick auf absehbare Langzeitfolgen. Positiv zu würdigen ist die Fortbildungsoffensive „Musik EINFACH machen“ für Grundschullehrkräfte mit wenig musikalischer Vorbildung, die das Kultusministerium im vergangenen Jahr unter Mitwirkung der Musikverbände auf den Weg brachte: Erfahrene Fachberaterinnen erstellten einen umfangreichen und niveauvollen Pool an Unterrichtsmaterialien, der über die ALP Dillingen zugänglich ist und als Materialgrundlage für einjährige Fortbildungsveranstaltungen in allen bayerischen Regierungsbezirken dient. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass regelmäßiger, qualifiziert erteilter Musikunterricht der Grundstock der musikalischen Bildung in der Grundschule ist – und den darf man nicht einfach „weghalbieren“.
Stellensituation, Mitgliederzahl
Der Lehrkräftemangel betrifft weiterhin alle Schularten. Die 2025 eingeführten Sondermaßnahmen des KM für Realschulen und Gymnasien (Quereinstieg direkt ins Referendariat) werden 2026 fortgesetzt. Der VBS bewertet dies kritisch und setzt sich für klare Regelungen und qualitätsgesicherte Quer- und Seiteneinstiege ein. Zum 1. März 2026 zählte der VBS gut 770 Mitglieder – gegenüber 2019 ein Rückgang um rund 16 Prozent, der vorwiegend demografisch bedingt ist (Pensionierungen, Todesfälle). Diskutiert wurden Strategien zur Nachwuchsgewinnung, vor allem durch gezielte Ansprache in Studium und Vorbereitungsdienst.
Gymnasiale Oberstufe
Handlungsbedarf besteht weiterhin bei der Ausgestaltung der neuen gymnasialen Oberstufe, insbesondere mit Blick auf das Leistungsfach Musik. Eine VBS-Bestandsaufnahme im Jahr 2024 lieferte Hinweise auf eine sehr ungleiche Verteilung von Leistungsfach-Angeboten (vgl. nmz 9/2024). Hinzu kommen widersprüchliche Informationen über künftige Rahmenbedingungen für Kurse auf erhöhtem Niveau. Notwendig sind ein verlässlicher Informationsrahmen und bessere Möglichkeiten für kleinere Schulen und Gymnasien im ländlichen Raum – auch durch gestärkte schulübergreifende Kooperationen, wie sie im „alten“ G9 üblich waren. Aufmerksamkeit verdienen zudem die reduzierte Anrechenbarkeit von Profil- Leistungen im Abitur sowie die Lage der W-Seminare.
Ausblick: Tage der bayerischen Schulmusik 2028
1903 gründete sich der „Bayerische Gymnasialmusiklehrer-Verein“ – der erste Vorläufer des heutigen VBS. 2028 steht damit ein bemerkenswertes Jubiläum an! Die nächsten „Tage der bayerischen Schulmusik“ finden aus diesem Anlass nicht turnusgemäß 2027, sondern im Frühjahr 2028 statt. Geplant ist unter anderem eine Festschrift zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft der bayerischen Schulmusik.
Ein Dank an alle Engagierten beschloss die Versammlung – nach einem Tag, der praxisnahe Fortbildung, kollegialen Austausch und verbandspolitische Orientierung verband: Gut bei Stimme bleiben, anderen eine Stimme geben – und gemeinsam gehört werden!
Fortbildungen der LAGs
„Improvisation in Schulbands“
(Gymnasium, Realschule, Mittelschule, Förderschule) – ein Fortbildungsangebot der LAG Jazz
Termin: Freitag, 17. April 2026, 9:30–17:00 Uhr
Ort: Labenwolf-Gymnasium Nürnberg
Anmeldeschluss: Freitag, 10. April 2026. Referent: Johannes Ludwig
FIBS-Nummer: A992-LAG Jazz/26/417654-1
Ziele: Erweiterung der eigenen Improvisationsfähigkeiten, Kennenlernen einfacher, grundlegender Zugänge zur Improvisation, Konzepte der Vermittlung an Schülerinnen und Schüler, Erweiterung der Sichtweise auf improvisierte Musik und die Zusammenhänge des improvisierten Spiels mit Formen
Inhalte: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind eingeladen, aktiv dabei zu sein. Die Konzepte werden im Kurs Schritt für Schritt erarbeitet und sollen selbst erprobt werden, sodass sie dann auch direkt an Schülerinnen und Schüler weitervermittelt werden können. Der Workshop beinhaltet viele Inspirationen und Anstöße zur eigenen individuellen Weiterbildung, die für Teilnehmende auf allen Erfahrungsstufen interessant und relevant sind.
Bitte eigene Instrumente mitbringen. Drumset, Piano sowie Gitarren- und Bassverstärker sind vor Ort.
„Mit Sicherheit (mehr) Spaß am Singen“
(Grund- und Mittelschule) – ein Fortbildungsangebot der LAG Chor
Termin: Montag, 20. April 2026, 14:00–17:00 Uhr
Ort: Reuchlin-Gymnasium Ingolstadt
Anmeldeschluss: Freitag, 17. April 2026. Referentin: Andrea Hartinger FIBS-Nummer: A992-LAG Chor/26/414128_E_1
Schwerpunkte: Stimmbildung für Lehrer und Schüler – Einstudierungsmöglichkeiten und Kennenlernen verschiedenster, kindgerechter Literatur – Einstieg in die Mehrstimmigkeit – Chorleitungsbasics. Die Teilnehmer:innen arbeiten zusammen mit der erfahrenen Referentin Andrea Hartinger an kindgerechten Liedern und ihrer Umsetzung im Unterricht.
„Mit Georg Friedrich Händel durch London – Ein musikalischer Spaziergang“
(Grundschule, Mittelschule, Förderschule) – ein Fortbildungsangebot der LAG Orchester
Termin: Mittwoch, 29. April 2026, 15:00–16:30 Uhr, online
Anmeldeschluss: Mittwoch, 22. April 2026. Ansprechpartner: Stefan Buchner. FIBS-Nummer: A992-LAG Orchester/26/427230-1
Ziel: interaktive Begegnung mit Orchestermusik
Inhalte: Die Fortbildung zeigt interaktive Möglichkeiten auf, die Klangwelt Händels zu erleben und dabei London zu entdecken. Die praxisorientierte Fortbildung verbindet das Thema „London“ fächerübergreifend mit Musik und dem England zu Georg Friedrich Händels Zeiten. Durch Body- Perkussion zu Händels Musik, Sprechlieder und das aktive Hören seiner Musik wird Material für ein kleines, kreatives Projekt vorgestellt, das auch für individuelle Ausgestaltung und Weiterführung ausreichend Freiraum lässt. Es sind keine musikalischen Fortbildungen notwendig
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