Mit 276 teilnehmenden Jugendlichen aus elf Partnerregionen Baden-Württembergs war das 30. Internationale Chorfestival C.H.O.I.R. in diesem Jahr ein Projekt der Superlative. Mit 19 Festivaltagen, sieben Konzerten mit abschließender Konzerttournee nach Ungarn wurde der Geburtstag ausgiebig gefeiert. Es ist in seiner Internationalität und konzeptionellen Ausrichtung ein singuläres Projekt des Landes Baden-Württemberg. Darum wurde auch mit der Messa da Requiem von Giuseppe Verdi ein ganz besonderes Werk für diese Jubiläumsphase ausgesucht.
Konzert C.H.O.I.R im Kongresszentrum Budapest, August 2026. Foto: Landesakademie Ochsenhausen
Musik verbindet: 30 Jahre C.H.O.I.R.
C.H.O.I.R. war schon immer ein besonderes Projekt. Seit Beginn haben über 3.340 Sängerinnen und Sänger aus 19 verschiedenen Partnerregionen teilgenommen. Dabei wurden 151 Konzerte durchgeführt, welche von knapp 73.000 Konzertbesuchern an 21 verschiedenen Konzertorten besucht und in denen 1.861 Chorwerke sowie 29 Uraufführungen präsentiert wurden. Somit gehört dieses Projekt zu den eindrucksvollsten Kulturinitiativen Baden-Württembergs für ein zusammenwachsendes Europa.
Dabei hat dieses Projekt zunächst klein angefangen. Der Startschuss fiel am 3. August 1996. Ausgehend von einem deutsch-französischen Chortreffen wurde das Projekt mit sechs Partnerregionen von Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben. Neben dem damaligen Akademiedozenten Klaus Brecht konnte Prof. Christoph Schönherr von der Musikhochschule Hamburg als musikalischer Leiter und Pionier des Projektes gewonnen werden. Seit 2019 liegt die organisatorische und künstlerische Projektleitung in der Hand von Christine Wetzel.
Neben der Erarbeitung eines Hauptwerkes wurde bereits von Anfang an darauf Wert gelegt, dass die einzelnen Regionen in Serenaden Chorwerke ihrer Heimat und größtenteils auch in ihrer Muttersprache vorstellen. So entwickelten sich die Serenaden zu einem Kaleidoskop europäischer Musikkultur, mit vielfältigen musikalischen und sprachlichen Komponenten. Es werden die verschiedenen Musiktraditionen Europas erfahrbar und erlebbar und das Projekt zeigt die Farbigkeit des Kontinents, die es zu erhalten gilt.
Abende der Regionen
Zusätzlich wird die Regionalität Europas durch die sogenannten Abende der Regionen, an denen die verschiedenen Ensembles ihre Region durch landestypische Speisen oder Aktivitäten wie Tänze, Offenes Singen, Spiele oder Akrobatik präsentieren, verstärkt und ein weiterer Aspekt europäischer Diversität aufgezeigt.
Über die Jahre hinaus entwickelte sich ein Netzwerk, welches sich ausgehend von Baden-Württemberg über Polen, Katalonien, Rhone-Alpes, Lombardei, Sachsen, Ungarn, Emilia-Romagna, Wales, Flandern, Portugal, Kroatien, Estland, Japan, Taiwan, Russland, Bosnien-Herzegowina und seit wenigen Jahren über die Ukraine spannt. Dieses Netzwerk ist ein Schlüssel zum Erfolg dieses Festivals. Die jeweiligen musikalischen Leiterinnen und Leiter der Ensembles bringen einen unglaublichen Schatz an stimmlicher und chorpädagogischer Kompetenz aus ihren Regionen mit in das Projekt ein, welche das künstlerisch-musikalische Niveau über Jahre maßgeblich formte und erheblich gesteigert hat. Die zusätzliche Einführung von professionellem Stimmtraining und künstlerischen Masterclasses haben ihren Teil dazu beigetragen.
Kompositionsaufträge
Ein weiterer Aspekt des Projektes war, das Festival durch Kompositionsaufträge künstlerisch aufzuwerten. Seit dem Jahr 2005 brachten teilweise die Dirigenten eigene Kompositionen und Arrangements ein, zum anderen wurden der Internationalität des Projektes verpflichtet, Komponisten und Arrangeure aus den Partnerregionen gewonnen, Werke für C.H.O.I.R. zu schreiben, welche größtenteils verlegt und häufig professionell aufgenommen wurden. So war und ist Ochsenhausen oftmals der Impuls, dass diese Werke später auch in anderen europäischen Regionen von den teilnehmenden Partnerchören zur Aufführung gelangen.
Verbindende Kraft der Musik
Mit 30 Jahren Erfolgsgeschichte steht C.H.O.I.R. für die verbindende Kraft der Musik in einem friedlichen Europa. Sprachgrenzen, topographische Grenzen und unterschiedliche kulturelle Traditionen werden als Bereicherung in der Chorgemeinschaft erfahrbar. Hier ist die positive Kraft der Musik in einer Welt von Krisen, Unsicherheiten und Isolation als einendes Element über viele Grenzen hinweg erlebbar. Dank des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, den zahlreichen Sponsoren und privaten Unterstützern, den beteiligten Institutionen und Partnern ist ein organisatorisches, künstlerisches Fundament entstanden, das C.H.O.I.R. tragfähig für die Zukunft macht.
C.H.O.I.R. strahlt weit über Baden- Württemberg hinaus und hat bereits sowohl in Taiwan als auch in anderen Ländern Nachahmung erfahren und ist somit zu einem kulturellen Exportartikel Baden-Württembergs geworden.
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