Begegnungen mit Haydn, Maria Malibran und Spiele-Sound-Lieferanten: BR-Musikfeatures im Mai


(nmz) -
Vielfältige Begegnungen verspricht das Mai-Programm des Bayerischen Rundfunks in Sachen Musikfeatures. Von dem rasant sich entwickelnden Genre Computerspiel-Musik über die Sängerdynastie Garciá-Malibran bis zum Jubilar und Streichquartett-Pionier Joseph Haydn reicht das Spektrum. Und Renate Richter greift mit dem Streit um das Musikverlagshaus C.F. Peters ein heißes Eisen der Musikwirtschaftshistorie und -gegenwart auf.
04.05.2009 - Von nmz-red/Regensburg

Vollfette Gefühle: ComputerSpielMusik
taktlos 134
7. Mai 2009
Bayern 4 Klassik, 21.03-22.00 Uhr
Einerseits heiß begehrt, andererseits als Jugend-Verderber verdächtigt: Computer- und Video-Spiele sind Markt-Boomer, Lifestyle-Setter – und Werte-Transporteure. Eine wichtige Rolle nehmen dabei die Sound-Tracks ein. Weit weg vom Midi-Gefiepe früher Jahre sorgen mittlerweile hochkomplex arrangierte Klangteppiche, Original-Songs und orchestrale Programm-Musiken für maximalen Emotions-Transport. Ein völlig neues Kompositions-Genre ist entstanden – ein neuer Musik-Markt, umsatzträchtiger als die klangschaffende Filmindustrie. taktlos # 134 nimmt diese Sparte unter die Lupe, analysiert Wirkungs-Zusammenhänge und Kommerz-Strukturen – aber auch das innovative Potenzial. Als Experten im Boot: Susanne Keuchel, Leiterin des Bonner Zentrums für Kulturforschung, der „Ex-Komponist“ und Spiele-Sound-Lieferant Pierre Langer (Dynamedion) und ein namhafter Kampfspiel-Produzent. Live am 7. Mai um 21.03 Uhr auf Bayern 4 Klassik – und weltweit gestreamt im Internet.

„Yo que soy contrabandista“
Beginn einer Sängerdynastie: Manuel García und Maria Malibran

Von Florian Heurich
10. Mai 2009
Bayern 2, 20.05-21.00 Uhr
Er war Tenor, Komponist, Gesangslehrer, Opernimpresario, Begründer einer ganzen Sängerdynastie und damit eine der zentralsten und vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten des frühen 19. Jahrhunderts. Sein spanisches Temperament, seine Abenteuerlust, aber auch sein Unternehmergeist führten Manuel García durch Länder und Kontinente. Er machte Furore als Almaviva in der Uraufführung von Rossinis „Barbier von Sevilla“ und schrieb sich selbst, sowie seiner hochbegabten Tochter Maria Malibran all die Virtuositäten in die Kehle, mit denen beide als unangefochtene Gesangsstars ihrer Zeit auf den europäischen und sogar amerikanischen Opernbühnen brillieren konnten. García wurde zum Inbegriff des geschäftstüchtigen Allround-Künstlers, die Malibran zur idealen Verkörperung der selbstbewussten romantischen Diva.
In seinem Feature „Yo que soy contrabandista– Beginn einer Sängerdynastie“ zeichnet Florian Heurich die Kunst und das bisweilen durchaus romanhafte Leben zweier Musikerpersönlichkeiten nach, die von der Nachwelt schnell zum Mythos stilisiert wurden. Zu Wort kommen unter anderen die Dirigenten Christophe Rousset und Juan de Udaeta, der Musikwissenschaftler Emilio Casares und die Mezzosopranistin Joyce DiDonato.

Liederfrühling
Eine fragile Gattung blüht wieder auf

Von Jörg Handstein
14. Mai 2009
Bayern 4 Klassik, 21.03-22.00 Uhr
„Halb Worte sind’s, halb Melodie, / Was mir durchs Herze zieht“: So einfach beschrieb Eichendorff das Lied, Inbegriff des Romantischen in der Lyrik. Schubert machte die schlichte Gattung zur vielschichtigen Seelenmusik, Schumann sah sie im Zeichen des „Fortschritts“. Und die junge Moderne erprobte gerade im Kunstlied eine völlig neue Tonsprache. Doch als die Neue Musik nach 1950 zur Arbeit am bloßen „Material“ aufrief, bedeutete dies geradezu ein Liederverbot – das freilich Komponisten wie Aribert Reimann, Wilhelm Killmayer oder Wolfgang Rihm nicht bekümmerte. Das Echo des Lyrischen in der Musik verstummte keineswegs, wurde aber kaum noch wahrgenommen. Das zeitgenössische Lied war der „Song“. Dass ausgerechnet neukomponierte Klavierlieder ein breiteres Publikum begeistern können, bewies das Projekt „Lied:Strahl“ zur EXPO 2000. Seitdem erwachte bei vielen jungen Komponisten eine neue Lust am Lied und die Gattung blühte auf in einer bisher unbekannten Vielfalt. Jörg Handstein folgt den Wegen des Kunstlieds in die Gegenwart.

Ironie der Geschichte
Streit im Musikverlagshaus C. F. Peters
Von Renate Richter
17. Mai 2009
Bayern 2, 20.05-21.00 Uhr
Nach zwei deutschen Diktaturen möchten die Exil-Erben Hinrichsen aus London – sie waren ein „jüdischer Zweig“ der EDITION Peters – im ursprünglichen Stammhaus Leipzig neu wurzeln. Die Kunde von der Rückkehr hörte man dort gern – voller Hoffnung, anzuknüpfen an die glanzvolle Leipziger Vergangenheit unter Henri Hinrichsen, einem Repräsentanten des gehobenen Leipziger Bürgertums und des jüdischen Mäzenatentums. Die Presse wertete diese „Rückkehr“ als mehrfache Geste der Versöhnung: die Nazis vertrieben die jüdische Familie und ermordeten Henri Hinrichsen 1942 in Auschwitz; die Stalinisten enteigneten die Erben erneut; 1989 misslang die Übergabe des VEB Edition Peters: fast die gesamte Leipziger Belegschaft wurde entlassen.
Nach soviel Extrem-Zuständen wäre ein Akzent für Leipzig spannend. Ausgerechnet der deutsche Gesellschafterstamm Petschull in Frankfurt wurde misstrauisch und erwirkte eine Einstweilige Verfügung. Diese stoppte zunächst die Hinrichsen-Pläne.
Wird es eine gemeinsame Zukunft für C.F.Peters geben? Autorin Renate Richter recherchiert.

Klingende Räume
Musik als Inspiration für die Architektur

Von Niels Beintker
24. Mai 2009
Bayern 2, 20.05-21.00 Uhr
Kann heute ein Architekt mit Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ ein Gebäude entwerfen? Beeinflussen elektronische Beats die Gestaltung von Räumen oder Fassaden? Die Architektur wird vielfältig durch die Musik inspiriert. Offensichtlich, wenn etwa ein großes Konzertgebäude entsteht. Und verborgen, wenn die Auseinandersetzung mit der Musik die Planung eines Bauwerks begleitet. Die Glashalle der Leipziger Messe zum Beispiel, entworfen von dem Hamburger Büro von Gerkan, Marg und Partner, wurde nach dem Vorbild einer Bachschen Fuge gestaltet, als Komposition, in der sich strukturelle Ordnung und künstlerische Freiheit miteinander verbinden. Der Kulturspeicher in Würzburg, gebaut nach den Plänen der Architekten Brückner und Brückner, fand seine Form auch durch eine intensive Beschäftigung mit Klängen und Tönen. Die Idee für den Umbau des Salzburger Mozarteums schließlich wurde anhand der Musikalität des städtischen Raumes entwickelt. Von diesen versteckten Einflüssen auf die Baukunst der Gegenwart handelt das Musikfeature. Die Architekten Christian und Matthias Brückner, Volkwin Marg, Gernot Schulz und Robert Rechenauer erzählen über ihr Verhältnis zur Musik.

Interview am Instrument
Yaara Tal und Andreas Groetheuysen
Von Bernhard Neuhoff
28. Mai 2009
Bayern 4 Klassik, 21.03-22.00 Uhr
„Beschriebene Musik ist wie ein erzähltes Mittagessen“, hat Franz Grillparzer gesagt. Wer einmal versucht hat, über Musik zu schreiben, kann ein Lied davon singen. Das Radio hat in diesem Punkt gegenüber der Schrift einen unschlagbaren Vorteil. Wer dazu noch das Glück hat, mit so exzellenten und zugleich so eloquenten Musikern wie dem israelisch-deutschen Klavierduo Tal/Groethuysen über Musik zu sprechen, der kann sich mitten im intensivsten Gedankenaustausch klingend demonstrieren lassen, wovon die Rede ist. Wie arbeitet ein Klavierduo? Wie verändert sich der Ausdruck einer Melodie, wenn man sie in verschiedenen Tempi spielt? Was macht die „schönen Stellen“ schön? Und warum hält man bei bestimmten Passagen den Atem an? In einem „Interview am Instrument“ unterhält sich Bernhard Neuhoff mit Yaara Tal und Andreas Groethuysen über Franz Schubert und über die Geheimnisse des Vierhändigspielens. Eines der renommiertesten Klavierduos der Gegenwart antwortet mit Worten und Tönen.

Begegnungen mit Haydn
Aus dem Quartettbuch des Rosamunde Quartetts
Von Meret Forster
31. Mai 2009
Bayern 4 Klassik, 18.05-20.00 Uhr
Lange galt das Streichquartett als Inbegriff einer „absoluten Musik“, die an Höchstes zu rühren vermag, gerade weil sie von außermusikalischen Bezügen gelöst ist. Begründet wurde diese Wahrnehmung durch das immense Quartettschaffen Joseph Haydns, dessen Oeuvre ganz zentral für die Arbeit des Rosamunde Quartetts ist. Schon in Haydns Zeiten kam das Wort vom Quartett als „Gespräch“ auf. Und so emphatisch Andreas Reiner, Diane Pascal, Helmut Nicolai und Anja Lechner den kunstvollen vierstimmigen Satz als Wechselrede unter gleichrangigen Individuen begreifen, so wenig wollen sie sich mit einer geschlossenen Unterhaltung begnügen. Deshalb öffnen sie etwa ihre Generalproben zum Zusammentreffen, auch mit den anwesenden Komponisten.
Vier Abende in der Historischen Aula der Münchner Akademie der Bildenden Künste – verbunden durch eine genreübergreifende Idee, getragen von der Absicht, die intime Gattung der Instrumentalmusik in Gegenüberstellungen von Haydn-Quartetten und internationalem zeitgenössischem Repertoire neu zu erschließen. Auf Konzentration und Sammlung kommt es dabei ebenso an wie auf die Teilnahme eines Publikums, das willens ist, die „Kammer“ einer Musik für Kenner und Liebhaber dem Luftstrom aus angrenzenden Räumen zu öffnen…
 

Das könnte Sie auch interessieren: