Die Blech-Amigos – Weshalb Thomas Goppel gute Chancen hat, den Bayerischen Musikrat zu übernehmen


(nmz) -
(nmz-thg) Thomas Goppels Kandidatur zum Bayerischen Musikrats-Präsidenten kam etwas überraschend und ist wohl seiner aktuellen Posten-Verarmung geschuldet: eigentlich hätte man – wenns schon ein Polit-Profi sein muss – den erfahrenen Passauer Ex-Landrat und langjährigen Vorsitzenden des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen Hanns Dorfner als Präsidial-Kandidat erwartet. Der schwamm wohl – von der Bugwelle des Panzerkreuzers Goppel bedroht – höflich beiseit. Was aber ist mit dem Vereinsteil des Bayerischen Musikrates los, dass man sich so hilflos nach einem anerkannten Polit-Rambo an der Spitze sehnt? Signale der Schwäche und der „Freunderl-Wirtschaft“?
05.11.2008 - Von Theo Geißler

Was die Musik betrifft, hat sich Thomas Goppel in seinem Amt als Kunst-Minister vorwiegend um die stramm regierungsaffinen Blechbläser bemüht. Denen schoss er jährlich schon mal 15.000 Euro für ihre Vereinszeitung zu. Ferner war Goppel bei der Finanzierung des Bläser-Verbands-Büros nicht knickrig, schuf Arbeitsplätze für Nahestehende, während er anderen Verbandsgruppierungen entsprechende Mittel kürzte. Und wurde ihm mal Kritik zu bunt, hat er bürgerschaftlich legitimierte Zuwendungs-Antragssteller schon mal mit finalem Entzug aller Gelder bedroht. Ohne inhaltliche Gründe.

 Über ein frisches Nachtrags-Haushalts-Sahnehäubchen für Goppels flotte Marschkapelle haben wir kürzlich berichtet (siehe Link unten). Dort ist auch die Wurzel der Fehlentwicklung – die Aufspaltung des Bayerischen Musikrates in eine ministeriell und zuwendungstechnisch gut steuerbare gGmbH und einen schwachen, zivilgesellschaftlichen Vereinsteil annähernd beschrieben.
 
Dass nun dieser Vereinsteil ausgerechnet den Konstrukteur seiner künftigen Schwäche sich zum Kopf erküren möchte, könnte man als taktisch raffiniertes Manöver interpretieren. Man drückt das Unangenehme so lange an die Brust, bis es im Einklang zu atmen bereit ist. Nur dürfte, nach all den Krisen, dafür die Kraft fehlen. Es steht zu befürchten, dass eine Mischung aus eklatantem Mangel an Selbstbewusstsein und kurzhubigem subalternem Opportunismus beim Bayerischen Musikrat – sieht man von den Amigo-Aspekten ab – das Motiv für die Goppel-Kür sein könnte.
 
Fahrlässig gibt man möglicherweise alle Qualitäten bürgerschaftlichen Engagements, die eigene Kompetenz, die zivilgesellschaftliche Unabhängigkeit preis, um in personenfixierter Abhängigkeit auf vermeintlich kurzen Wegen im Spinnennetz der bayerischen Alt-Seilschaften Sicherheiten zu akquirieren. Vermutlich ein fataler Kurzschluss: Wer Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Verleihung des Corine-Preises an Martin Walser erlebte, hat gespürt, weshalb die Goppel-Steinzeit ein für alle Mal beendet ist.
 
Doch der Blick über den musikalischen Tellerrand hinaus war selten eine Stärke des Bayerischen Musikrates. Und deshalb dürfte am Samstag die Installation eines saustarken Musikministers wahrscheinlich geräuschlos über die Bühne gehen. Gott mit Dir, Du Land der Bayern…

 

Ganz andere Sicht der Dinge - tief aus dem Inneren

Die nmz-Redaktion erreichten aus Mitgliedskreisen des Bayerischen Musikrates auch ganz andere Einschätzungen, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Der Bayerische Blasmusikverband und die Nichtstaatlichen Kulturorchester in Bayern sprechen sich für Dr. Thomas Goppel als Kandidat für das Amt des Präsidenten des Bayerischen Musikrates aus. Die beiden Verbände haben den ehemaligen bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst nachdrücklich gebeten, bei der am 8. November 2008 stattfindenden Delegiertenversammlung für das höchste Amt des Musiklebens in Bayern zu kandidieren und damit die begonnene Neustrukturierung des Bayerischen Musikrates fortzusetzen. Der Bayerische Musikrat vertritt die Interessen von 58 am bayerischen Musikleben beteiligten Verbänden, Institutionen und Organisationen der bayerischen Amateur- und professionellen Musik gegenüber Staat und Gesellschaft.

Für Rückfragen:
Andreas Horber
Geschäftsführer
Bayerischer Blasmusikverband e.V

oder, fast schon hymnisch:

Liebe musikbegeisterten Pressekollegen, liebe Freunde des Bayernjazz,

wir freuen uns im Bayerischen Jazzinstitut sehr über die Initiative der Bayerischen Blasmusikverbandes, Dr. Thomas Goppel zu bitten, am nächsten Samstag für das Amt des Präsidenten des Bayerischen Musikrats zu kandidieren. Sollten Sie deren Pressemitteilung (siehe Anhang) dazu noch nicht erhalten haben, bitten wir um Berücksichtigung.

Wie der Verband der bayerischen Sing- und Musikschulen, die nichtstaatlichen Kulturorchester in Bayern und der Chorverband Bayerisch-Schwaben sprechen auch wir uns mit Nachdruck für Dr. Thomas Goppel aus. Die Bandbreite der ersten Unterstützer zeigt, dass er, auch wenn er seine Wurzeln in der vorbildlich organisierten Blasmusik nie verleugnet hat, sich in seiner Zeit als zuständiger Staatsminister mit seiner geradlinigen Art das Vertrauen vieler erarbeitete.

Kein Wunder: In der letzten Legislaturperiode, die durch die schwierige Finanzlage in vielen Bereichen Einschränkungen nach sich zog, haben er und sein Team über die Spartengrenzen hinweg gerade Einschränkungen in der Jugendarbeit verhindert. Dass er dafür auf prestigeträchtige Kunstexperimente, denen mancher sicher mehr Bedeutung zugemessen hätte, verzichtete, verdient Anerkennung. Unter seiner Regie entwickelte sich nach dem Motto “Weniger Minister, mehr Kunst”, die jährliche Kulturförderpreisverleihung des Freistaates Bayern von der Pflichtübung zu einer Leistungsschau des bayerischen Kunstlebens.

Erstmals ermöglichten in diesem Jahr informative, aussagekräftige Kurzfilme einen Blick auf das Schaffen der Ausgezeichneten und gaben ihnen Gelegenheit, sich selbst zu äußern. Diese Abkehr vom Ego hin zu Inhalten ist ein Beispiel für den Wandel, den wir uns von seiner Präsidentschaft im Bayerischen Musikrat erhoffen. Die in diesem Jahr verabschiedete neue Satzung des Bayerischen Musikrats hat es bereits signalisiert: die Zeiten des Aus- und Abgrenzens sind abgelaufen, Zusammenarbeit ohne Scheuklappen, wie sie von vielen Profis und Laien schon praktiziert wird, ist gefragt.

Mit Dr. Thomas Goppel stünde eine Persönlichkeit an der Spitze einer der mitgliederstärksten kulturellen Lobbyorganisationen Bayerns, die sich nichts mehr zu beweisen braucht. Gerade aus dieser Sicherheit heraus besitzt er die nötige Souveränität, auch externe Einflüsse für alle gewinnbringend einzubinden und die Ergebnisse öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren.

Unsere Erfahrungen sagen, dass er im Präsidium wie im Beraterkreis einer sein wird, der starke Partner einbindet, um mit dem Ganzen im Blick die Position der gemeinsamen Interessenvertretung von Laien und Profis auf das Level zu führen, auf dem es sich eigentlich bewegen sollte.
Richard Wiedamann, Leiter des Bayerischen Jazzinstituts: “Dr. Thomas Goppel wäre als Präsident des Bayerischen Musikrats ein Glücksfall. Er hat in seiner Zeit als Staatsminister eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er die wichtigste Gabe besitzt, die Musikschaffende und Musikliebhaber verbindet: Die Fähigkeit zum aufmerksamen Zuhören. Dank seiner integren Haltung war er immer ein Ansprechpartner, der auch bei Diskrepanzen Respekt abverlangte. Mit ihm an der Spitze hat der Bayerische Musikrat die Chance, ein Netzwerk mit echter Tragkraft aufzuspannen.”

Sylke Merbold
Bayerisches Jazz-Institut


Boarische Musi-Schwachmaddiker

Der Geisler ist halt auch ein Rambo. Aber was die Schafkopfer vom Musikrat runterstümpern, hat doch mit liberalitas bavariae überhaupt nichts zu tun. Da wird für die Euros rumgeschleimt und der Goppel ist ein Auslaufmodell. Wenn man den Schmarrn von dem Bayernjazz liest, könnte man weinen. Was sind da für Subventionsschleimer unterwegs. Und das Im Jazz! Sollns sich doch mit dem Goppel beerdigen lassen. Grüß Gott.


Goppel - Der Film - ist da!

Lassen wir Herrn Goppel doch selbst sprechen. Ich kramte aus den nmzMedia Archiven gerade eine Diskussionsrunde “Ist Kultur vermittelbar” (aufgezeichnet 2006 in Wildbad Kreuth) hervor:

http://www.nmz.de/media

Oder einfach oben auf nmzMedia klicken…


Falsches Goppel-Bild?

Eine weitere Stellungnahme erreichte uns vom Landesausschuss “Jugend musiziert” Bayern:

Lieber Theo Geissler,

von Ihnen sind wir gewohnt, dass Sie immer sehr sorgfältig recherchieren. Offensichtlich sind Ihnen diesmal im “Leitmotiv” aus Zeitgründen, aus persönlicher Abneigung gegen Thomas Goppel oder aus was für Gründen auch immer Unkorrekheiten unterlaufen, die so nicht passieren dürften.

Mitnichten sind die anderen Musiksparten (außer den Blechbläsern) leer ausgegangen!! Den Wettbewerben “Jugend musiziert” und dem Bayerischen Landesjugendorchester jedenfalls ging es noch nie so gut wie unter Goppel. In finanziell schwierigen Zeiten hat er sich vehement für stabile Finanzverhältnisse beim Landesausschuss “Jugend musiziert”
eingesetzt. Darüber hinaus war er immer wieder persönlich anwesend, wenn es um Belange der Wettbewerbe oder des Orchesters ging. Dieses persönliche Interesse hat nicht nur uns Funktionären den Rücken gestärkt, sondern vor allem auch den jungen Musikern.

Solch ein Engagement ist bisweilen genauso wirksam wie eine gesicherte Finanzierung. Und die stand - wie gesagt - unter seiner Federführung bei “Jugend musiziert” nie in Frage.

Herzliche Grüße
 Ihr

Rüdiger Schwarz


Gleichere unter Gleichen?

Sehr geehrter Herr Schwarz,

Gratulation zu Ihrer Situation.

Können Sie jedoch ausschließen, dass es in der bayerischen Kulturförderpolitik nicht doch Gleichere unter Gleichen gab?

Können Sie es ausschließen, dass sich der “Apparat G.” manchmal, bis hin zu “fast hysterischem Widerstand”, gegen eine “gleichere” Förderung aller Gleichen gewehrt haben könnte?

Was steht dazu im Beamtenrecht geschrieben?


Fehlende Inhalte

Schade, dass im Artikel und in den Kommentaren nur über Dr. Thomas Goppel geschrieben wird und das z.T. bedauerlicherweise sehr polemisch.

Kein Wort zu seinem “Gegenkandidaten” - Herrn Jakobi.

Kein Wort über Inhalte.

Dabei wäre es nicht nur interessant,sondern von zentraler Bedeutung, wie denn der Bayerische Musikrat in den nächsten Jahren ausgerichtet wird, wo er seine Arbeitsschwerpunkte sieht, wie er den finanziellen Problemen der Zukunft begegnen will, aber insbesondere, wie er sich inhaltlich aufstellen wird.

Der BM braucht eine starke Führungsmannschaft und ich halte die Mitglieder, völlig egal, ob sie aus dem “Laienbereich” oder dem “Profilager” kommen, sehr wohl in der Lage, sich für die Kandidaten zu entscheiden, die am meisten Vertrauen genießen und denen man die Gestaltung der Zukunftsaufgaben zutraut.

Wolfgang Graef-Fograscher
Jeunesses musicales LV Bayern


Einfach weiterlesen...

Lieber Herr Graef-Fograscher,

in der Print- und in der online-nmz finden Sie jede Menge Inhaltliches zum Thema Musikrat, auch zum “Bayerischen” - ein Link zum Kommentar von Juan Martin Koch - “concerto bavarese” findet sich unter meinem ersten Goppel-Glösschen, in dem ich meine kulturpolitische Sicht der Situation - verfehlter Import eines gescheiterten Bundesmodelles unter der Ägide des damaligen Kunstministers mit entsprechenden Konsequenzen - dargelegt habe.

Dank für Ihre Stellungnahme - und herzlich:

Theo Geißler
www.nmz.de


Das könnte Sie auch interessieren: