Fusionale Vorbilder – eigene Physiognomie: Georg Alkofers CD „Zensitivity“


(nmz) -
Der Erstling des Jazzgitarristen und Komponisten Georg Alkofer steht für Präzision, stilistische Gelenkigkeit und tiefenentspanntes Zusammenspiel in perfekter Fusion. Der Mastermind lässt seinen großartigen Sidemen viel Raum für individuelle Entfaltung, um sich dann in den neun Tracks als wandlungsfreudiges Sound-Chamäleon zu präsentieren.
04.05.2015 - Von Florian Heigenhauser

Vermeintlich abgenutzte Jazztopoi werden betreten, stellen sich beim „Hörgang“ dann aber meist als Gratwanderungen heraus. So verbirgt sich beispielsweise „Saigon-Waltz“ über weite Strecken hinter einer Hemiolen-Maske, darf Pianist Christian Elsässer in „Sagitaurus“ nordisch-modale Weiten ausloten, verweist „Al-ko-Rhythmus“ auf die fusionalen Vorbilder und ist doch eigen in seiner Physiognomie.

Der eher flächige, zweidimensional wirkende Mix entspricht der Ausgeglichenheit der Band (das Quintett komplettieren Saxofonist Christoph Hörmann, Bassist Andreas Kurz und Schlagzeuger Bastian Jütte) und verzichtet weitgehend auf die derzeit gängige, manchmal übertriebene Zeichnung und Tiefenstaffelung im Sound. Exklusiv das Coverdesign von 5th-Beatle Klaus Voormann, der sich zu einer Reminiszenz an das epochale „Revolver“-Cover hinreißen ließ.

Das Ganze mündet – und kulminiert – im grandiosen „Even Cowboys geht The Blues“, wo Blues auf skelettierten New Orléans mit imaginärer Marching Band trifft. Man hört den Cowboy in weiten Hosen (nicht nur Hiphopper tragen solche) in den Saloon stapfen. An der Bar sitzen die Brecker Brothers, Scofield schenkt aus – und Tom Waits würde growlen, wenn er denn dürfte. Freude!

Georg Alkofer: Zensitivity
Nasswetter Music Group

 

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