„Hobbit-Dämmerung“? – Helden der Leinwand als Klang pur: das RSB unter Frank Strobel im Konzerthaus Berlin


(nmz) -
Im Gegensatz zu einem eher düsteren Programm des Festkonzerts zum 50-jährigen Bestehen der Berliner Philharmonie unter Simon Rattle im Westen Berlins, gab es im Osten der Stadt Unterhaltung auf höchstem Niveau. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo Dirigent Frank Strobel auch schon Prokofieffs „Alexander Nevsky“ und Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ live zur Leinwand interpretiert hat, musizierte das groß besetzte Rundfunk Sinfonieorchester Berlin ein Filmkonzert mit Erstaufführungen.
23.10.2013 - Von Peter P. Pachl

Insbesondere der amerikanische Medievist Edward R. Haymes hat in diversen Publikationen tiefschürfend Zusammenhänge zwischen R. Wagner und R. R. Tolkien, zwischen dem „Ring des Nibelungen“ und dem „Herrn der Ringe“ herausgearbeitet. Da war es für Moderator Herbert Feuerstein ein Leichtes, den Bogen zwischen dem Jubilar Richard Wagner und Howard Shore, dem Komponisten der Filmmusiken zu sämtlichen „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Verfilmungen, zu schlagen und auf eine „Hobbit-Dämmerung“ in Shores Komposition zu verweisen. Robin Hoffmanns Orchesterbearbeitung „Die Rückkehr des Königs“, die an diesem Abend ihre Erstaufführung erlebte, betont die von Wagners Musikdrama via Korngold als Strukturelement in die Filmmusik eingeflossene Leitmotivtechnik. In Hoffmanns Suite gemahnen tiefes Blech, der intensive Einsatz von Basstuba, Pauken und großer Trommel, aber auch Horn-Chöre, durchaus an Wagners Klangwelten. Für die reizvolle Wiederaufnahme des Themas im Glockenspiel scheint hingegen Siegfried Wagners Ouvertüre zu „Bruder Lustig“ Pate gestanden zu haben. Bei seinen Ausflügen in die Opernwelt hat Strobel ja bevorzugt Opern von Siegfried Wagner dirigiert.

Eine weitere Erstaufführung bildete Olav Lerviks Orchesterbearbeitung von Hans Zimmers Suite aus „Gladiator“ (2000), in der kompositorischen Bebilderung der Schlacht akustisch an der Schmerzgrenze, und mit der fragwürdigen Deutung durch den launigen Kommentator, dieser Gladiator sei ein „Philosoph, der tötet, weil er muss“.

Als Pausen-Rausschmeißer gewählt wurde Elmar Bernsteins Musik zu „Die glorreichen Sieben“, zumal – wie der witzige, aber leider oft nuschelnde Feuerstein betonte –, diese Musik in erster Linie aus der Zigarettenwerbung bekannt sei und man nicht wolle, dass die Raucher vorzeitig den Saal verlassen würden.

Zwei deutsche Themen standen nach der Pause auf dem Programm, John Williams’ Musik zu „Schindlers Liste“, mit dem das Violinsolo schmelzreich sanglich auskostenden Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, Erez Ofer, sowie zwei Szenen aus „Das Leben der Anderen“, eigenwillig komponiert von Gabriel Yared;  dem Verklingen des zweiten Stücks, über den Dichter Georg Dreymann, lauschte  der Dirigent selbst gefühlvoll lange nach.  

Durchaus häufig von Orchestern interpretiert wird Klaus Badelts Filmmusik zu „Der Fluch der Karibik“, aber so vielfarbig schillernd, spritzig und hintergründig, wie vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Frank Strobel, habe ich diese Suite zuvor noch nicht gehört.

Heftiger Beifall mit popkonzertartigen Pfiffen und Standing Ovations im ausverkauften Konzerthaus forderten zwei mit großer Heiterkeit quittierte Zugaben, das Thema aus „Rocky“ von Bill Conti und der „kleine Held“ der DDR, Wolfgang Richters Musik zum „Sandmännchen“. Bei letzterer Zugabe signalisierte der mit Ovationen überschüttete „Papst der Filmmusik“ (Feuerstein über Strobel) auch gestisch, dass sich das Orchester nunmehr aber doch zur Ruhe begeben müsse.