Klein und fein: der Münchner Jazzsommer geht in die 22. Runde – Auftakt mit den „Cookers“ und David Sanborn


(nmz) -
An Anfang hieß er Klaviersommer, denn im Zentrum standen Pianisten. Inzwischen wurde der Name in Jazzsommer geändert, so wie auch das ganze Festival zu einem Hausereignis der Bayerischen Hofs in München wurde. Das aber hat noch immer ein künstlerisches Format, das über die Stadt München hinauswirken kann.
17.07.2013 - Von Ralf Dombrowski

Als der Tenorsaxofonist Billy Harper unmittelbar vor dem Konzert mit den Cookers im Night Club sein Mundstück nicht fand und auf diese Weise kurzzeitig für Aufregung im Team der Organisatoren sorgte, erinneret sich Innegrit Volkart, die Leiterin des Bayerischen Hofs, an andere Anekdoten, die die inzwischen 22 Jahre Jazzsommer begleitet haben. „Mit den Kubanern hatten wir beispielsweise oft Probleme, nicht musikalisch, sondern wegen der Visa. Bevor es das Schengen-Abkommen gab, kam es mehrfach vor, dass die Künstler nicht einreisen durften, weil irgendetwas mit ihren Papieren nicht in Ordnung war. Manchmal haben wir dann versucht, sie über die Schweiz zu uns zu lotsen, aber es kam auch vor, dass ein Konzert wegen solcher Formalitäten abgesagt werden musste“. Demgegenüber erschienen Harpers Probleme schrullig charmant, zumal der alte Herr das kritische Teil doch fand („Es lag dort, wo ich es sonst nie hinlege“) und die Honoratioren-Combo des Modern Jazz mit ein wenig Verspätung loslegte.

Köche mit Geschmack

Die Cookers erwiesen sich als die eigentlich starke Band des Eröffnungsabends. Erstaunlich roh und stellenweise mit archaischer Kraft präsentierte das Septett eine Mischung, die im weiteren Sinne an Hardbop-Bands der Sechziger von Lee Morgan bis Art Blakey anknüpfte, daraus aber eine zeitgemäße Klangerscheinung destillierte, die feine, nur mit vier Bläsern konstruierte oszillierende Momente ebenso entwickelte, wie derbe und lautstarke Kollektivpassagen. Eine zentrale Rolle spielte der Schlagzeuger Billy Hart, dessen wuchtiges, selbst in leisen Phasen massives Spiel die Cookers antrieb und damit Solisten wie Harper, den Trompetern Eddie Henderson und David Weiss oder auch dem Youngster der Band Donald Harrison am Altsaxofon die nötige Basis für solistische Energie gab.

Eigentlich hätte daher diese Band auf die große Bühne des Festsaals gehört und nicht das David Sanborn & Bob James Quartet. Denn die berühmteren Kollegen spielten zwar angenehmen und traditionellen Mainstream, der aufgrund von Sanborns markantem Saxofonton hohen Wiedererkennungswert zu Aufnahmen aus seiner Hochphase in der frühen Achtzigerjahren hatte. Künstlerisch spannend aber war lediglich der Schlagzeuger Steve Gadd, der große Stoiker der rhythmischen Binnenarbeit, dessen getrommelte Details im Rahmen der musikalischen Harmlosigkeit der Band zu ein wenig Esprit verhalfen.

Heiße Jazztage in spe

Eine Eröffnung also mit Überraschungen. Fünf weitere Konzerte werden bis zum Samstagabend noch herausragende Musiker wie den Gitarristen Mike Stern, die ausgezeichnet besetzten New Yokr Salsa All Stars, das Post-Fusion-Sextett Brecker Brothers Band Reunion, die Newcomerin Butterscotch mit einer Soul-Jazz-Hiphop Mischung und den Großvater des afrikanischen Jazz Hugh Masekela in die Stadt bringen. Dazu gibt es eine Ausstellung mit Bildern von Miles Davis bis Bob Dylan und eine exklusive Jazzfilmreihe im hauseigenen Kino. Mehr geht auch nicht in einem einzigen Gebäude, das eigentlich ein Hotel ist und sich das Festival vor allem aus persönlicher Leidenschaft der Leiterin und inzwischen gewachsener Tradition leistet.

Es ist überhaupt erstaunlich, dass der Jazzsommer noch immer das einzige regelmäßig stattfindende Festival seiner Art in München ist, das versucht, den breiten Bogen des modernen, amerikanischen Jazz zu spannen. Da müsste eigentlich mehr drin sein, eine Stadt etwa, die sich die Musik auf die Fahnen schreibt und an jeder Ecke Bühnen aufbaut, wo der Jazz zu den Menschen finden kann. Aber so etwas machen wohl nur die anderen.

David Sanborn und Steve Gadd. Foto: Ralf Dombrowski

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