Lieber einen Prinz für Kinder als Blaublut bejubeln: Uraufführung der Kinderoper „Prinz Bussel“ an der Dresdner Semperoper


(nmz) -
Sage niemand, Dresdens Semperoper gebe sich nicht modern. Soeben hat sie sogar eine echte Uraufführung gestemmt – ein Auftragswerk der Jungen Szene ausdrücklich für Kinder! Nur schade, dass sie damit kaum überregional ausstrahlen wird. Dennoch bemerkenswert, wie dieses lustige Kleinod namens „Prinz Bussel“ nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern mit großer Ernsthaftigkeit gestemmt worden ist.
28.04.2013 - Von Michael Ernst

Fast wie im richtigen Leben: Wenn die Königin Geburtstag hat, sind die Ja-Sager gefragt. Nicht etwa die Nachdenker. Die Königin herrscht im Ja-Land, wo alles rosarot ist. Oder zu sein hat. Oder wenigstens so scheinen soll. Natürlich sind omnipräsente Fotografien der dicken Dame ebenso rosa gefärbt wie ihr tatsächliches Outfit, als sie dann auf der Bühne erscheint. Die Monarchie, absolutistisch wie Diktaturen. Und das mitläufige Volk sehr ähnlich verblendet. Nur die Sicherheitsleute sind, wie überall auf der Welt, ziemlich schwarze Gestalten. Selbstverständlich tragen sie allesamt Sonnenbrillen.

Wenn die Königin Geburtstag hat, will auch der kleine Josofus mitsingen. Das ist ein lieber Kerl, nur nicht sehr helle im Kopf, wie die meisten, die zu königlichen Geburtstagen in Jubel verfallen. Seine sieben (!) Schwestern zum Beispiel. Die sind schier hin und weg vor diesem Spektakel. Schimpfen ihr Brüderchen Dussel, Fussel und Schussel. Das macht Josofus natürlich sehr traurig. Was bleibt ihm übrig, als sich mit königlichen Sammelbildchen zurückzuziehen und in deren Betrachtung zu versinken – bis es feststellt, wie ähnlich er der Monarchin ist. Er muss verwandt mit ihr sein! Schon ist Prinz Bussel geboren.

Er glaubt so sehr an sich selbst, dass er in den schwesterlichen Gesang mit einstimmt, was allgemein für Verstimmungen sorgt. Den harten Sitten des Ja-Landes gemäß wird er ins Auffanghaus für Kinder gesteckt. Dort tragen alle einen Häschen-Kopf und wollen auf dem Ja-Platz der Königin zuwinken. Nur Josofus wird als Frosch eingekleidet, stürzt auf die Herrscherin und bringt sie zu Fall. Aus Versehen, ganz klar, aber wer will ihm das schon glauben? Das Fröschlein muss fliehen. Und trifft einen alten Mann, der ein Rezept gegen Nebel kennt. Das wird Josofus bald brauchen, denn er schenkt sich der Königin als verkleidete Stehlampe, wird aber des Diebstahls eines goldenen Feuerzeugs bezichtigt und kommt in den Kerker. Als dichter Nebel über Ja-Land liegt, kommt seine Chance. Josofus vertreibt alle Schleier und darf endlich – endlich auch als Prinz Bussel – mit seinen Schwestern im Chor singen. Man muss halt nur genug an sich glauben.

Diese auf der einstigen Probebühne der Semperoper uraufgeführte Oper ist als Musiktheater für alle ab acht Jahren ausgewiesen, währt nur gut eine Stunde und hat zur Premiere am letzten April-Samstag junges, sehr junges und erwachsenes Publikum gleichermaßen begeistert. Das Libretto schrieb Manfred Weiß nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Joke van Leeuwen, die Musik stammt von Johannes Wulff-Woesten, dem Studienleiter des Hauses. Er hat schon eine Reihe von Kammeropern hervorgebracht und wusste zuletzt mit dem Projekt „Die Konferenz der Tiere“ nach Erich Kästner zu begeistern, dessen Libretto ebenfalls von Manfred Weiß stammt.

„Prinz Bussel“ ist für kleine Kammerbesetzung geschrieben und klingt so originell wie eingängig. Stimmungsvoller Musicalsound zieht sich durch das gesamte Stück, das von raffinierten Taktwechseln und einer textverständlichen Sanglichkeit lebt. Wie ernst man solch ein Projekt nimmt, zeigt sich unter anderem in der durchweg professionellen Besetzung der mehr als ein Dutzend Partien. Allein die sieben Schwestern sind ein respektables Abbild des Hausensembles, als Königin gibt Sabine Brohm eine eindrucksvolle Persönlichkeit ab, Christa Mayer hält die Kinder des Auffanghauses in Schach, in der Titelpartie besticht Gala El Hadidi mit kullerrunden Augen, enormer Spielfreude und ausdrucksstarkem Gesang.

Der Kinderchor der Oper spielt nicht nur rege mit, sondern zeigt einmal mehr seine dem Chorleiter Andreas Heinze zu verdankenden musikalischen Qualitäten. Regisseurin Valentina Simeonova und Ausstatterin Lena Lukjanova haben ein frisches Spiel an den Tag gelegt, das von Farbigkeit (neben Schweinchenrosa und Schergenschwarz herrschen neonbunte Kleider vor) sowie von lustvoller Dynamik lebt.

Termine: 29., 30. April, 2., 3., 5., 24., 26., 28. Mai, 8., 9. Juni 2013