Rentner-Posten mit Blasmusik? Thomas Goppel will Präsident des Bayerischen Musikrates werden


(nmz) -
(nmz-thg) Für den frischgebackenen bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer war er nicht mehr ministrabel: Aus Altersgründen, wie es hieß. Thomas Goppel ist über 60. Hinter den Kulissen dürften andere Gründe den Ausschlag gegeben haben: Der fast bis zur Egomanie ehrgeizige Goppel hat sich trotz dieser Eigenschaft selbst in der CSU sehr unbeliebt gemacht: Ein autokratischer Kunstminister, nicht sonderlich wirksam oder einfallsreich, dafür publicity-narrisch und machtbewusst. Der Blasmusik verbandlich zugetan sorgte er zu Beginn dieses Jahres noch für ein üppiges Sahnehäubchen aus dem Nachtragsaushalt: Über 170.000 Euro durften die treuen Anhänger mit den Blechinstrumenten einstecken – die anderen Musiksparten gingen leer aus. Darf man so was schon Stimmenkauf nennen?
03.11.2008 - Von Theo Geißler

Es steht nicht sonderlich gut um den Bayerischen Musikrat. Schon zur Amtszeit des vorletzten Präsidenten Winfried Anton war dessen Finanzsituation ein wenig unübersichtlich geworden. Anton, strammer Regierungs-Parteigänger, gelang es immer weniger, die auseinanderdriftenden Vereins-Sparten „Laien“ und „Profis“ unter einem Hut zu halten. Mit dem Komponisten Wilfried Hiller wurde dann – überraschend – ein hochkarätiger Kreativer zu Antons Nachfolger gewählt. Ihm gelangen – zum Beispiel mit seinem Beitrag zur Rettung von Bayern 4 Klassik – durchaus gute kulturpolitische Taten. Für die Niederungen des gemeinen Verbandswesens – verkniffene Verteilungskämpfe und Postengerangel samt den üblichen Eitelkeiten hatte er allerdings keinen Blick. Auch die schütteren Finanzen standen nicht im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Man ließ ihn in einige offene Messer laufen – die natürliche Folge ist Resignation.

In der Zwischenzeit beförderte Kunstminister Goppel – vermutlich nicht direkt aus Liebe zur Frau Musica – die Autarkie seiner Bläser. Gleichzeitig hielt er seine schützende Hand über das Haupt des scheidenden Konservatoriumsdirektors und Musikhochschulprofessors in spe Martin Maria Krüger, seines Zeichens auch noch Präsident des Deutschen Musikrates. Der hatte so viel Zeit für Dienstreisen nach Bonn, Berlin und Peking. Musikpolitisch verfährt Krüger als braver Diener seines Herren auf die „Boarische“ Art: Immer schön dienern und dienen, bloß nicht aufmucken.
 
Was den Deutschen Musikrat aktuell in der Dauerkrise verharren macht - die mit starker Einfluss-Demontage des zivilgesellschaftlichen Engagements und  Kompetenz verbundene Trennung von Verein und gGmbH in eine chronisch unterfinanzierte bürgerschaftliche „Lobby“ und einen dann schwer beeinflussbaren Wirtschaftsteil unter politischer Fuchtel: Dieses Modell half Krüger als "Berater" nach Bayern zu importieren. Der DMR (Vereinsteil) hat diese Fehlentwicklung seit einiger Zeit erkannt und  - auch gegen den "Willen" seines Präsidenten und dank seiner Schwäche erfolglos - zu korrigieren versucht.
 
Martin Maria Krüger hat - sicherlich unter zärtlichem Goppel-Lächeln - divide et impera (zu Deutsch: schlagt Euch nur die Köpfe ein, ich werd dann der Sieger sein) - diese Fehlkonstruktion nach Bayern eingeführt.
Mit den entsprechenden Konsequenzen: In Marktoberdorf regiert jetzt ein materiell bestens ausgestatteter gGmbH-Geschäftsführer. Die zerstrittenen Vereinslager suchen gerade nach frischem Profil und gaben sich eine neue kompromissbehaftete Satzung. Was hilft in solcher Situation? Ein scheinbar starker Mann, einer, der alle Wichtigs kennt, einer, der so stark auftreten kann, dass der Boden ein bisschen bebt? Ein mentaler Dinosaurier als möglicher Boss? Ein Kompensations-Kandidat für eigene Schwäche?
 
Man hätte hoffen können, dass Kulturmenschen auch in Bayern noch nach anderen Kriterien wählen als Kraftmeierei, dominanter Rhetorik und politischem Cliquen-Opportunismus. Thomas Goppel hat sich als Amtsträger lieber für hübsche Kultur-Hüllen eingesetzt als für künstlerisch bedeutende Inhalte. Musik war ihm Beiwerk. Insofern passt er ja vielleicht als Präsident für einen Verein recht gut, der immer noch auf verzweifelter Suche nach seinen Inhalten zu sein scheint. Bei solchen Prozessen bleibt dann meistens irgendwo ein verhärteter Kokon liegen – der Schmetterling Kunst, die Muse, die Musik hat sich längst davongemacht.

 P.S.: Die Wahl ist am kommenden Samstag.

Das könnte Sie auch interessieren: