Schlaglicht: Mit alten Göttern gegen die Krise – Musikinstrumentenbau in Griechenland


(nmz) -
Im August will Griechenland aus dem Kreditprogramm aussteigen. Die Gläubigerinstitutionen (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfonds und Europäischen Stabilitätsmechanismus) begrüßen das, doch die Wirtschaft ist noch lange nicht wieder in Schwung. Viele haben längst das Land verlassen. Anders Familie Koumartzis. Mitten in der Krise, 2012 gründete sie das Unternehmen „Lutherios Musikinstrumente“ in Nordgriechenland, das sich auf Instrumentenbau von traditionellen und antiken griechischen Saiteninstrumenten und Trommeln spezialisiert hat.
05.07.2018 - Von Elisabeth Heinze

„Wir wollten etwas an dem Ort schaffen, an dem wir leben, anstatt, wie die Mehrheit der jungen Menschen während der Krise, in ein anderes Land zu ziehen“, erklärt Thodoris Koumartzis, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Sein Vater, eigentlich Tierarzt Anastasios Koumartzis machte sein Hobby zum Beruf und verhalf so seinen drei Söhnen zu einem bescheidenen Broterwerb. Schon vor Jahren baute der Amateurmusiker seine Bouzouki selbst. Das Lauteninstrument ist hierzulande wohl am ehesten durch den erfundenen griechischen Volkstanz „Sirtaki“ bekannt. Als Nikos, der mittlere Sohn sein Produktdesign-Studium abschloss, entstand die Idee mithilfe moderner Technologien wie 3D-Modellierung Replikate antiker, griechischer Musikinstrumente zu entwerfen.

Eine davon ist die Leier (griechisch: Lyra). Doch dabei handelt es sich nicht um den gleichförmig sich wiederholenden Leierkasten, sondern um ein filigranes, abwechslungsvolles und leicht-zu-spielendes Zupfinstrument, das gemeinsam mit der Kithara, die älteste überlieferte Grundform der heutigen Gitarre darstellt. Historische Quellen bilden den Ausgangspunkt: Die Darstellungen auf Gefäßen und Bildern, die Beschreibungen der Leier beispielsweise bei Homer oder Ovid versetzen die Instrumentenbauer in die Lage durch Studium und Kooperation mit griechischen Universitäten hölzerne Klangkörper nachzuahmen, die teils vor über 1200 Jahren vor unserer Zeit entwickelt wurden.

„Die Instrumente haben jahrhundertelang geschwiegen,“ sagt Danis, Profimusiker, der ältester Bruder, und bekräftigt: „Ihre materielle Wiederbelebung kann nur durch Nachforschungen antiker Kompositionen erreicht werden“.

Dass die alten Mittel auch im zeitgenössischen Gewand präsentiert werden können, zeigen die Produktionen mit der Leier auf dem Soundtrack der Erfolgsserie „Games of Thrones“ und Aufnahmen der Titelmelodie von „Stars Wars“, die online zu finden sind. So wird dem Instrument ohne jüngere Vergangenheit eine neue Dimension verliehen.

Ein Perspektivwechsel auch im Leben dieser griechischen Musikerfamilie, denn obgleich „das griechische Steuersystem immer komplizierter geworden ist,“ wie Thodoris meint, wollen sie sich auf die inspirierenden Aspekte der antiken, griechischen Kultur fokussieren, „als die Musik und das Leben in einer ethischen und persönlichen Suche eines Jeden einen ganz anderen Stellenwert einnahmen“.

Die Instrumente und antiken Brettspiele werden sowohl in Thessaloniki als auch in Athen ausgestellt. Nicht nur international renommierte Leierspieler, auch der Hip-Hop-Künstler Akala aus London kam schon zu Besuch. Vom 6. bis zum 8. Juli ist „Lutherios Musikinstrumente“ beim Rudolstadt-Festival auf dem Instrumentenmarkt vertreten. „Eine großartige Gelegenheit, an einem solchen historischen Musikfestival teilzunehmen, mit vielen Menschen aus verschiedenen Ländern,“ findet Danis, der musizierende Instrumentenbauer, der sich für kurze Zeit auf den Weg nach Thüringen gemacht hat.

Ähnliche Artikel