Schwein gehabt mit Jazz: an Pfingsten startet das INNtöne-Festival im österreichischen Diersbach


(nmz) -
Im Jahre 2002 hat Paul Zauner auf dem heimischen Hof zum ersten Mal die Sau raus gelassen. Oder besser gesagt: die Säue. Die grunzenden Zeitgenossen, die er in einem sehr geräumigen Stall untergebracht hatte, zogen auf eine naheliegende Weide um - mit kleinem Wäldchen.
08.06.2011 - Von Ssirus W. Pakzad

Die alte Unterkunft der Ringelschwanzträger wurde damals nämlich dringend benötigt. Der Bio-Bauer. Agrar-Ingenieur, Posaunist, Pianist, Bandleader (Blue Brass Connection), Label-Inhaber (PAO Records) und Veranstalter Zauner (etwa „Alles im Fluss“ in Passau) wollte unbedingt ein Festival fortsetzen, das er einst in einer Halle im oberösterreichischen Raab veranstaltet hatte. Nachdem der Auftrittsort nicht mehr zur Verfügung stand, führten Gedankenspiele zu der Idee, die „INNtöne“ künftig auf dem eigenen Hof abzuhalten. So wurde die einstige Ferkel-Herberge mal eben zweckentfremdet. Eine Bühne und eine riesige Tribüne wurden in den gigantischen Stall eingebaut. „Der gesamte Platz wurde natürlich inspiziert, bevor wir anfangen konnten“, sagt Paul Zauner. „Man muss ja auch Sanitäranlagen vorweisen können; Notausgänge müssen vorhanden sein, und eine Notbeleuchtung ist ebenso Pflicht. Auch die Treppe der Tribüne muss gewissen Normen entsprechen. Die Baubehörde kam so lange, bis alles gepasst hat. Und dann haben wir eine Dauergenehmigung für unser Festival erhalten.“

Gut tausend Zuhörer fasst der Konzert-Raum – und die kommen nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus dem europäischen Ausland nach Diersbach (nahe Passau) angereist. Die meisten von ihnen campieren auf den umliegenden Wiesen. Wer´s bequemer mag, der sucht sich ein Fremdenzimmer.

Musikalisch wird den „INNtöne“-Gästen nicht das übliche Festival-Einerlei vorgesetzt. Auf durchreisende Stars, die während umfassender Touren alle großen Bühnen abgrasen, verzichtet man. Stattdessen bietet Paul Zauner, der das Programm mit dem befreundeten Kardiologen und exzellenten Jazzkenner Dr. Klaus Stumvoll zusammen stellt, den Besuchern an Pfingsten viele Musiker, die es noch zu entdecken gilt, aber auch alte Bekannte, die musikalisch nie stehen geblieben sind. Nach Aussage des Festival-Chefs soll die Musik authentisch, unverfälscht, klischeefrei sein. Diesmal kommen Joseph Tawadros feat. John Abercrombie, das Carlos Garnett Quartet, Studio Dan, Bleu, das Eric Seva Quartet, Heritage Club, Ars Antiqua Austria oder das Azar Lawrence Quartet auf das malerisch gelegene Gut in Oberösterreich (alle Informationen unter www.inntoene.at). Der ORF zeichnet das Festival auf – zweihundert Radiostationen in aller Welt hängen sich an die Live-Übertragungen dran oder senden Aufzeichnungen.

INNtöne bietet allen Ticketinhabern aber nicht nur Musik vom Feinsten, die in der ungewohnten Umgebung noch einen ganz eigentümlichen Erlebnischarakter erfährt. Auch kulinarisch ist einiges geboten – schließlich ist Paul Zauner Genussbotschafter seines Bundeslandes. So können seine Gäste anschließend sagen: nicht nur Schwein gehabt mit Jazz. Sieben Paarhufer aus Zaunerscher Züchtung müssen an Pfingsten dran glauben. Sie teilen ihr Schicksal mit 320 Masthühnern. Außerdem wird bester Wein aus aller Welt (eigener Weinkurator!) und Most aus eigener Herstellung angeboten. Bauern aus der Umgebung liefern zudem selbstgebrannte Schnäpse. „Beim Essen schmeckt man ja nicht nur etwas, man spürt auch was“, sagt Zauner und führt ein Glas prämierten Riojas an die Lippen. „Bei der Musik ist es ähnlich: man hört nicht nur was, sondern macht im Idealfall auch eine körperliche und geistige Erfahrung durch.“

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