„Sinnerfülltes Musizieren auf höchstem Niveau…“ - Peter Vierneisel im Gespräch


(nmz) -
1974 in Mannheim geboren, absolvierte Peter Vierneisel ein Kapellmeisterstudium in Maastricht und ist Orchesterleiter des Landespolizeiorchesters Brandenburg. Er ist inzwischen einer der profiliertesten Dirigenten in der deutschen Blasmusikszene und steht dem Landesjugendblasorchesters Sachsen (LJBO) seit 2006 als Chefdirigent vor. Norman Grüneberg sprach mit dem Dirigenten.
02.03.2009 - Von Norman Grüneberg

Was reizt Sie an der Arbeit als künstlerischer Leiter des LJBO Sachsen?
Vor allem die Verbindung von Musizieren auf höchstem künstlerischem Niveau mit Musikerziehung junger MusikerInnen im Alter von 14 bis 27 Jahren.

Welche Projekte sind für 2009 angedacht?
Wir produzieren für den Musikverlag Rundel eine CD. Diese Produktion gliedert sich in zwei Projektphasen, die wiederum aus einer zweitägigen Erarbeitungsphase und einer anschließenden dreitägigen Aufnahmephase bestehen. Abgeschlossen wird jede Projektphase mit der bewährten Konzeption und Durchführung eines Werksattkonzertes in Frankenberg als Sitz des Sächsischen Blasmusikverbandes e.V. (SBMV). Aufgenommen werden kompositorisch unglaublich interessante Werke, deren Komponisten auch in einer Beziehung zu Sachsen stehen.

Wie kommt die Zusammenarbeit mit dem MV Rundel zustande?
Ich arbeite seit einigen Jahren mit dem Musikverlag Rundel zusammen – hatte also die Möglichkeit, bereits mehrere CD-Produktionen einzuspielen. Diese Zusammenarbeit zeichnet sich durch ihre hohe Intensität und ein gegenseitiges Vertrauen aus, wodurch in der Folge wunderbare Projekte gestaltet werden konnten.
Da ich das LJBO Sachsen für eines der führenden Auswahlorchester in Deutschland betrachte und das Orchester mir auch eine Herzensangelegenheit ist, habe ich dem MV Rundel vorgeschlagen, in seine Reihe von CD-Produktionen mit ausgezeichneten Orchestern auch das LJBO mit einzubeziehen. Und nun freuen sich alle Beteiligten auf eine erfolgreiche Aufnahme.

Nach welchen Kriterien stellen Sie generell die Konzertprogramme des LJBO Sachsen zusammen?
Hier spielen mehrere Aspekte eine Rolle: Zunächst ist das LJBO ein Aushängeschild des SBMV, der sich der Förderung der Bläsermusik verschrieben hat. Deshalb haben die Programme stets einen wegweisenden Charakter, der auch Vorbild für die Blasmusikszene in Sachsen sein soll. Daneben soll das Publikum mit der vielseitigen, interessanten und wertvollen Bläsermusik im konzertanten Bereich in Kontakt treten.
Hauptaspekt ist es aber vor allem, dass hochbegabten MusikerInnen, die durch ein Auswahlverfahren ermittelt werden, eine Plattform gegeben werden soll, wo sie sich unter Anleitung hervorragender Dozenten musikalisch weiter entwickeln sollen und auch die Möglichkeit bekommen, wertvolle Bläserliteratur kennenzulernen.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation der Blasmusik in den neuen Bundesländern?
Das ist zunächst nur schwer vergleichbar mit in der Bläsermusik führenden Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern, weil es zu DDR-Zeiten die in den alten Bundesländern vorhandenen Vereinsstrukturen in diesem Sinne nicht gab. Heute ist das aber im Aufbau begriffen, wobei der SBMV maßgebliche Unterstützung und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Klar ist zu sehen, dass die Breite an Musikvereinen wie z.B. in Bayern nicht vorhanden ist und dadurch auch der Musikerpool viel kleiner ist.
Nichtsdestotrotz ist dadurch, dass der SBMV höchst professionell und sehr engagiert die Szene mit sehr guten Projekten voranbringt - vor allem durch Fortbildungsmöglichkeiten für Musiker, Dirigenten und Funktionäre - eine ganz starke Bewegung in die richtige Richtung zu erkennen, sodass man mit viel Zuversicht den nächsten Jahren entgegenblicken kann.

Welche Bedeutung messen Sie dabei dem LJBO Sachsen zu?
Das LJBO ist das führende Landesensemble des SBMV. Es hat die Aufgabe, einen Wertemaßstab zu setzen, der allen Musikvereinen und –ensembles Orientierung bietet. Das ist auch am Interesse eindeutig zu spüren, sowohl bei den Teilnahmebewerbern als auch bei den Konzertbesuchern, was wiederum als Ausdruck der professionellen Arbeit des SBMV gesehen werden kann.

Was verbinden Sie mit dem Begriff ‚Sinfonische (Blas)Musik‘?
Der Begriff sorgt immer wieder für Diskussionen und Auseinandersetzungen. Umstritten ist dabei vor allem das Wort ‚sinfonisch‘, was m. M. n. auf einer Unkenntnis über die eigentliche Bedeutung des Begriffs ‚sinfonisch‘ beruht. Ich persönlich betrachte ihn vom Wesen her nicht so sehr als formal-strukturellen, sondern eher als musikästhetischen Begriff und setze ihn daher gleich mit ‚sinnerfüllt‘.
Sinfonisches Musizieren ist somit sinnerfülltes Musizieren, was jedem Musikstil und jedem –genre zugrunde liegt. Man kann bzw. sollte und muss einen Marsch gleichermaßen sinnerfüllt spielen wie eben auch konzertante Musik.


CD-Programm LJBO Sachsen 2009

Pavel Stanek: Konzert für Tuba und Blasorchester / Nocturno für Harfe, Violoncello und Blasorchester
Richard Wagner: Huldigungsmarsch, WWV 97*
Johannes Brahms: Akademische Festouvertüre, op. 80*
Johann Sebastian Bach: Toccata und Fuge d-moll*
Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Blasorchester, op. 113 (Bearbeitung: Siegmund Goldhammer)

Solisten
Tuba: Prof. Jörg Wachsmuth, HfM Dresden
Harfe: N.N.
Cello: Jan-Hendrik Rübel, Stellv. Solocellist Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Klarinette: Nicole Kern, Solo-Klarinettistin Staatstheater Stuttgart
Bassetthorn: Michael Kern, Solo-Klarinettist Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin