Tastenzauber am Ammersee: Das Internationale Piano Festival geht in sein zweites Jahr


(nmz) -
„Das Klavierfest wird in Dießen ein festes Standbein bekommen“, so die frohe Botschaft bei der Pressekonferenz in Dießen. Nach dem erfolgreichen Probelauf im vergangenen Liszt-Jahr soll das Klavierfest Ammersee (Internationales Piano Festival) auf eine breite Basis gestellt werden. Initiatorin und Intendantin Friederike Haufe präsentierte das von künftiger Vielfalt kündende Programm.
14.09.2012 - Von Reinhard Palmer

Im idyllischen Dießen am Ammersee, der Heimatstadt des Präsidenten des Bayerischen Musikrats Dr. Thomas Goppel MdL und der einstigen Wahlheimat von Carl Orff, gab es schon mehrere Versuche, ernste Musik zu etablieren. Wirklich gelungen war es bisher nur mit den Münsterkonzerten. Die Hamburger Pianistin Friederike Haufe, deren Großeltern in Dießen lebten, erkannte das Potential außerhalb der Kirchenmauern und die Gunst der Stunde, überzeugte mit ihrer einnehmenden Art sowohl Bürgermeister Herbert Kirsch wie auch Stiftsdirektor des Augustinums Ammersee Bernhard Benne. Das Augustinum ist nun Gastgeber und Sponsor des Festivals, verfügt über einen beachtlichen Theatersaal mit geräumigem Foyer, über Unterbringungsmöglichkeiten und Gastronomie sowie über einen Konzertflügel. Seit Jahren finden dort Kulturveranstaltungen statt, sodass ein Publikum bereits vorhanden ist.

„Mein Anliegen ist es, das Klavier in der Vielfalt zu präsentieren“, umriss Haufe den inhaltlichen Ansatz. Dazu gehört in erster Linie das Solo-Rezital, das 2012 von zwei jüngeren Pianisten übernommen wird. Henri Bonamy wird Werke von Chopin, Débussy und Strawinsky spielen (13.10., 16 Uhr). Die Finalistin und Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbs Annika Treutler gibt indes eine Matinee (14.10., 11 Uhr) mit Werken von Beethoven, Grieg, Messiaen und Brahms. Maestro Norman Shetler führt das Klavier als Begleitinstrument vor, an der Seite von Bariton Christfried Biebrach in Schuberts Winterreise (13.10., 19.30 Uhr). Die Kunst der Improvisation bleibt dem Jazz vorbehalten, der sich hier mit Jasper van’t Hof in einer eigenwilligen Variante präsentieren wird (14.10., 17 Uhr). Mit gebrochener Rhythmik und Elementen aus der Neuen Musik ist der Niederländer ein Grenzgänger zwischen E- und U-Musik.

Eröffnet wird das diesjährige Festival von der Intendantin selbst im Duo mit Volker Ahmels, ihrem Ehemann. Beim Internationalen Festival Verfemter Musik in Schwerin maßgeblich engagiert, stellt das Duo auch hier diesen Themenkreis vor, der sich zudem wie ein roter Faden durchs Gesamtprogramm ziehe, so Haufe. Der gewaltsame Riss durch die künstlerische Tradition, Berufsverbote und Ermordung unzähliger hoffnungsvoller Künstler hatte eine Vorgeschichte und Folgen. Ein Umfeld, in dem zweifelsohne weite Zusammenhänge erkennbar werden. Vor dem Krieg habe es viele Strömungen gegeben, „die erst wieder entdeckt werden müssen“, betonte Haufe. Nicht zu vergessen: Verfemt waren auch Werke von nicht in Deutschland lebenden Komponisten, ebenso Jazz. Beim Eröffnungskonzert (12.10., 19.30 Uhr) kommen vierhändige Werke von Schönberg und Hindemith neben Raritäten von Leo Smit (1900–1943), Hans Gál (1890–1987) und Ernst Toch (1887–1964) zur Aufführung. (Siehe hierzu auch die CD-Besprechung von Albrecht Dümling.)

Unter der Überschrift „Verfemte Kunst“ steht neben dem Konzert auch eine Ausstellungseröffnung. Gezeigt wird Malerei von Fritz Winter (1905–1976)   der sich nach Ausstellungsverbot und Entzug seines Lehrauftrags nach Dießen zurückgezogen hatte   aus allen Schaffensphasen, versprach Galerieleiter und Großneffe des Künstlers Michael Gausling. In einer anschließenden Talk-Runde wolle man die Thematik unter der Moderation von Marlen Reichert (Bayerischer Rundfunk) vertiefen.

„Junge Leute, wo steckt ihr?“, fragt sich aber auch Friederike Haufe angesichts des „grauen Meeres“ im Publikum. Jugendarbeit soll daher zu den Aufgaben des Festivals gehören. Einerseits mit einem Kurs des renommierten Pädagogen Volker Ahmels, zu dem vor allem Dießener Schüler eingeladen sind (Anmeldung bis 2.10.). Andererseits mit dem Besuch des Ammersee-Gymnasiums sowie der Carl Orff Schule. Unter dem Projekttitel „Taste for School“ wird Pianist und Dirigent Henri Bonamy dort vor Schülern jeweils ein Gesprächskonzert mit Strawinskys „Petruschka“ geben. Es bleibt nur noch, einen neuen Festival-Cocktail als Aperitif zu kreieren, warf Bernhard Benne ein.

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